Gunkl erhält in Wien drei Jahre Haft wegen Kindesmissbrauchs
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 15:36 Uhr | dpa, AD HOC NEWSUrteile und Folgen im Wiener Verfahren
- Das Landesgericht Wien verurteilte Paal zu drei Jahren Haft und zur Zahlung von 5.000 Euro an das Kind.
- Die Mutter erhielt zwei Jahre und neun Monate Haft, die Großmutter zwei Jahre und drei Monate.
- Paal hatte insgesamt 159.000 Euro gezahlt; bei einer weiteren Übergabe von 30.000 Euro wurde die Mutter festgenommen.
Urteil gegen Günther Paal in Wien
Der österreichische Kabarettist Günther Paal ist wegen sexuellen Kindesmissbrauchs und des Besitzes zahlreicher Missbrauchsdarstellungen zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Das Landesgericht Wien sprach den 64-Jährigen, der unter dem Namen Gunkl bekannt ist, schuldig; das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Prozess beleuchtet mehrere Tatkomplexe
Im Mittelpunkt stand ein sexueller Übergriff gegen ein Kleinkind, den das Gericht als erwiesen ansah. Paal lernte die Mutter und Großmutter des Mädchens nach eigenen Angaben vor mehr als zehn Jahren über ein Online-Inserat kennen und hatte wiederholt gegen Bezahlung Sex mit beiden Frauen.
Bei Treffen führte Paal einen Laptop mit Missbrauchsdarstellungen mit sich und zeigte den Frauen solche Aufnahmen. Im Prozess wurde zudem bekannt, dass er das Material nicht nur besessen, sondern auch weitergegeben hatte.
Frauen wegen Erpressung verurteilt
Nach dem Übergriff drohten Mutter und Großmutter Paal nach Überzeugung des Gerichts damit, den Missbrauch öffentlich zu machen, falls er nicht hohe Geldbeträge zahle. Insgesamt überwies oder übergab er 159.000 Euro.
Bei der Übergabe weiterer 30.000 Euro im Juni wurde die Mutter festgenommen. Paal hatte sich zuvor selbst angezeigt und die Polizei eingeschaltet. Die Mutter erhielt zwei Jahre und neun Monate Haft, die Großmutter trotz ihres Bestreitens zwei Jahre und drei Monate.
Tournee nach Bekanntwerden abgesagt
Paal hatte 2005 den Deutschen Kleinkunstpreis gewonnen und war im deutschsprachigen Raum bekannt. Eine für diesen Herbst geplante Tournee mit Auftritten unter anderem in München wurde nach Bekanntwerden der Vorwürfe abgesagt.
Parallele zum Fall Teichtmeister
Der Fall erinnert an den österreichischen Schauspieler Florian Teichtmeister, der 2023 wegen der Sammlung und Weiterbearbeitung von Zehntausenden Dateien mit Darstellungen von Kindesmissbrauch zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden war.
Das Gericht wertete Paals Selbstanzeige als mildernd. Erschwerend wirkten nach den Feststellungen unter anderem die Weitergabe des Materials und seine Äußerungen zum Übergriff. Das heute fünfjährige Kind lebt in der Obhut der Sozialbehörden; Paal muss ihm 5.000 Euro zahlen.
Der Fall verbindet mehrere Straftatbestände und macht die unterschiedlichen Rollen der Beteiligten sichtbar. Das Wiener Gericht verurteilte Günther Paal wegen sexuellen Kindesmissbrauchs sowie wegen Besitzes und Weitergabe von Missbrauchsdarstellungen. Zugleich ahndete es die Drohungen der Mutter und Großmutter, die nach dem Übergriff Geld gefordert hatten, als Erpressung.
Für die strafrechtliche Bewertung war neben dem Übergriff der Umgang mit digitalem Material maßgeblich. Nach der Meldung stellte sich im Prozess heraus, dass Paal Darstellungen nicht nur besessen, sondern auch weitergegeben hatte. Das Gericht berücksichtigte außerdem seine Selbstanzeige als mildernden Umstand, sah jedoch weitere erschwerende Faktoren.
Folgen für Opfer und Öffentlichkeit
Das heute fünfjährige Kind lebt in der Obhut der Sozialbehörden und war zum Schutz vor zusätzlichen Belastungen nicht im Gerichtssaal. Paal muss ihm 5.000 Euro zahlen. Das noch nicht rechtskräftige Urteil kann angefochten werden; bis zu einer endgültigen Entscheidung bleibt der Ausgang des Verfahrens offen.
Der Fall zeigt zudem, wie eng Sexualstraftaten, digitale Missbrauchsdarstellungen und finanzielle Ausbeutung in einem Verfahren zusammentreffen können. Für das deutschsprachige Kulturpublikum ist er auch deshalb relevant, weil Paal in Deutschland bekannt ist, mit dem Deutschen Kleinkunstpreis ausgezeichnet wurde und eine geplante Tournee abgesagt worden ist.
