Flughafen Nürnberg: Tippfehler löst Entführungsalarm aus
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 13:31 Uhr | dpa, AD HOC NEWSPolizeieinsatz und Flugbegleitung in Nürnberg
- Die Boeing 737-800 startete auf Korfu und sollte nach Nürnberg fliegen.
- Im Transponder erschien der Code 7500, der eine Flugzeugentführung signalisiert.
- Zwei Eurofighter begleiteten die Maschine im deutschen Luftraum bis zur Landung.
Fehlalarm legt Nürnberger Flughafen teilweise lahm
Ein mutmaßlicher Tippfehler im Cockpit hat am Dienstag einen Entführungsalarm und einen Großeinsatz am Flughafen Nürnberg ausgelöst. Eine Boeing 737-800 von Corendon Airlines wurde nach dem Start auf Korfu bis zur Landung von Militärflugzeugen begleitet.
Nach aktuellen Ermittlungen wollte der Pilot einen Funkausfall melden, gab dabei aber offenbar versehentlich den Transpondercode 7500 ein. Dieser Code steht für eine Flugzeugentführung.
Defektes Funkgerät unterbrach den Kontakt
Nach Angaben der Polizei war das Funkgerät der Maschine defekt. Die Crew war deshalb nach dem Start nicht mehr erreichbar, während der Transponder statt des Codes für einen Funkausfall das Entführungssignal sendete.
Der mutmaßliche Eingabefehler sei dem Piloten zunächst wohl nicht bewusst gewesen, sagte Polizeisprecher Michael Petzold. Nachdem das Flugzeug mehr als die Hälfte der Strecke von Militärmaschinen begleitet worden sei, habe er den Fehler bemerkt.
Eurofighter begleiteten die Maschine
Bereits im kroatischen Luftraum wurden Militärflugzeuge alarmiert. Im deutschen Luftraum eskortierten zwei Eurofighter des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74 die Maschine bis nach Nürnberg.
Am Flughafen standen unter anderem eine auf Entführungsfälle spezialisierte Verhandlungsgruppe und das Unterstützungskommando der bayerischen Polizei bereit. Zwischen dem Notsignal und der Landung blieb den Einsatzkräften weniger als eine Stunde.
Kein Verfahren gegen den Piloten
Ein einmal gesendeter Transpondercode kann nicht zurückgenommen werden. Gegen den Piloten ermittelt die Polizei nach Angaben ihres Sprechers nicht, weil sie von einer unbeabsichtigten Eingabe ausgeht.
Die Einsatzkräfte mussten dennoch kurzfristig auf das mögliche Schlimmste vorbereitet sein. Die Maschine landete sicher in Nürnberg; die dpa-Meldung macht keine Angaben zu Verletzten.
Der Transpondercode 7500 gilt in der internationalen Luftfahrt als standardisiertes Signal für eine Flugzeugentführung. Wird er ausgesendet und bricht zugleich der Funkkontakt ab, müssen Behörden zunächst vom schwersten Szenario ausgehen – unabhängig davon, ob sich später ein technischer Fehler als Ursache herausstellt.
Der Vorfall zeigt die mehrstufige Sicherheitskette im europäischen Luftraum. Bereits im kroatischen Luftraum wurden Militärflugzeuge alarmiert, anschließend übernahmen im deutschen Luftraum zwei Eurofighter des Taktischen Luftwaffengeschwaders 74. Parallel bereiteten sich Polizei und speziell geschulte Kräfte am Zielflughafen auf eine mögliche Entführung vor.
Warum der Alarm Folgen hatte
Für Reisende bedeutete der Einsatz eine vorübergehende Sperrung des Nürnberger Flughafens und Verzögerungen im Flugbetrieb. Die schnelle Entwarnung änderte nichts daran, dass die Einsatzkräfte innerhalb kurzer Zeit auf eine mögliche akute Bedrohung reagieren mussten.
Der Fall macht zudem deutlich, wie wichtig die eindeutige Kommunikation zwischen Cockpit, Flugsicherung und Sicherheitsbehörden ist. Ein technischer Defekt kann zusammen mit einem falsch gesetzten Notfallcode eine umfangreiche Reaktion auslösen. Für die Passagiere endete der Vorgang glimpflich; die Maschine landete sicher, und gegen den Piloten wird wegen des mutmaßlich unbeabsichtigten Fehlers nicht ermittelt.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Euronews: „Fehlalarm am Flughafen Nürnberg: Defektes Funkgerät löste wohl Entführungscode aus“ (13.10.2026)
Der Beitrag ordne den Einsatz als Fehlalarm nach einem technischen Defekt ein und beschreibe die Sperrung des Flughafens sowie die Begleitung durch Eurofighter. Anders als die dpa-Meldung nenne er zudem den Flug XR456 und den Ablauf der Entwarnung; die genaue Ursache sei zunächst noch Gegenstand der Ermittlungen gewesen.
n-tv: „Airport Nürnberg stoppt Betrieb: Fehlalarm von Passagierflugzeug sorgt für Eurofighter-Einsatz“ (13.10.2026)
Der Artikel hebe neben dem Notfallcode 7500 die Erklärung von Corendon zu einer Störung des Funkkommunikationssystems hervor und berichte über die sichere Landung. Damit setze er einen stärkeren Schwerpunkt auf die Darstellung der Airline, wonach zu keinem Zeitpunkt eine tatsächliche Notsituation bestanden habe.
Einigkeit bestehe über den Fehlalarm, den Einsatz der Eurofighter und die sichere Landung. Unterschiede gebe es vor allem bei der Gewichtung von Polizeiermittlungen und Airline-Erklärung; offen bleibe die technische Rekonstruktion des Fehlers.
