Italien, Gesellschaft

Aus der Zelle an den Strand: HÀftlinge als StrandwÀrter

Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 13:00 Uhr | dpa.de

In Italien fehlt es an Bademeistern und Rettungsschwimmern fĂŒr die vielen StrĂ€nde am Mittelmeer. Deshalb gibt es im SĂŒden des Landes nun ein ungewöhnliches Projekt.

In Italien fehlt es an StrandwÀrtern - jetzt sollen HÀftlinge helfen. (Archivbild) - Bild: Christoph Sator/dpa
In Italien fehlt es an StrandwÀrtern - jetzt sollen HÀftlinge helfen. (Archivbild) - Bild: Christoph Sator/dpa

In Italien fehlt es an Aufpassern fĂŒr die mehr als 5.000 StrĂ€nde - jetzt sorgen in einem einzigartigen Projekt HĂ€ftlinge dafĂŒr, dass beim Baden im Mittelmeer niemand zu Schaden kommt. In der sĂŒditalienischen Region Apulien sind in diesem Sommer erstmals ein Dutzend GefĂ€ngnisinsassen im Einsatz, die in Schnellkursen zu StrandwĂ€rtern ausgebildet wurden. Morgens geht es aus einer Haftanstalt der Stadt Lecce mit dem Bus zu den verschiedenen StrĂ€nden. Nach getaner Arbeit mĂŒssen die MĂ€nner dann zurĂŒck in ihre Zellen.

Das Projekt unter dem Titel «Io salvo» («Ich rette») ist als Resozialisierungsmaßnahme gedacht, wie die Tageszeitung «La Stampa» berichtet. Hintergrund ist aber auch, dass es an Italiens StrĂ€nden seit Jahren schon nicht mehr genĂŒgend Bademeister und Rettungsschwimmer gibt. Offiziell arbeiten dort etwa 11.000 bis 15.000 sogenannte Bagnini. Gebraucht wĂŒrden schĂ€tzungsweise 3.000 bis 4.000 mehr. Der Job im roten Tanktop gilt als nicht mehr so attraktiv wie frĂŒher. Zudem wird oft unter Tarif bezahlt.

Unterricht in Erster Hilfe

Die StrandwĂ€rter aus dem GefĂ€ngnis Borgo San Nicola in Lecce mussten nach einem Bericht der Tageszeitung «La Stampa» vorab ein Auswahlverfahren durchlaufen. Dann mussten sie in einem Drei-Monats-Kurs in der Haftanstalt Badeordnungen, Sicherheitsvorschriften und auch Erste Hilfe wie den Umgang mit einem Defibrillator lernen. In den ersten Wochen ging alles glatt: Keiner der HĂ€ftlinge versuchte, die Arbeit draußen am Strand zur Flucht zu nutzen. Der Tageslohn betrĂ€gt der Zeitung zufolge 50 Euro. 

Die «Stampa» zitierte einen der neuen StrandwĂ€rter - den 44 Jahre alten Antonio V., der mit 23 zum ersten Mal ins GefĂ€ngnis kam - mit den Worten: «Nach so vielen Jahren hinter Gittern fĂŒhlst Du Dich zum ersten Mal nĂŒtzlich» Der Vorsitzende des StrandbĂ€derverbandes Confirmprese Demaniali, Mauro della Valle, sagte dem Blatt: «Die MĂ€nner setzen ihr Leben fĂŒr die Sicherheit der BadegĂ€ste aufs Spiel. Das ist eine sehr starke Wiedergutmachung.» Das Projekt entstand in Zusammenarbeit von Verband, GefĂ€ngnisleitung und Behörden.

In der Überlegung ist nun, die Idee auf andere Haftanstalten in Italien zu ĂŒbertragen. In Apulien sind heute schon zwei HĂ€ftlinge als Bademeister in einer Ferienanlage am Swimmingpool im Einsatz. GrundsĂ€tzlich mĂŒssen an Italiens StrĂ€nden aus SicherheitsgrĂŒnden alle 150 Meter ein Bademeister oder Rettungsschwimmer zu finden sein. Das Mindestalter dafĂŒr ist 18 Jahre. Zudem sind mindestens 30 Stunden Ausbildung erforderlich.

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