Feuer-«Tsunami» - Spaniens Regierungschef unterbricht Urlaub
Veröffentlicht: 17.08.2025 um 13:55 Uhr, dpa.deWegen der schweren Wald- und VegetationsbrĂ€nde im Nordwesten Spaniens hat MinisterprĂ€sident Pedro SĂĄnchez seinen Sommerurlaub unterbrochen. Der sozialistische Politiker besuchte am Nachmittag die besonders betroffenen Provinzen Ourense und LeĂłn und sicherte umfassende UnterstĂŒtzung zu.
Man werde alle EinsatzkrĂ€fte des Zentralstaates den Regionen zur VerfĂŒgung stellen, sagte SĂĄnchez im Koordinationszentrum fĂŒr den Feuerwehreinsatz in Ourense. «Es liegen schwierige Tage vor uns», betonte er. Zugleich warb SĂĄnchez fĂŒr einen «groĂen Staatsvertrag zur Abmilderung der Klimakrise», der parteipolitische Auseinandersetzungen auĂen vor lassen solle.
20 BrÀnde der höchsten Gefahrenstufe
In den vergangenen knapp zwei Wochen zerstörten die Flammen nach offiziellen Angaben bereits rund 1150 Quadratkilometer - eine FlÀche mehr als doppelt so groà wie der Bodensee. Tausende Menschen mussten aus ihren HÀusern geholt werden. Mindestens drei Menschen kamen ums Leben.
Am Sonntag registrierte Spanien insgesamt 20 BrĂ€nde der höchsten Gefahrenstufe zwei, erklĂ€rte die Generaldirektorin des Zivilschutzes, Virginia Barcones, im Interview des staatlichen TV-Senders RTVE.Â
Hilfskonvoi aus Deutschland unterwegs
Die Lage sei besorgniserregend und werde durch die andauernde Trockenheit und Hitzewelle mit Temperaturen von ĂŒber 40 Grad verschĂ€rft. Der Wetterdienst Aemet warnt vor erhöhtem Brandrisiko in mehreren Regionen des Landes bis Montag.
Im Rahmen des Katastrophenschutzmechanismus hatte Spanien bei den EU-Partnern UnterstĂŒtzung erbeten. Laut Barcones wurden am Sonntag zwei Löschflugzeuge aus den Niederlanden erwartet.Â
Aus Bonn sollte sich ein Hilfskonvoi von mehr als 20 Feuerwehrfahrzeugen Richtung Spanien in Bewegung setzen. 67 Feuerwehrleute seien dabei, sagte der Deutschen Presse-Agentur ein Sprecher des nordrhein-westfÀlischen Innenministeriums.
Mehrere Festnahmen wegen Brandstiftung
Zuletzt waren in den sogenannten Autonomen Gemeinschaften Galicien, Kastilien und LeĂłn sowie auch in Extremadura und Asturien insgesamt 13 LandstraĂen gesperrt. In Galicien war auch eine Bahnverbindung unterbrochen. In einigen Dörfern und kleineren Gemeinden galt ein Ausgehverbot.
Bisher wurden vor allem dĂŒnn besiedelte Gebiete in Mitleidenschaft gezogen. Dabei wurden auch groĂe Teile von Naturschutzgebieten zerstört. Das Dorf Palacios de Jamuz in LeĂłn wurde teilweise zerstört, wie ein Video zeigte. Mehrere Menschen wurden unter dem Vorwurf der Brandstiftung festgenommen.
Tausende Angehörige der Feuerwehr, der militĂ€rischen Nothilfeeinheit UME, des Zivilschutzes und der Polizei bekĂ€mpfen seit Tagen die Flammen. Sie werden von Dutzenden Hubschraubern und Löschflugzeugen unterstĂŒtzt.
Feuerwehrleute berichten von extremer Hitze, Rauch und schwer zugĂ€nglichen Einsatzgebieten. «Es ist, als wollte man einen Tsunami stoppen», zitierte die Zeitung «El PaĂs» einen Einsatzleiter in Ourense.
2025 eines der schlimmsten Brandjahre
Laut aktuellen Daten des EuropĂ€ischen Waldbrandinformationssystems (EFFIS) wurden in Spanien seit Jahresbeginn (bis 16. August) mehr als 1570 Quadratkilometer (157.000 Hektar) Wald und Vegetation durch BrĂ€nde zerstört - das entspricht der doppelten FlĂ€che von Hamburg (755 Quadratkilometer).Â
Damit ist 2025 nach nur acht Monaten schon das drittschlimmste Brandjahr der vergangenen zwei Jahrzehnte, ĂŒbertroffen nur von 2022 (rund 306.000 Hektar) und 2012 (knapp 190.000 Hektar).
Auch im Nachbarland Portugal brennt es derzeit so heftig wie seit Jahren nicht mehr. Mehr als 3.200 EinsatzkrĂ€fte bekĂ€mpften am Sonntag neun gröĂere BrĂ€nde. Kritisch war die Lage laut Zivilschutz vor allem in Arganil im Bezirk Coimbra sowie in SĂĄtĂŁo im Bezirk Viseu im Zentrum des Landes. Auch Lissabon bat um EU-Hilfe und erwartet zwei Löschflugzeuge aus Schweden.
Landflucht spielt auch eine Rolle
Die im Zuge des Klimawandels hĂ€ufigeren und lĂ€ngeren Trockenperioden sind in Spanien laut Experten nicht der alleinige Grund fĂŒr die zunehmende Brandgefahr. Forst- und BuschlandflĂ€chen haben dort in den vergangenen 50 Jahren von zwölf Millionen auf 27 Millionen Hektar zugenommen. Viele dieser WĂ€lder in Gebieten mit Landflucht werden kaum noch genutzt, sodass sich enorme Mengen brennbaren Materials ansammeln, berichtete RTVE.
