Istanbul: Drei Tote nach Überschwemmungen, neuer Starkregen droht
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 15:08 Uhr | dpa, AD HOC NEWSRettungseinsätze und Folgen in Istanbul
- Innenminister Mustafa Ciftci warnte vor bis zu 100 Kilogramm Niederschlag pro Quadratmeter in fünf nordwestlichen Provinzen.
- In Istanbul erreichte die gemessene Niederschlagsmenge laut Gouverneur Davut Gül bis zu 272 Kilogramm pro Quadratmeter.
- Die Überschwemmungen forderten in Istanbul drei Todesopfer, vier Menschen wurden vermisst.
Rettungskräfte suchen weiter nach Vermissten
Nach heftigen Überschwemmungen in Istanbul dauern die Rettungsarbeiten an, während in mehreren türkischen Provinzen neue starke Regenfälle erwartet werden. Innenminister Mustafa Ciftci warnte vor bis zu 100 Kilogramm Niederschlag pro Quadratmeter in Kocaeli, Zonguldak, Sakarya, Yalova und Düzce.
Warnung vor neuen Niederschlägen
Nach Angaben der Generaldirektion für Meteorologie sollten die starken Regenfälle ab Donnerstag einsetzen. In den betroffenen Provinzen wurden die Schulen geschlossen. Ciftci rief die Bevölkerung auf, nur wenn unbedingt nötig auf die Straße zu gehen sowie Unterführungen und Flussbetten zu meiden.
Mehr als 46.000 Einsatzkräfte beteiligt
In einigen Stadtteilen Istanbuls wurden seit Mittwochabend die stärksten Niederschlagsmengen seit 1985 gemessen. Ciftci zufolge fielen in der Stadt bis zu 272 Kilogramm Niederschlag pro Quadratmeter.
Gouverneur Davut Gül erklärte, die Rettungsarbeiten liefen noch an 14 Orten. Mehr als 46.000 Einsatzkräfte waren an Such- und Rettungsmaßnahmen beteiligt und retteten in Istanbul gut 2.700 Menschen, teils mit Booten.
Tote, Vermisste und viele Notrufe
Landesweit gingen nach Angaben des Gouverneurs rund 10.000 Hinweise ein, davon fast 9.000 allein aus Istanbul. In 39 Bezirken wurden Unterkünfte für Menschen bereitgestellt, die ihre Häuser verlassen mussten oder nicht erreichen konnten.
Die Überschwemmungen trafen Istanbul am Mittwochabend, als viele Menschen auf dem Heimweg von der Arbeit waren. Zahlreiche Autos blieben im Wasser stecken. Nach dem Fund einer weiteren Leiche in Kagithane stieg die Zahl der Todesopfer auf drei; vier Menschen wurden vermisst.
Verkehr und Unterricht bleiben eingeschränkt
Wegen des Unwetters wurden Flugzeuge am Flughafen Istanbul umgeleitet, 19 Flüge fielen aus. Mehrere kleinere Straßen waren zunächst gesperrt. Das Fahrverbot für Motorräder bestand offiziell weiter, ließ sich wegen der vielen auf Lieferfahrzeuge angewiesenen Beschäftigten aber nur schwer durchsetzen.
Gül zufolge wurde außerdem geprüft, ob Stromleitungen beschädigt oder undicht waren. Ein 14-Jähriger war am Vortag durch einen Stromschlag in einer Pfütze ums Leben gekommen.
Der Präsenzunterricht blieb am Donnerstag aus; auch für Freitag setzte der Gouverneur den Unterricht aus. Für Anfang der kommenden Woche kündigte Gül genauere Informationen zu den Schäden an.
Kritik an der Bebauung Istanbuls
Die Istanbuler Kammer für Stadtplanung führte die Lage nicht allein auf die Stärke des Regens zurück. Sie kritisierte den seit Jahren andauernden Druck zur intensiven Bebauung und die dadurch verursachten Schäden an Natur und Wassereinzugsgebieten.
Versiegelte Flächen verhinderten, dass Regenwasser ausreichend im Boden versickert. Verengte oder bebaute Flussbetten könnten die Kapazitäten der städtischen Infrastruktur zusätzlich überlasten und das Überschwemmungsrisiko erhöhen.
Die Überschwemmungen treffen Istanbul nach einer außergewöhnlich niederschlagsreichen Phase innerhalb weniger Stunden. Besonders gefährdet sind dicht bebaute Stadtteile, Unterführungen, tiefer liegende Straßen und Gebiete entlang von Flussläufen, weil Wasser dort schnell zusammenläuft und nur begrenzt versickern kann.
Die in der Meldung genannte Versiegelung von Böden verschärft diesen Effekt. Wenn natürliche Wassereinzuggebiete bebaut oder Flussbetten eingeengt werden, steigt die Belastung für Kanalisation, Straßenentwässerung und Rückhalteflächen. Die große Zahl der eingesetzten Kräfte und die vielen Rettungen zeigen zugleich die erhebliche Belastung der Infrastruktur.
Warnungen reichen über Istanbul hinaus
Die angekündigten Niederschläge in mehreren nordwestlichen Provinzen machen aus dem Ereignis eine regionale Unwetterlage. Für Bewohner bedeutet das vor allem, überflutete Unterführungen, Flussbetten und nicht zwingend notwendige Fahrten zu meiden. Einschränkungen bei Schulen, Verkehr und Flügen können auch dann fortbestehen, wenn der Regen lokal nachlässt.
Für die weitere Bewertung sind die noch laufenden Rettungseinsätze, die Suche nach Vermissten und die angekündigte Schadensbilanz entscheidend. Darüber hinaus rückt die Frage in den Mittelpunkt, wie Städte mit dichter Bebauung, versiegelten Flächen und häufiger auftretenden Starkregenereignissen umgehen.
