Prozess, Tod

Prozess um Tod von ZweijÀhrigem in Kita - Kritik an Betten

20.10.2023 - 13:03:40 | dpa.de

Ein ZweijĂ€hriger erstickt in einer Mini-Kita, seine beiden TagesmĂŒtter stehen nun vor Gericht. Doch ein Gutachter betont: WĂ€ren die Kinderbetten in der Einrichtung vorschriftsmĂ€ĂŸig gesichert gewesen, hĂ€tte das UnglĂŒck nie geschehen können.

Die angeklagten TagesmĂŒtter mit ihren AnwĂ€lten im Amtsgericht Gelsenkirchen. - Foto: Oliver Berg/dpa
Die angeklagten TagesmĂŒtter mit ihren AnwĂ€lten im Amtsgericht Gelsenkirchen. - Foto: Oliver Berg/dpa

Fehlende Sicherheitsvorkehrungen, kaum Platz: Das Kita-Bett, in dem ein kleiner Junge vor zwei Jahren in Gelsenkirchen zu Tode gekommen ist, hat nach EinschĂ€tzung eines Gutachters gegen eine ganze Reihe von Vorschriften verstoßen.

«Solche Betten werden heute eigentlich gar nicht mehr verwendet», sagte der MöbelsachverstÀndige Stephan Lahrmann am Freitag im Prozess um den tragischen Todesfall. An allen Seiten seien Gitter gewesen, nach oben habe der ZweijÀhrige nur gut 60 Zentimeter Platz bis zur nÀchsten Ebene des Etagenbettes gehabt. Lahrmann sprach von einem «KÀfig».

Gut zwei Jahre, nachdem der Junge in dem Bett eingeklemmt wurde und erstickte, hat der Prozess gegen die beiden TagesmĂŒtter am Freitag noch einmal von vorn begonnen. Die Anklage wirft den 38 und 27 Jahre alten Frauen vor dem Amtsgericht Gelsenkirchen fahrlĂ€ssige Tötung vor, weil sie die Aufsichtspflicht fĂŒr die Kinder verletzt hĂ€tten.

Was genau damals wĂ€hrend der Mittagspause in der Mini-Kita passierte, dazu haben die beiden TagesmĂŒtter vor Gericht geschwiegen und nur ihre AnwĂ€lte kurze ErklĂ€rungen verlesen lassen. Unstrittig ist, dass der zweijĂ€hrige Junge in der Mittagspause nicht schlafen wollte. Nachdem er schon einmal aus dem Bett geklettert war, schlossen die TagesmĂŒtter das Gitter an seinem Bett und verließen den Raum. Durch die geschlossene TĂŒr hĂ€tten sie noch ein Quengeln gehört, hĂ€tten aber trotzdem nicht nach dem Kleinen geschaut, sagte die StaatsanwĂ€ltin. Irgendwann sei es still geworden. Die TagesmĂŒtter hĂ€tten gedacht, der Junge sei eingeschlafen.

Kind am Hals eingeklemmt

Als sie eine Stunde spĂ€ter nach den Kindern schauten, war der ZweijĂ€hrige erstickt. Den Ermittlungen zufolge hatte er es geschafft, die lose Bodenplatte des darĂŒberliegenden Bettes hochzudrĂŒcken und seinen Kopf durch die LĂŒcke zu stecken. Als seine Kraft nachließ, wurde sein Hals unter der elf Kilo schweren Platte eingeklemmt.

GemĂ€ĂŸ den Vorschriften hĂ€tte die Spanplatte fest verschraubt sein mĂŒssen, betonte Gutachter Lahrmann. Dann wĂ€ren die Bettchen zwar immer noch klein und eng gewesen, doch das UnglĂŒck hĂ€tte nicht passieren können.

Die Stadt Gelsenkirchen hatte nach Angaben eines Stadtsprechers nach dem Vorfall Konsequenzen gezogen. An den Holzbetten, die auch in einer anderen Kita im Einsatz gewesen seien, seien die losen Zwischenplatten nachtrÀglich fixiert worden. Nach Angaben der Stadt stammte das Bett von einem professionellen Kinderbettenausstatter.

Die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft zu den Betten liefen ins Leere. Klar sei, dass sie zehn Jahre vor dem tödlichen Zwischenfall aus finanziellen Mitteln der Stadt Gelsenkirchen angeschafft worden seien und seitdem im Einsatz gewesen seien, berichtete der Vorsitzende Richter Karl-Martin Lucks aus den Ermittlungsakten. Auch der Hersteller der Betten und der Lieferant seien ermittelt worden. «Es versuchen jetzt natĂŒrlich alle, sich rauszureden», sagte Lucks.

Eltern des Jungen im Gerichtssaal dabei

Juristisch zur Verantwortung ziehen lassen sich nach EinschĂ€tzung der Staatsanwaltschaft nur die beiden 38 und 27 Jahre alten Frauen, die als selbststĂ€ndige TagesmĂŒtter in der von der Stadt organisierten Großtagespflege arbeiteten. Sie hĂ€tten die Kinder wĂ€hrend des Mittagsschlafs nicht unbeaufsichtigt in dem Schlafraum lassen dĂŒrfen. Nicht einmal in Babyfon sei installiert gewesen, sagte die StaatsanwĂ€ltin.

Die Eltern des ZweijĂ€hrigen verfolgten den Prozess sichtlich bewegt. «Er hat das Leben geliebt. Er hat getanzt und gesungen», erzĂ€hlte die Mutter ĂŒber ihren Sohn.

Ein Urteil könnte am kommenden Freitag verkĂŒndet werden. Der Prozess hatte im April schon einmal begonnen - musste damals aber wegen eines organisatorischen Fehlers des Gerichts nach wenigen Stunden wieder abgebrochen werden.

So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!

<b>So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlĂ€ssliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
de | unterhaltung | 64105190 |