Kunsthalle Würth eröffnet mit 600 Quadratmetern mehr Fläche
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 13:32 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Umbau schafft Raum für neue Ausstellung
- Die Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall verfügt nach dem Umbau über rund 3.200 Quadratmeter Ausstellungsfläche.
- Die Erweiterung brachte rund 600 Quadratmeter zusätzliche Fläche und kostete 25 Millionen Euro.
- Den Auftakt bildet die Einzelausstellung „Anselm Kiefer - Alles, was der Fall ist“.
Nach rund drei Jahren Erweiterungs- und Umbauarbeiten ist die Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall wiedereröffnet worden.
Steinmeier warnt vor Einschränkungen
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nutzte den Festakt, um eindringlich vor Beschränkungen der Kunstfreiheit zu warnen. Er sagte laut vorab verbreitetem Redemanuskript, die Gefahr habe früher abstrakt gewirkt; inzwischen fürchte das Bauhaus in Dessau um sein Überleben.
Steinmeier warnte vor einem neuen Kulturkampf, der den wiedergewonnenen Freiraum der Kunst mit nationalistischer Engstirnigkeit erneut beschränken könne. Dem müsse man sich mit aller Kraft entgegenstellen, mahnte er.
Debatte über das Bauhaus
Hintergrund seiner Warnung ist auch die kulturpolitische Position der AfD in Sachsen-Anhalt. Die Partei bezeichnete das Bauhaus als „Irrweg der Moderne“ und möchte die Landeskampagne mit dem Motto „#moderndenken“ in „#deutschdenken“ umbenennen.
Die AfD ist in Sachsen-Anhalt vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft und wurde bei der Landtagswahl klar stärkste Kraft, verfügt jedoch nicht über eine absolute Mehrheit.
Grundgesetz schützt Kunstfreiheit
Steinmeier verwies auf den ausdrücklichen Schutz der Kunstfreiheit im Grundgesetz. Dieser sei von den Erfahrungen der nationalsozialistischen Herrschaft geprägt.
Kunst sei Ausdruck des Menschseins, der Individualität sowie des unabhängigen Denkens und Empfindens, sagte der Bundespräsident. Zugleich würdigte er den kulturellen Einsatz des Unternehmers Reinhold Würth.
Özdemir würdigt Würths Engagement
Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir würdigte beim Festakt die Verdienste Würths für den Kunststandort im Südwesten. Die Ausstellung mit Werken von Anselm Kiefer eröffnet das Haus nach der Bauphase in neuer Form.
Kunstfreiheit als Verfassungsauftrag
Steinmeiers Warnung knüpft an eine deutsche Erfahrung an: Das Grundgesetz schützt die Kunstfreiheit ausdrücklich, nachdem der Nationalsozialismus Kunst politisch kontrolliert, verfolgt und als „entartet“ diffamiert hatte. Der Schutz richtet sich deshalb nicht nur gegen staatliche Zensur, sondern auch gegen Versuche, kulturelle Einrichtungen nach ideologischen oder nationalistischen Vorgaben auszurichten.
Kulturpolitischer Streit in Sachsen-Anhalt
Das Bauhaus in Dessau steht dabei exemplarisch für eine Auseinandersetzung über die politische Deutung der Moderne. Die von der AfD vorgeschlagene Umbenennung der Landeskampagne würde nicht bloß ein Werbemotto verändern, sondern einen kulturpolitischen Richtungswechsel markieren: weg von einem offenen Begriff des modernen Denkens, hin zu einer stärker national definierten kulturellen Identität.
Bedeutung für Museen und Publikum
Für Museen, Theater und andere Kultureinrichtungen geht es damit um mehr als einzelne Ausstellungen oder Förderentscheidungen. Politischer Druck kann Programme, Personalentscheidungen, öffentliche Finanzierung und internationale Zusammenarbeit beeinflussen. Die Wiedereröffnung der Kunsthalle Würth setzt dem die praktische Funktion freier Kunst entgegen: Ein öffentlich zugänglicher Ort schafft Raum für unterschiedliche historische Erfahrungen, ästhetische Positionen und unabhängige Urteile. Die Debatte dürfte deshalb auch künftig daran gemessen werden, ob Kulturinstitutionen ihre inhaltliche Eigenständigkeit bewahren können.
