Istanbul: 46.000 Einsatzkräfte kämpfen gegen Überschwemmungen
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 13:34 Uhr | dpa, AD HOC NEWSRettungseinsatz und Schulschließungen in Istanbul
- Innenminister Mustafa Ciftci warnte vor bis zu 100 Kilogramm Niederschlag pro Quadratmeter in fünf nordwestlichen Provinzen.
- Gouverneur Davut Gül meldete Rettungsarbeiten an 14 Orten und rund 10.000 Hinweise aus dem ganzen Land.
- In Istanbul wurden in 39 Bezirken Unterkünfte für Menschen eingerichtet, die ihre Häuser verlassen mussten.
Starkregen setzt Istanbul weiter unter Druck
Nach heftigen Überschwemmungen in Istanbul dauern die Rettungsarbeiten an, während der türkische Innenminister Mustafa Ciftci vor neuen starken Regenfällen warnt. Für die nordwestlichen Provinzen Kocaeli, Zonguldak, Sakarya, Yalova und Düzce werden ab heute bis zu 100 Kilogramm Niederschlag pro Quadratmeter erwartet.
Neue Unwetter in fünf Provinzen erwartet
Wegen der Wetterprognose wurden die Schulen in den betroffenen Provinzen geschlossen. Ciftci rief die Bevölkerung auf, nur wenn unbedingt nötig auf die Straße zu gehen und Unterführungen sowie Flussbetten zu meiden.
In einigen Stadtteilen Istanbuls wurden seit Mittwochabend die stärksten Niederschlagsmengen seit 1985 gemessen. Nach Angaben des Ministers erreichte die Niederschlagsmenge bis zu 272 Kilogramm pro Quadratmeter.
Mehr als 46.000 Einsatzkräfte beteiligt
Gouverneur Davut Gül zufolge laufen die Rettungsarbeiten noch an 14 Orten. Mehr als 46.000 Einsatzkräfte waren an Such- und Rettungsmaßnahmen beteiligt und retteten in Istanbul gut 2.700 Menschen, teilweise mit Booten.
Landesweit gingen nach Angaben Gül rund 10.000 Hinweise ein, davon fast 9.000 aus Istanbul. In 39 Bezirken wurden Unterkünfte für Menschen bereitgestellt, die ihre Häuser verlassen mussten oder nicht nach Hause gelangen konnten.
Flugverkehr und Straßen bleiben eingeschränkt
Wegen des Unwetters wurden Flugzeuge am Flughafen Istanbul umgeleitet; 19 Flüge fielen aus. Mehrere kleinere Straßen waren zunächst gesperrt, außerdem galt weiterhin ein am Mittwochabend verhängtes Fahrverbot für Motorräder.
Die Behörden prüften zudem mögliche Lecks an Stromleitungen. Am Vortag war ein 14-Jähriger durch einen Stromschlag in einer Pfütze ums Leben gekommen.
Schulunterricht bis Freitag ausgesetzt
Der Präsenzunterricht war bereits für heute abgesagt worden. Gül setzte auch den Unterricht am Freitag aus; Universitäten dürfen selbst über den Lehrbetrieb entscheiden.
Für Anfang der kommenden Woche kündigte der Gouverneur genauere Informationen zu den Schäden an. Die Istanbuler Kammer für Stadtplanung führte die Folgen nicht allein auf die Stärke des Regens zurück, sondern kritisierte die jahrelange intensive Bebauung, versiegelte Flächen sowie die Verengung und Bebauung von Flussbetten.
Die Überschwemmungen treffen Istanbul nach einer außergewöhnlich großen Niederschlagsmenge. Bis zu 272 Kilogramm Wasser pro Quadratmeter belasten innerhalb kurzer Zeit Straßen, Unterführungen, Entwässerungssysteme und Verkehrswege. Für die Bevölkerung bedeutet das anhaltende Gefahren durch überflutete Fahrbahnen, instabile Gebäude, Stromleitungen und schwer erreichbare Wohnviertel.
Die angekündigten Regenfälle in Kocaeli, Zonguldak, Sakarya, Yalova und Düzce verlagern das Risiko über Istanbul hinaus auf weitere dicht besiedelte Regionen im Nordwesten der Türkei. Die Schließung von Schulen und der Appell, Flussbetten sowie Unterführungen zu meiden, zielen darauf, Menschen aus besonders gefährdeten Bereichen fernzuhalten.
Stadtentwicklung verschärft die Risiken
Die Kritik der Istanbuler Kammer für Stadtplanung verweist auf einen strukturellen Faktor: Versiegelte Flächen lassen Regenwasser schneller oberirdisch abfließen, während verengte oder bebaute Flussläufe den natürlichen Abfluss behindern. Bei Starkregen können dadurch selbst leistungsfähige Entwässerungsanlagen überlastet werden.
Für die kommenden Tage stehen deshalb neben der Rettung eingeschlossener Menschen die Prüfung von Stromleitungen, die Sicherung von Verkehrswegen und die Unterbringung Betroffener im Mittelpunkt. Eine belastbare Schadensbilanz soll Anfang der kommenden Woche vorliegen; bis dahin bleiben lokale Sperrungen und Einschränkungen möglich.
