Brasilien, Extremhitze

Brasilien Àchzt unter Extremhitze

15.11.2023 - 14:14:49 | dpa.de

In Brasilien manifestiert sich die Klimakrise derzeit mit schweren Folgen. Das Land leidet unter einer heftigen Hitzewelle und Trockenheit.

Ein Mann duscht am Strand von Ipanema. Brasilien wird derzeit von einer Hitzewelle heimgesucht. - Foto: Wang Tiancong/XinHua/dpa

Wer in diesen Tagen in Brasilien in der NĂ€he einer der zahlreichen StrĂ€nde wohnt, kann sich angesichts der derzeit großen Hitze glĂŒcklich schĂ€tzen. Denn bereits vor Beginn des Sommers auf der SĂŒdhalbkugel leiden weite Teile Brasiliens unter einer heftigen Hitzewelle.

Diese wird voraussichtlich zwischen Donnerstag und Freitag ihren Höhepunkt erreichen. In der Millionenmetropole Rio de Janeiro stieg die gefĂŒhlte Temperatur am Dienstag auf 58,5 Grad, wie die staatliche Nachrichtenagentur Agencia Brasil berichtete. Auch in anderen Regionen vor allem im Zentrum und SĂŒden des Landes wurden Temperaturen von deutlich ĂŒber 40 Grad gemessen. Bereits gestern Ă€chzten die Brasilianer unter hohen Temperaturen, die nĂ€chsten Tage soll es kaum anders werden. 

Die gefĂŒhlte Temperatur beschreibt das Temperaturempfinden eines Menschen, das neben der eigentlichen Lufttemperatur etwa auch von der Luftfeuchtigkeit und dem Wind abhĂ€ngt. «Ich ging um 4.30 Uhr schlafen, schlief dann etwa 40 Minuten, wachte wieder auf und duschte kalt», sagte ein Mann dem Nachrichtenportal «G1».

Lage sehr gefÀhrlich

Das Nationale Meteorologische Institut stufte die Lage in 15 Bundesstaaten und dem Bundesbezirk rund um die Hauptstadt BrasĂ­lia als sehr gefĂ€hrlich ein. Es bestehe die Gefahr von Dehydrierung, Kopfschmerzen, Übelkeit und Kreislaufproblemen. Ein zweijĂ€hriges Kind starb, nachdem es in SĂŁo Paulo in einem Schultransporter in der Hitze vergessen worden war, wie die brasilianische Zeitung «Folha de SĂŁo Paulo» berichtete.

Der Energieverbrauch ist nach Angaben des nationalen Stromnetzbetreibers in Brasilien auf ein Rekordniveau angestiegen. In 18 StĂ€dten des Bundesstaats Rio de Janeiro ist der Strom ausgefallen. Im Bundesstaat Minas Gerais wurden innerhalb von drei Tagen etwa 500 tote Fische in einer Lagune der Hauptstadt gefunden. Die TodesfĂ€lle wĂŒrden mit den Auswirkungen der steigenden Temperaturen zusammenhĂ€ngen, berichtete die Zeitung «Folha de SĂŁo Paulo» unter Berufung auf die Stadtverwaltung.

Doch nicht nur der SĂŒden und das Zentrum des Landes leiden derzeit unter der schweren Hitze und DĂŒrre. Das Amazonasgebiet erlebt die schlimmste Trockenheit seit Beginn der Aufzeichnungen vor 120 Jahren. Die Pegel einiger der wichtigsten FlĂŒsse waren zuletzt in noch nie da gewesenem Maße gesunken. Die Auswirkungen sind gravierend mit Folgen fĂŒr die Bevölkerung an den FlĂŒssen, die regionale Wirtschaft sowie die Flora und Fauna.

Weltklimakonferenz Ende November

Die aktuelle Hitzewelle steht nach EinschĂ€tzung von Experten im Zusammenhang mit dem WetterphĂ€nomen El Niño und der globalen ErwĂ€rmung. «Eine Hitzewelle im FrĂŒhjahr ist nicht ungewöhnlich. Aber in den letzten Monaten gab es bereits vier Hitzewellen, ohne dass wir schon das Ende der Saison erreicht haben. Die globale ErwĂ€rmung hat die Wellen intensiver und hĂ€ufiger werden lassen», sagte der Klimatologe JosĂ© Marengo vom Forschungsinstitut Cemaden dem Nachrichtenportal «G1».

Es sei unbestreitbar, dass die Temperaturen fast ĂŒberall auf der Erde immer höher werden, sagte Ricardo de Camargo, Meteorologe am Institut der UniversitĂ€t von SĂŁo Paulo der Agencia Brasil zufolge. So war der Oktober 2023 weltweit laut Daten des Weltklimarats IPCC der wĂ€rmste seit 125.000 Jahren. Die Prognosen deuten darauf hin, dass «Extremereignisse hĂ€ufiger, gewöhnlicher und mit grĂ¶ĂŸerer Heftigkeit auftreten werden», sagte Camargo.

Um genau diese Themen wird es auch bei der nĂ€chsten Weltklimakonferenz COP28 in der emiratischen Metropole Dubai Ende November gehen. Auf der UN-Konferenz diskutieren Vertreterinnen und Vertreter von rund 200 Staaten jĂ€hrlich unter anderem darĂŒber, wie das international vereinbarte 1,5-Grad-Ziel noch erreicht werden und schlimmste Folgen der Klimakrise abgewendet werden können. Mit den aktuell von Staaten vorgelegten KlimaschutzplĂ€nen ist die Welt einer Analyse der Vereinten Nationen zufolge allerdings weit davon entfernt, die ErderwĂ€rmung bei 1,5 Grad zu stoppen.

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