16-JĂ€hrige vor Zug gestoĂen - TĂ€ter muss in Psychiatrie
29.04.2026 - 13:15:41 | dpa.deNach dem Prozess um den tödlichen StoĂ gegen die 16-jĂ€hrige Liana vor einen GĂŒterzug in Niedersachsen muss der Beschuldigte in die Psychiatrie. FĂŒr den 31-JĂ€hrigen werde die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet, sagte der Richter im Landgericht Göttingen. Ein Gutachter hatte bei dem Mann eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert.Â
Nach Ăberzeugung des Schwurgerichts hat der Beschuldigte die Jugendliche im Sommer 2025 am Bahnhof von Friedland vor den durchfahrenden Zug gestoĂen. Die 16-JĂ€hrige erlitt durch den Zusammenprall Verletzungen am Kopf, die sie nach Ermittlerangaben sofort töteten. Der Fall um das MĂ€dchen, das 2022 mit seiner Familie aus der Ukraine nach Deutschland geflĂŒchtet war, sorgte bundesweit fĂŒr Schlagzeilen.Â
Angriff löste politische Debatten aus
Bis heute beschĂ€ftigt der gewaltsame Tod auch die Politik, weil der ausreisepflichtige Iraker nach den europĂ€ischen Asyl-Regeln eigentlich schon Monate vor der Tat von Deutschland nach Litauen hĂ€tte gebracht werden sollen. Die Landesaufnahmebehörde hatte daher einen Antrag auf Abschiebungshaft gestellt, den das Amtsgericht Hannover aber ablehnte. Am Mittwoch sollte sich der auch niedersĂ€chsische Landtag erneut mit möglichen Konsequenzen befassen.Â
Strafverfolger sprechen von einem heimtĂŒckischen MordÂ
Die Staatsanwaltschaft Göttingen ging wegen der paranoiden Schizophrenie davon aus, dass der Beschuldigte zum Tatzeitpunkt nicht schuldfĂ€hig war. Daher wurde kein regulĂ€rer Strafprozess mit einer Anklage, sondern ein sogenanntes Sicherungsverfahren gefĂŒhrt. Dabei wird nicht nur geklĂ€rt, ob er Beschuldigte der TĂ€ter ist, sondern auch, ob er in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht wird.
Trotz der SchuldunfĂ€higkeit bezeichneten die Strafverfolger im PlĂ€doyer die Tat als heimtĂŒckischen Mord und erklĂ€rten, dass von dem Beschuldigten aus ihrer Sicht eine Gefahr fĂŒr die Allgemeinheit ausgehe. Die Verteidigung kam nach neun Verhandlungstagen auf ein anderes Ergebnis und plĂ€dierte auf Freispruch aus Mangel an Beweisen. Die Nebenklage, die die Mutter der Getöteten vertrat, forderte eine Verurteilung wegen Mordes und sprach sich fĂŒr einen Wechsel in ein regulĂ€res Strafverfahren aus.Â
Trauerfeier in ThĂŒringenÂ
Im September 2025 war Liana unter groĂer Anteilnahme beigesetzt worden. Familie und Freunde nahmen in Heilbad Heiligenstadt im Nordwesten ThĂŒringens Abschied und erwiesen dem MĂ€dchen bei einer von einem ukrainisch-orthodoxen Geistlichen geleiteten Zeremonie die letzte Ehre.
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