Handy am Steuer: DVR fordert 500 Euro und Monocams
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 08:32 Uhr | dpa, AD HOC NEWSVerkehrskontrollen mit Monocams
- Der DVR-Präsident Manfred Wirsch unterstützt den Einsatz automatisch arbeitender Handy-Blitzer.
- Bei Verstößen mit Gefährdung drohen 150 Euro, bei einem Unfall 200 Euro sowie weitere Folgen.
- Die Kameras prüfen Handynutzung und Handhaltung; geschulte Polizisten bewerten die Aufnahmen.
DVR fordert höhere Strafen für Handynutzung am Steuer
Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat fordert ein Bußgeld von mindestens 500 Euro für das Telefonieren mit dem Handy am Steuer. Zugleich unterstützt der Verband den Vorstoß von Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU), sogenannte Monocams einzuführen, die unerlaubte Handynutzung während der Fahrt erkennen können.
Test in Trier zeigt deutlichen Rückgang
DVR-Präsident Manfred Wirsch bezeichnete Handy-Blitzer als sinnvolle Investition in die Verkehrssicherheit. Bei einem Testeinsatz in Trier ging die festgestellte Handynutzung am Steuer nach seinen Angaben um rund 70 Prozent zurück; im australischen Bundesstaat New South Wales sank die Zahl der Verstöße seit 2019 um etwa 82 Prozent.
Elektronische Geräte als Unfallursache
Daten des Statistischen Bundesamtes weisen für 2025 mehr als 1.100 Unfälle mit Personenschaden aus, bei denen elektronische Geräte als Unfallursache erfasst wurden. Dabei starben 15 Menschen, 199 wurden schwer und 1.257 leicht verletzt; die Zahlen beziehen sich auf elektronische Geräte insgesamt und nicht ausschließlich auf Smartphones.
Bußgeld liegt derzeit deutlich niedriger
Wer beim Telefonieren mit dem Handy am Steuer erwischt wird, muss laut ADAC mit 100 Euro Bußgeld und einem Punkt in Flensburg rechnen. Bei einer Gefährdung steigt das Bußgeld auf 150 Euro, beim Verursachen eines Unfalls auf 200 Euro; hinzu kommen jeweils zwei Punkte sowie ein einmonatiges Fahrverbot.
Monocams prüfen Handynutzung
Die hochauflösenden Kameras fotografieren schräg nach unten durch die Frontscheibe in den Innenraum. Sie achten auf ein Mobiltelefon im Bereich des Fahrers und auf die entsprechende Handhaltung; erfüllen beide Kriterien die technischen Vorgaben, löst die Kamera aus. Anschließend bewerten geschulte Polizisten die Bilder.
Freisprechanlage bleibt erlaubt
Telefonieren während der Fahrt ist nicht grundsätzlich verboten. Erlaubt sind Gespräche über eine Freisprechanlage, ein fest installiertes Fahrzeugsystem oder ein Bluetooth-Headset; verboten bleibt, das Handy während der Fahrt in der Hand zu halten oder ans Ohr zu führen.
Die Forderung des Deutschen Verkehrssicherheitsrats zielt auf zwei miteinander verknüpfte Punkte: eine deutlich höhere Sanktion und eine größere Entdeckungswahrscheinlichkeit. Nach geltendem Recht kostet ein Verstoß gegen das Handyverbot am Steuer in Deutschland grundsätzlich 100 Euro und bringt einen Punkt in Flensburg. Bei Gefährdung oder Unfallfolgen steigen Bußgeld und Nebenfolgen.
Monocams sollen die Lücke zwischen dem Verbot und seiner Kontrolle verkleinern. Die Kameras erfassen durch die Frontscheibe, ob sich ein Mobiltelefon im Bereich des Fahrers befindet und wie die Hand gehalten wird. Geschulte Polizeikräfte prüfen die Aufnahmen anschließend. Damit würde die Kontrolle stärker automatisiert, die endgültige Bewertung bliebe aber bei Menschen.
Kontrolle und Rechtsgrundlage
Erfahrungen aus Testeinsätzen sprechen für eine abschreckende Wirkung: In Trier ging die festgestellte Handynutzung während eines solchen Einsatzes um rund 70 Prozent zurück. Für eine bundesweite Einführung müssten jedoch technische, datenschutzrechtliche und gesetzliche Voraussetzungen zusammenpassen. Für Autofahrer bliebe entscheidend: Telefonieren über eine Freisprecheinrichtung, ein fest installiertes System oder ein Bluetooth-Headset ist erlaubt; das Handy in der Hand zu halten, nicht.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
BR24: „Deutscher Verkehrssicherheitsrat begrüßt Handy-Blitzer“ (04.11.2026)
BR24 habe berichtet, der DVR begrüße die Initiative und fordere bis zu 500 Euro für unerlaubte Handynutzung am Steuer. Der Beitrag hebe zusätzlich den Rückgang der festgestellten Handynutzung um rund 70 Prozent bei Testversuchen hervor.
Der Deutschlandfunk habe den Vorstoß des DVR nach der Initiative des Verkehrsministers eingeordnet und die Forderung nach mindestens 500 Euro dem derzeitigen Bußgeld von gut 100 Euro gegenübergestellt. Beide Beiträge betonten die geplante technische Kontrolle; offen bleibe, unter welchen rechtlichen Voraussetzungen sie bundesweit eingesetzt werden könnte.
Die Berichte stimmten beim Kern überein: Der DVR unterstütze Handy-Blitzer und fordere deutlich höhere Bußgelder. Unterschiede lägen vor allem in der Schwerpunktsetzung zwischen Testresultaten und Sanktionshöhe.
