Kapverden-Prozess: 19-JÀhriger soll drei Menschen getötet haben
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 12:24 Uhr | dpa, AD HOC NEWSVerfahren nach der Festnahme in Lissabon
- Der Angeklagte wurde nach der Tat in Lissabon festgenommen und Mitte Januar nach Deutschland ausgeliefert.
- Die Opfer waren ein 58-jÀhriger Mann sowie Frauen im Alter von 20 und 45 Jahren.
- Das Landgericht Trier verhandelt vor der Jugendkammer; zunÀchst sind sechs Termine bis Anfang Dezember geplant.
Prozess um getötete Familie auf den Kapverden
Vor dem Landgericht Trier hat der Prozess gegen einen 19-JĂ€hrigen begonnen, der im gemeinsamen Weihnachtsurlaub auf den Kapverden seinen Vater, dessen Freundin und deren Tochter getötet haben soll. Der Angeklagte Ă€uĂerte sich zum Auftakt zunĂ€chst nicht zu den VorwĂŒrfen; sein Anwalt kĂŒndigte eine spĂ€tere ErklĂ€rung zur Sache an.
Anklage nennt Mord und Totschlag
Die Staatsanwaltschaft wirft dem jungen Mann aus der Eifel vor, die drei Menschen kurz vor Weihnachten des vergangenen Jahres in einer Ferienwohnung in Mindelo auf der Insel SĂŁo Vicente erstochen zu haben. Die Anklage lautet auf Mord und Totschlag.
Das Motiv ist nach den Angaben zum Prozessauftakt offen. Oberstaatsanwalt Eric Samel sagte, dazu gebe es momentan keine Erkenntnisse. Der Vater habe den Angeklagten zu dem Urlaub eingeladen; die Reisegruppe sei knapp eine Woche vor der Tat gemeinsam aufgebrochen.
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Verteidigung sieht offene Fragen
Der Verteidiger Harry Völker sagte, sein Mandant werde sich zunĂ€chst nicht Ă€uĂern. Zugleich erklĂ€rte er, auch er habe keine ErklĂ€rung fĂŒr die mutmaĂliche Tat und hege âerhebliche Zweifelâ am Ablauf, wie er in der Anklage dargestellt werde.
Der Vater wohnte laut Staatsanwaltschaft im Raum Aachen, die beiden Frauen lebten in Berlin. Der Angeklagte stammt aus einer frĂŒheren Ehe seines Vaters und lebte zuletzt im Kreis Vulkaneifel.
Festnahme in Portugal
Nach der Tat flog der Angeklagte in die portugiesische Hauptstadt Lissabon, wo er festgenommen wurde. Mitte Januar wurde er nach Deutschland ausgeliefert.
Der Angeklagte sagte, seine Eltern hĂ€tten sich getrennt, als er sechs oder sieben Jahre alt gewesen sei. Das VerhĂ€ltnis zu seinem Vater sei âin Ordnung gewesenâ.
Der Prozess verbindet ein mutmaĂliches Tötungsdelikt im Ausland mit einem Verfahren in Deutschland. Möglich ist dies, weil sowohl der Angeklagte als auch die drei Opfer deutsche Staatsangehörige sind. ZustĂ€ndig ist das Landgericht Trier, da der 19-JĂ€hrige zuletzt im Kreis Vulkaneifel lebte.
FĂŒr das Verfahren ist auĂerdem das Alter des Angeklagten von Bedeutung. Als Heranwachsender kann er nach Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht beurteilt werden. Welche Rechtsfolge greift, entscheidet das Gericht erst im weiteren Verlauf des Prozesses.
Ermittlungen und offene Fragen
Die Ermittlungen fĂŒhrten nach der Tat ĂŒber Portugal nach Deutschland. Der Angeklagte wurde in Lissabon festgenommen, spĂ€ter ausgeliefert und in Deutschland angeklagt. Die Anklage unterscheidet zwischen Mord und Totschlag, wĂ€hrend die Verteidigung Zweifel am dargestellten Ablauf angekĂŒndigt hat.
Damit dĂŒrfte neben der Beweisaufnahme auch das Motiv eine zentrale Rolle spielen. Nach den Angaben zum Prozessauftakt ist bislang ungeklĂ€rt, warum der gemeinsame Weihnachtsurlaub in der Ferienwohnung in Mindelo eskalierte. ZunĂ€chst sind sechs Verhandlungstermine bis Anfang Dezember vorgesehen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: âRheinland-Pfalz: Familie auf Kapverden getötet: 19-JĂ€hriger aus der Eifel nun vor Gerichtâ (21.10.2026)
Der Beitrag habe den Prozessbeginn in Trier und den Vorwurf gegen den 19-JĂ€hrigen zusammengefasst. Einen Schwerpunkt lege er auf den mutmaĂlichen Ablauf der Tat, die Festnahme in Lissabon und die ZustĂ€ndigkeit des deutschen Gerichts.
SWR: âKapverden-Mord-Prozess gegen 19-JĂ€hrigen aus der Vulkaneifelâ (21.10.2026)
Der SWR-Bericht habe zusĂ€tzlich erlĂ€utert, dass die Jugendkammer verhandeln werde und zunĂ€chst sechs Termine bis Anfang Dezember vorgesehen seien. Anders als der knappe Prozessauftakt stelle er auch den mutmaĂlichen Tatablauf und die deutsche GerichtszustĂ€ndigkeit ausfĂŒhrlicher dar.
Beide BeitrĂ€ge stimmten beim Prozessbeginn und den zentralen VorwĂŒrfen ĂŒberein. Unterschiede gebe es vor allem beim Schwerpunkt: WĂ€hrend der eine Bericht den Auftakt einordne, erlĂ€utere der andere stĂ€rker Ermittlungsstand, ZustĂ€ndigkeit und Verfahrensrahmen.

