El Niño, WMO

El Niño erreicht laut WMO bis zu 3,8 Grad über Normal

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 13:51 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Weltwetterorganisation erwartet im tropischen Pazifik eine Temperaturabweichung, die deutlich über dem bisherigen Höchstwert liegen könnte. Das Wetterphänomen kann weltweit gegensätzliche Folgen auslösen, während Europa meist weniger stark betroffen ist.

WMO-Prognose für den tropischen Pazifik

  • WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo äußerte sich in Genf zu den Messdaten der vergangenen 40 Jahre.
  • Die Meerestemperatur im Pazifik könnte laut Modellrechnungen 3,8 Grad über dem langjährigen Mittel liegen.
  • El Niño kann je nach Weltregion Dürren oder sehr starke Regenfälle auslösen.
Die WMO rechnet mit einem beispiellos starken El Nino. (Archivbild) - Bild: Jake Lee Green/ZUMA Press Wire/dpa

WMO erwartet extremen El Niño im Pazifik

Das Wetterphänomen El Niño dürfte beispiellose Stärke erreichen. In den vergangenen 40 Jahren, in denen Daten erhoben wurden, habe es noch nie so hohe Meerestemperaturen im tropischen Pazifik gegeben, sagte WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo in Genf.

Die Temperatur im Pazifik könne nach Modellrechnungen 3,8 Grad über dem langjährigen Mittel erreichen. Die bislang höchste Abweichung habe bei etwa drei Grad gelegen; von einem El Niño werde bereits ab 0,5 Grad über dem Normalwert gesprochen.

Modellrechnung liegt über bisherigem Höchstwert

Die Prognose beschreibt eine außergewöhnliche Erwärmung des tropischen Pazifiks. Das Phänomen tritt alle paar Jahre natürlich auf und verändert die atmosphärische Zirkulation über dem Ozean.

Je nach Region kann El Niño Dürren oder sehr starke Regenfälle auslösen. Die Folgen verteilen sich dabei nicht gleichmäßig, sondern hängen von den jeweiligen Wetter- und Klimamustern ab.

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Regionale Folgen bleiben unterschiedlich

In den betroffenen Weltregionen kann die zusätzliche Erwärmung die Gefahr von Wasserknappheit, Ernteausfällen und Waldbränden erhöhen. Anderswo steigt das Risiko für extreme Niederschläge und Überschwemmungen.

Europa ist von den unmittelbaren Auswirkungen in der Regel weniger stark betroffen. Indirekte Folgen über globale Lebensmittelmärkte, Lieferketten und humanitäre Krisen können jedoch auch für europäische Länder relevant werden.

Globale Erwärmung verstärkt die Risiken

El Niño ist ein natürliches Klimaphänomen und nicht mit der menschengemachten Erderwärmung gleichzusetzen. Eine bereits wärmere Atmosphäre und aufgeheizte Ozeane können die Auswirkungen extremer Wetterlagen jedoch verschärfen.

Für die weitere Bewertung kommt es auf die tatsächliche Entwicklung der Meerestemperaturen und auf die Dauer des Ereignisses an. Die WMO-Prognose liefert dafür ein frühes Signal mit weltweiter Bedeutung.

El Niño entsteht, wenn sich das Oberflächenwasser im östlichen und zentralen tropischen Pazifik ungewöhnlich stark erwärmt. Die dadurch veränderte Wärmeverteilung beeinflusst die atmosphärische Zirkulation und kann Wetterlagen in weit entfernten Regionen verschieben.

Die möglichen Folgen fallen regional sehr unterschiedlich aus. Frühere starke Ereignisse gingen unter anderem mit Dürren in Teilen Mittelamerikas, Südamerikas und Afrikas sowie mit Starkregen und Überschwemmungen in anderen Gebieten einher. Für Europa sind die direkten Auswirkungen meist schwächer, dennoch können veränderte globale Wetter- und Erntemuster über Lebensmittelpreise, Lieferketten und humanitäre Krisen spürbar werden.

Zusätzlicher Druck durch die Erderwärmung

Die aktuelle Entwicklung trifft auf bereits erwärmte Ozeane und eine wärmere Atmosphäre. Dadurch können Dürren intensiver ausfallen, während eine wärmere Luft zugleich mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann und bei geeigneten Wetterlagen stärkere Niederschläge begünstigt.

Die Größenordnung der WMO-Prognose wäre deshalb nicht nur eine statistische Rekordmarke. Sie würde die Wahrscheinlichkeit regionaler Extremereignisse erhöhen, ohne deren konkretes Auftreten an jedem Ort festzulegen. Besonders gefährdet sind Regionen, in denen Landwirtschaft, Wasserversorgung und soziale Stabilität bereits unter Druck stehen.

Auswirkungen reichen bis nach Europa

Für Deutschland steht bei El Niño nicht ein einzelnes vorhersehbares Wetterereignis im Mittelpunkt. Relevanter sind mögliche indirekte Folgen für globale Ernten, Rohstoffmärkte und die Preise importierter Agrargüter. Zugleich bleibt die genaue Stärke des Phänomens entscheidend für die internationale Risikobewertung.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Euronews: „El-Niño-Lagebericht: Wetterphänomen sorgt weltweit für Chaos diese Woche“ (20.10.2026)

Der Bericht bestätige die außergewöhnliche Stärke des aktuellen El Niño und beschreibe bereits beobachtete Folgen wie Dürre, Starkregen und Belastungen für Korallenriffe. Anders als die dpa-Meldung richte er den Schwerpunkt auf konkrete Auswirkungen in mehreren Weltregionen und darauf, dass unterschiedliche Messmethoden die historische Einordnung erschwerten.

Deutschlandfunk: „Klimaphänomen - El Niño macht Teile des Pazifiks blauer und wärmer“ (19.10.2026)

Der Beitrag habe die Veränderungen im Pazifik anhand von Satellitendaten und Angaben der NASA erklärt. Im Vergleich zur WMO-Warnung über die erwartete Stärke habe er stärker die ozeanischen Begleiterscheinungen und mögliche Risiken für Sturmfluten und Überschwemmungen an Küsten hervorgehoben.

Beide Beiträge ordneten El Niño als global wirksames Klimaphänomen ein. Unterschiede lägen vor allem beim Fokus: Die WMO-Meldung betone die außergewöhnliche Prognose, während die anderen Beiträge Folgen und Messmethoden in den Vordergrund stellten.

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