RKI-SchÀtzung: Tausende Tote durch Hitzewelle Ende Juni
Veröffentlicht: 09.07.2026 um 09:29 Uhr, dpa.deDie Hitzephase ab Mitte Juni hat nach SchĂ€tzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) rund 5.100 Menschen das Leben gekostet. Die Zahl der Hitzetoten ĂŒbertrifft demnach damit schon zur Jahresmitte die Werte ganzer Vorjahre deutlich: 2023 bis 2025 waren es im Schnitt 2.900 hitzebedingte TodesfĂ€lle pro Jahr.Â
Die Zahl der Hitzetoten betrug nach RKI-SchĂ€tzung in der Woche mit den besonders heiĂen Tagen vom 22. bis 28. Juni rund 4.310, wie aus den jĂŒngsten beiden RKI-Berichten zur hitzebedingten MortalitĂ€t hervorgeht. FĂŒr die Zeit von April bis 21. Juni hatte das RKI rund 810 hitzebedingte TodesfĂ€lle geschĂ€tzt. Nach Auskunft einer RKI-Sprecherin gingen jedoch so gut wie alle dieser etwa 810 HitzetodesfĂ€lle auf die Woche vom 15. bis 21. Juni zurĂŒck.Â
Besonders betroffen waren auch in diesem Jahr Ă€ltere Menschen. Bis zum 28. Juni starben demnach geschĂ€tzt etwa 2.950 Menschen im Alter von 85 Jahren oder mehr hitzebedingt. Bei den 75- bis 84-JĂ€hrigen waren es 1.320 Menschen, bei den 65- bis 74-JĂ€hrigen geschĂ€tzt 550 Menschen und bei denen unter 65 Jahren etwa 300.Â
Auswirkungen der extremen Hitze könnte noch gröĂer sein
Nach RKI-Angaben könnten die Auswirkungen der extremen Hitze sogar noch gröĂer sein, als sein Modell ergab. Dem Statistischen Bundesamt zufolge lag die Ăbersterblichkeit bei 6.800 FĂ€llen in der Hitzewoche 22. bis 28. Juni. Die Art der Berechnungen unterscheidet sich aber.Â
Ein Vergleich der Daten aus den VorjahreszeitrĂ€umen (jeweils April bis 28. Juni) zeigt, wie hoch die Zahl der rund 5100 Hitzetoten in diesem Jahr ist: 2025 gab es laut RKI in dem Zeitraum 560 hitzebedingte SterbefĂ€lle, 2024 waren es 470 und 2023 betrug die Zahl 810. Ăltere Zahlen fĂŒr den Vorjahreszeitraum liegen dem RKI nicht vor.Â
Noch viel mehr Menschen werden durch die Hitze krank
Die Forscherin Alexandra Schneider, die sich am Helmholtz Zentrum MĂŒnchen mit UmwelteinflĂŒssen bei der Entstehung von Krankheiten beschĂ€ftigt, hĂ€lt es fĂŒr wichtig, sich nicht nur auf hitzebedingte Tote zu konzentrieren, sondern auch auf hitzebedingte Krankheiten zu schauen. «Hitze ist ein relevanter Gesundheitsrisikofaktor, insbesondere fĂŒr Ă€ltere Menschen, Menschen mit Vorerkrankungen, Schwangere, aber auch fĂŒr BeschĂ€ftigte im Freien.»Â
Veronika Huber vom Institut des Spanischen Nationalen Forschungsrats (CSIC) im spanischen Sevilla hĂ€lt die Hitzetoten sogar nur fĂŒr die «Spitze des Eisbergs». Allerdings sei es schwer, die Zahl der Menschen abzuschĂ€tzen, die wegen der Hitze im Krankenhaus landen, etwa wegen eines Hitzschlags. An Hitzetagen gebe es aber auf jeden Fall ĂŒberfĂŒllte Notaufnahmen und ĂŒberlastete Rettungsdienste.
Temperaturen Ende Juni weit oberhalb der Schwelle
Typischerweise gibt es laut RKI in Wochen mit einer mittleren Temperatur ĂŒber 20 Grad deutlich höhere Sterblichkeitswerte als in kĂŒhleren Sommerwochen. Vom 22. bis 28. Juni lag die bundesweite Wochenmitteltemperatur dem RKI zufolge im Durchschnitt bei 26,4 Grad und damit weit oberhalb der Schwelle, ab der ein deutlicher hitzebedingter Anstieg der Sterblichkeit zu erwarten ist. In allen BundeslĂ€ndern wurde in dieser Woche eine mittlere Temperatur ĂŒber 20 Grad gemessen.
Ein Juni mit vielen Temperatur-Extremen
Der Juni 2026 war dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zufolge mit im Mittel 19,5 Grad der zweitwĂ€rmste seit Messbeginn. Nur 2019 war es demnach im Schnitt noch wĂ€rmer. Doch die Hitzewelle Ende Juni 2026 zeigte mehrere Extreme. Die Nacht vom 27. auf den 28. Juni war dem DWD zufolge nach derzeitigen Daten die wĂ€rmste seit Beginn der Aufzeichnungen. Bei der Hitzewelle hat er auch mehrfach Temperaturen von ĂŒber 41 Grad registriert. Zudem wurde am 27. Juni nach DWD-Angaben deutschlandweit an 46 Stationen die 40 Grad-Marke geknackt.Â
GroĂe Hitze ist besonders fĂŒr Ă€ltere Menschen gefĂ€hrlich. «In einigen FĂ€llen, zum Beispiel beim Hitzeschlag, fĂŒhrt die Hitzeeinwirkung unmittelbar zum Tod», hieĂ es vom RKI. In den meisten FĂ€llen gebe es jedoch eine Kombination aus Hitzeexposition und bereits bestehenden Vorerkrankungen. Daher werde Hitze auf dem Totenschein normalerweise nicht als die zugrundeliegende Todesursache angegeben. Das AusmaĂ hitzebedingter TodesfĂ€lle wird laut RKI mit Hilfe statistischer Methoden geschĂ€tzt.
Die Deutsche Stiftung Patientenschutz wies auf die teils hohen Temperaturen in Pflegeheimen und KrankenhĂ€usern hin. Medizinisch-pflegerische Einrichtungen seien hĂ€ufig nicht fĂŒr den Klimawandel gewappnet, sagte Eugen Brysch, Vorstand der Stiftung. «Schon an einfachsten MaĂnahmen wie AuĂenbeschattungen mangelt es. HitzeschutzplĂ€ne enden dort, wo der Patientenschutz Geld kostet, und die Umsetzung dauert.» Er forderte ein Hitzestopp-Investitionsprogramm aus Bundesmitteln in Höhe von 30 Milliarden Euro fĂŒr KrankenhĂ€user und Pflegeeinrichtungen.Â
Mehr Frauen als MĂ€nner sterben hitzebedingt
Die RKI-Auswertung basiert auf Daten des Statistischen Bundesamtes zu SterbefĂ€llen und Lufttemperaturdaten von 52 Wetterstationen des DWD. Die Zahlen der letzten neun berĂŒcksichtigen Wochen können jeweils noch durch Nachmeldungen beeinflusst werden, wie es vom RKI hieĂ. Die Schwankungsbreite der SchĂ€tzungen ist hoch: Sie betrĂ€gt 4.410 bis 5.850 hitzebedingte SterbefĂ€lle von April bis 28. Juni dieses Jahres.Â
Die RKI-Daten zeigen zudem, dass mehr Frauen als MĂ€nner wegen der Hitze sterben - was sich auf den hohen Frauenanteil in den Ă€lteren Altersgruppen zurĂŒckfĂŒhren lasse.
