Istanbul: FĂŒnf Tote bei Einsturz von Wohnhaus in Maltepe
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 13:41 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Beim teilweisen Einsturz eines siebenstöckigen Wohnhauses im Istanbuler Bezirk Maltepe sind fĂŒnf Menschen ums Leben gekommen.
FĂŒnf Tote nach Einsturz
Vier Menschen starben am Donnerstag an der UnglĂŒcksstelle, eine fĂŒnfte Person erlag im Krankenhaus ihren Verletzungen, erklĂ€rte Innenminister Mustafa Ăiftçi nach Abschluss des Such- und Rettungseinsatzes am Freitag auf der Plattform X. Insgesamt wurden 14 Menschen aus den TrĂŒmmern geborgen.
Das GebĂ€ude auf der asiatischen Seite Istanbuls war am frĂŒhen Donnerstagmorgen teilweise eingestĂŒrzt. Eine offizielle ErklĂ€rung fĂŒr das UnglĂŒck gibt es bislang nicht.
Unterer GebÀudeteil sackte ab
Nach Angaben des Istanbuler Gouverneurs Davut GĂŒl stĂŒrzten ein LadengeschĂ€ft im Erdgeschoss und vier Wohnungen in den beiden darĂŒberliegenden Stockwerken ein. Dadurch sackte der untere Bereich des Hauses ab, wĂ€hrend die oberen Stockwerke weitgehend intakt blieben.
Verdacht auf unerlaubte Stockwerke
BezirksbĂŒrgermeisterin Esin Köymen sagte dem oppositionsnahen Sender Halk TV, das GebĂ€ude habe mehr Stockwerke gehabt als offiziell erlaubt. Ob unerlaubte bauliche VerĂ€nderungen den Einsturz verursacht haben, ist bislang nicht geklĂ€rt.
Der Bau zusÀtzlicher Stockwerke ohne Genehmigung ist in Istanbul verbreitet. Die Praxis gilt in der Metropole als besonders riskant, weil die Stadt in einem Erdbebengebiet liegt. Kritiker bemÀngeln zudem staatliche Bauamnestien, die illegal errichtete GebÀude gegen eine Strafzahlung nachtrÀglich legalisieren können.
Erdbebenrisiko verschÀrft die Folgen
Der Einsturz in Maltepe trifft eine Stadt, deren bauliche Sicherheit seit Jahren vor dem Hintergrund des erwarteten schweren Marmara-Erdbebens diskutiert wird. Istanbul liegt in einer seismisch aktiven Region; deshalb können nicht genehmigte Umbauten und zusĂ€tzliche Geschosse die Risiken fĂŒr Bewohner erhöhen, wenn sie Tragwerk und Lasten eines GebĂ€udes verĂ€ndern.
Die aktuelle Katastrophe ist noch kein Beleg dafĂŒr, dass illegale Stockwerke den Einsturz verursacht haben. Die ĂuĂerung der BezirksbĂŒrgermeisterin verweist jedoch auf ein strukturelles Problem: In dicht bebauten Vierteln treffen hoher Wohnungsdruck, Ă€ltere Bausubstanz und eine teils komplexe Genehmigungspraxis aufeinander. Eine belastbare UrsachenklĂ€rung mĂŒsste deshalb die Statik, mögliche bauliche VerĂ€nderungen, MaterialqualitĂ€t und den Zustand des Fundaments untersuchen.
Baukontrolle und politische Verantwortung
Besondere Bedeutung haben in diesem Zusammenhang frĂŒhere Bauamnestien, durch die nicht genehmigte GebĂ€udeteile unter bestimmten Bedingungen nachtrĂ€glich anerkannt werden konnten. Solche Regelungen können kurzfristig Rechtssicherheit schaffen, stehen aber im Spannungsfeld zwischen Eigentumsschutz und konsequenter Einhaltung von Sicherheitsstandards. FĂŒr die Bewohner Istanbuls geht es daher nicht nur um die AufklĂ€rung dieses Einsturzes, sondern auch um verlĂ€ssliche Kontrollen, transparente Sanierungsauflagen und eine schnelle PrĂŒfung gefĂ€hrdeter GebĂ€ude.
