Köln-Neumarkt: Bewachte Toilette kostet 334.000 Euro – Stadt plant neues Suchthilfezentrum
Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 18:04 Uhr | dpa, AD HOC NEWSEine bewachte öffentliche Toilette in der Kölner Krebsgasse am Neumarkt hat die Stadt von Mai 2022 bis Mai 2025 rund 334.000 Euro gekostet.
Bewachung gegen missbräuchliche Nutzung
Wer die Toilette in der Krebsgasse nutzt, tut dies unter Aufsicht von Sicherheitskräften, die in einem kleinen Häuschen direkt neben der Anlage sitzen. Nach Angaben der Stadt Köln soll die Bewachung verhindern, dass drogenkranke Menschen den Ort zum Konsum oder als Schlafstätte nutzen. Die Stadt sprach von einem „weitgehend differenzierten Hilfesystem für Drogen konsumierende Menschen“, zu dem bereits Drogenkonsumräume und Suchtberatungsangebote gehören.
Wiedereröffnung mit Sicherheitsdienst
Die Toilettenanlage, ein hochglanz-grauer Kasten mit Metalltür und Münzeinwurf, war 2015 eröffnet, jedoch im selben Jahr wieder außer Betrieb genommen worden. Erst im Mai 2022 wurde sie erneut geöffnet – diesmal begleitet von der dauerhaften Präsenz eines Sicherheitsdienstes. Die Nutzung der Toilette kostet 50 Cent. Die aktuellen Bewachungskosten bezifferte die Stadt zunächst nicht.
Neues Suchthilfezentrum geplant
Um die offene Drogenszene in der Innenstadt zurückzudrängen, plant Köln ein Suchthilfezentrum am Perlengraben. Dort sollen Drogenkonsumräume und weitere Angebote gebündelt werden, damit der Konsum unter sicheren Bedingungen und nicht auf offener Straße stattfindet. Die Stadt erhofft sich, Betroffene besser zu unterstützen und gleichzeitig den öffentlichen Raum zu entlasten. Die Fertigstellung des Zentrums ist für das Jahr 2027 vorgesehen, die Baukosten werden mit rund 8,72 Millionen Euro angegeben.
Weitere bewachte Flächen in der Innenstadt
Die Toilette in der Krebsgasse ist nicht der einzige Ort in Köln, der regelmäßig bewacht wird. Auch der Heinrich-Böll-Platz zwischen Kölner Dom und Hohenzollernbrücke wird während Proben und Aufführungen in der Kölner Philharmonie gesichert. Wegen mangelhafter Schallisolierung des Dachs übertragen sich Tritt- und Rollgeräusche direkt in den Konzertsaal und stören Musiker und Publikum, weshalb der Platz während der Veranstaltungen nicht betreten werden darf.
Offene Entscheidung über künftige Bewachung
Mehrere Wachleute sorgen auf dem Heinrich-Böll-Platz dafür, dass niemand während Proben und Aufführungen über die roten Ziegel läuft. Nach Angaben des Bundes der Steuerzahler verschlingen diese Maßnahmen jedes Jahr Hunderttausende Euro. Die Bewachung des Platzes soll vorerst weiterlaufen. Ob auch die öffentliche Toilette in der Krebsgasse künftig weiterhin bewacht wird, ist laut Stadt jedoch offen. Über die weitere Vorgehensweise muss der Stadtrat entscheiden – bis dahin bleibt der Sicherheitsservice an der Toilette bestehen.
Hohe Kosten als Symptom städtischer Herausforderungen
Die bewachte Toilette in der Kölner Krebsgasse steht exemplarisch für den Spagat, den viele Großstädte zwischen Sicherheit, sozialer Verantwortung und öffentlicher Daseinsvorsorge bewältigen müssen. Die Stadt reagiert mit der dauerhaften Bewachung auf konkrete Erfahrungen, wonach der Ort ohne Kontrolle als Rückzugsraum für Drogenkonsum und Schlafplätze genutzt wurde. Damit rücken gleich mehrere Themen in den Fokus: kommunale Ordnungspolitik, Umgang mit einer offenen Drogenszene und die Frage, wie öffentliche Infrastruktur geschützt und zugleich niedrigschwellig zugänglich bleiben kann.
Suchthilfezentrum als strategischer Baustein
Das geplante Suchthilfezentrum am Perlengraben fügt sich in ein bereits vorhandenes Netz von Konsumräumen und Beratungsangeboten ein und markiert eine langfristige Antwort der Stadt Köln auf die Belastungen im öffentlichen Raum. Ziel ist, Konsumhandlungen in regulierte Strukturen zu verlagern, gesundheitliche Risiken zu verringern und Anwohner sowie Passanten zu entlasten. Der veranschlagte Millionenbetrag spiegelt wider, dass hier nicht nur bauliche Maßnahmen, sondern ein komplexer sozial- und gesundheitspolitischer Ansatz verfolgt wird. Für Leserinnen und Leser bedeutet dies, dass kurzfristige Kontrollmaßnahmen wie die Bewachung einer Toilette mit langfristigen Hilfsangeboten verzahnt werden sollen.
Debatte um Effizienz und Prioritäten
Die hohen Bewachungskosten für die Toilette und den Heinrich-Böll-Platz werfen grundsätzliche Fragen nach der Effizienz öffentlicher Ausgaben auf. Während Befürworter auf Sicherheit, Ruhe im Konzertsaal und den Schutz vor Missbrauch verweisen, dürfte es auch Stimmen geben, die den Mitteleinsatz im Verhältnis zum Nutzen kritisch sehen. In vielen Kommunen wird ähnlich diskutiert, ob teure Sicherheitsleistungen dauerhaft gerechtfertigt sind oder ob bauliche, sozialpolitische und präventive Lösungen mittelfristig wirtschaftlicher wären. Die anstehende Entscheidung des Stadtrats über die Zukunft der Bewachung in der Krebsgasse steht damit stellvertretend für eine breitere Auseinandersetzung über Prioritäten der Stadtentwicklung und des sozialen Ausgleichs.
