Kunsthalle Würth, Frank-Walter Steinmeier

Kunsthalle Würth: Steinmeier warnt vor neuem Kulturkampf

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 13:26 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Bei der Wiedereröffnung der erweiterten Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall warnt der Bundespräsident vor nationalistischer Einflussnahme auf Kulturinstitutionen. Zum Auftakt zeigt das Haus Werke von Anselm Kiefer.

Wiedereröffnung der erweiterten Kunsthalle Würth mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. (Foto - aktuell) - Bild: Bernd Weißbrod/dpa
Wiedereröffnung der erweiterten Kunsthalle Würth mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. (Foto - aktuell) - Bild: Bernd Weißbrod/dpa

Umbau und Festakt in Schwäbisch Hall

  • Frank-Walter Steinmeier warnt bei der Wiedereröffnung vor Beschränkungen der Kunstfreiheit.
  • Die Kunsthalle Würth verfügt nach rund drei Jahren Umbau über rund 3.200 Quadratmeter Ausstellungsfläche.
  • Die Ausstellung „Anselm Kiefer – Alles, was der Fall ist“ eröffnet das wiedereröffnete Haus.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat bei der Wiedereröffnung der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall vor einem neuen Kulturkampf und Einschränkungen der Kunstfreiheit gewarnt.

Warnung vor nationalistischer Engstirnigkeit

In seiner Rede verwies Steinmeier auf die Debatte um das Bauhaus in Dessau. Dort fürchte man inzwischen um das Überleben der Einrichtung; auch andere Kulturinstitutionen seien gefährdet.

Ein neuer Kulturkampf drohe, den wiedergewonnenen „Freiraum Kunst“ mit nationalistischer Engstirnigkeit erneut zu beschränken, sagte der Bundespräsident. Die Kunstfreiheit sei im Grundgesetz ausdrücklich geschützt und durch die Erfahrungen des Nationalsozialismus geprägt.

AfD positioniert sich zum Bauhaus

Die AfD in Sachsen-Anhalt hatte das Bauhaus als „Irrweg der Moderne“ bezeichnet. Außerdem will sie die Landeskampagne mit dem Motto „#moderndenken“ in „#deutschdenken“ umbenennen.

Die AfD ist in Sachsen-Anhalt vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft. Bei der Landtagswahl wurde sie stärkste Kraft, verfehlte aber die absolute Mehrheit.

Mehr Platz für die Sammlung Würth

Die Kunsthalle Würth wurde rund drei Jahre lang erweitert und umgebaut. Dabei kamen rund 600 Quadratmeter Ausstellungsfläche hinzu; insgesamt verfügt das Haus nun über rund 3.200 Quadratmeter.

Den Auftakt bildet die Einzelausstellung „Anselm Kiefer – Alles, was der Fall ist“. Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir würdigte beim Festakt die Verdienste des Unternehmers Reinhold Würth für den Kunststandort im Südwesten.

Kunstfreiheit als Verfassungsauftrag

Steinmeiers Warnung knüpft an einen zentralen Grundsatz des deutschen Verfassungsrechts an: Artikel 5 Absatz 3 des Grundgesetzes schützt Kunst und Wissenschaft ausdrücklich. Die Garantie richtet sich nicht nur gegen staatliche Zensur, sondern schafft auch einen politischen Maßstab für den Umgang mit Museen, Theatern, Hochschulen und Kulturförderung.

Das Bauhaus in Dessau steht dabei für eine Institution, deren Arbeit eng mit der deutschen Moderne und ihrer späteren Verfolgung durch den Nationalsozialismus verbunden ist. Wenn politische Akteure kulturelle Einrichtungen vor allem nach nationalen oder ideologischen Kriterien bewerten, verschiebt sich die Debatte von der Finanzierung einzelner Projekte zur Frage, welche Kunst als legitim gelten soll.

Neue Räume, größere Verantwortung

Die Wiedereröffnung in Schwäbisch Hall verbindet diese politische Dimension mit einem konkreten Ausbau des Kulturbetriebs. Zusätzliche Ausstellungsfläche ermöglicht größere Präsentationen und kann die öffentliche Reichweite einer Sammlung erhöhen. Zugleich wächst die Verantwortung privater und öffentlicher Kulturträger, unterschiedliche Perspektiven zugänglich zu halten.

Für Besucher bedeutet der Umbau zunächst ein erweitertes Angebot mit der Kiefer-Ausstellung als Auftakt. Politisch zeigt der Festakt darüber hinaus, dass Museen nicht nur Orte der Kunstvermittlung sind: Sie werden auch zu Foren, in denen sich eine offene Gesellschaft gegen Ausgrenzung und ideologische Verengung behaupten muss.

Disclaimer...

de | unterhaltung | 70313922 |