Hamburg, Deutschland

SozialpÀdagogin: Block-Kinder waren bei Mutter ausgelassen

02.03.2026 - 17:51:01 | dpa.de

Kurz nach ihrer EntfĂŒhrung aus DĂ€nemark erlebte eine Mitarbeiterin des Hamburger Jugendamts die Block-Kinder. Konnte sie Anzeichen fĂŒr eine KindeswohlgefĂ€hrdung feststellen?

  • Christina Block hörte die Zeugenaussage einer Mitarbeiterin des Hamburger Jugendamts. - Foto: Marcus Brandt/Pool dpa/dpa
  • Wegen des Iran-Kriegs kann das Hamburger Landgericht im Prozess um die EntfĂŒhrung der Block-Kinder zurzeit keine Zeugen aus Israel laden. - Foto: Marcus Brandt/Pool dpa/dpa
  • Stephan Hensel, der Ex-Mann von Christina Block, ist NebenklĂ€ger im Prozess um die EntfĂŒhrer zweier gemeinsamer Kinder. - Foto: Marcus Brandt/Pool dpa/dpa
Christina Block hörte die Zeugenaussage einer Mitarbeiterin des Hamburger Jugendamts. - Foto: Marcus Brandt/Pool dpa/dpa Wegen des Iran-Kriegs kann das Hamburger Landgericht im Prozess um die EntfĂŒhrung der Block-Kinder zurzeit keine Zeugen aus Israel laden. - Foto: Marcus Brandt/Pool dpa/dpa Stephan Hensel, der Ex-Mann von Christina Block, ist NebenklĂ€ger im Prozess um die EntfĂŒhrer zweier gemeinsamer Kinder. - Foto: Marcus Brandt/Pool dpa/dpa

Mehrere Tage nach der EntfĂŒhrung der Block-Kinder vom Wohnort ihres Vaters in DĂ€nemark hat eine Mitarbeiterin des Hamburger Jugendamts keine Anzeichen fĂŒr eine KindeswohlgefĂ€hrdung bei dem Jungen und dem MĂ€dchen festgestellt. Das sagte die Frau als Zeugin vor der Strafkammer am Landgericht Hamburg. Sie habe die Kinder im Haus von Christina Block am 4. Januar 2024 getroffen - drei Tage nach der EntfĂŒhrung.

Sie habe den damals 10-jĂ€hrigen Jungen und dessen 13 Jahre alte Schwester beim Spielen angetroffen. Sie selbst habe sich dazugesellt. «Es war ein nettes Beisammensein», berichtete die 47-jĂ€hrige SozialpĂ€dagogin vor der Strafkammer am Landgericht Hamburg. Anzeichen fĂŒr eine KindeswohlgefĂ€hrdung habe sie nicht wahrgenommen.

Christina Block bestreitet Auftrag zur EntfĂŒhrung

Der Prozess um die EntfĂŒhrung der Block-Kinder wurde nach vierwöchiger Pause fortgesetzt. Der Sohn und die Tochter waren in der Silvesternacht 2023/24 gewaltsam nach SĂŒddeutschland gebracht worden. Von dort hatte Christina Block sie nach Hamburg geholt. Der 52-JĂ€hrigen wird vorgeworfen, einer israelischen Sicherheitsfirma den Auftrag zur EntfĂŒhrung ihrer beiden Kinder gegeben zu haben. Die Tochter des GrĂŒnders der Steakhaus-Kette «Block House», Eugen Block, bestreitet das.

Die angeklagte Unternehmerin streitet seit Jahren mit ihrem Ex-Mann Stephan Hensel um das Sorgerecht fĂŒr die beiden jĂŒngsten der vier gemeinsamen Kinder. Sie waren im Sommer 2021 nicht wie vereinbart nach einem Wochenendbesuch bei ihrem Vater in DĂ€nemark nach Hamburg zurĂŒckgekehrt.

Mutmaßlicher Chef der EntfĂŒhrer will Auftrag bekommen haben

Im vergangenen Herbst hatte sich der gesuchte Chef des Sicherheitsunternehmens Cyber Cupola aus Israel, David Barkay, bei den deutschen Ermittlungsbehörden gemeldet. Nach der GewÀhrung sicheren Geleits sagte er erst bei der Staatsanwaltschaft in Hamburg und dann vor Gericht aus. An sieben Prozesstagen erschien der 68-JÀhrige bislang unter hohen Sicherheitsauflagen vor Gericht. Richter, StaatsanwÀlte und Nebenklage befragten ihn stundenlang. 

Barkay sagte, er sei engagiert worden, um die Familie des Ex-Mannes Stephan Hensel in DĂ€nemark auszuspionieren und Informationen zu sammeln, die im Sorgerechtsstreit helfen sollten. Als das nicht den gewĂŒnschten Erfolg gebracht habe, sei der Druck auf ihn immer grĂ¶ĂŸer geworden. Die Cybersicherheit bei der Block-Gruppe sei auch Thema gewesen - allerdings nicht zu Anfang.

Der ebenfalls angeklagte Familienanwalt Andreas Costard sei sein wichtigster Ansprechpartner gewesen, berichtete der Zeuge. Der habe ihm immer wieder erklĂ€rt, dass eine RĂŒckholung nach Deutschland legal sei. Auch Eugen Block sei informiert gewesen. Ihn nannte der Zeuge immer nur «Patriarch». Nach Aussage eines anderen Zeugen soll Barkay Berufssoldat bei den israelischen SpezialkrĂ€ften und Abteilungsleiter beim Geheimdienst Mossad gewesen sein. 

Iran-Krieg könnte Vernehmung israelischer Zeugen behindern

Seine Befragung ist nicht abgeschlossen. Drei weitere Israelis, darunter eine enge Mitarbeiterin des Firmenchefs, sollen als Zeugen gehört werden. Bei der Staatsanwaltschaft haben sie bereits ausgesagt.

Wegen des Iran-Kriegs gerĂ€t die Planung des Gerichts möglicherweise durcheinander. «Wir mĂŒssen sehen, ob das aufgrund der weltpolitischen Lage klappt», sagte die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt. Eventuell mĂŒsse das Beweisprogramm umgestellt werden. Es gebe noch weitere Zeugen. 

Bei dem Besuch der Jugendamtsmitarbeiterin am 4. Januar 2024 war auch die zweitĂ€lteste Tochter der geschiedenen Eltern anwesend. Sie lebt bei der Mutter in Hamburg. Die Ă€lteste Tochter dagegen war nach einem Streit im Sommer 2021 mit Zustimmung der Mutter zu ihrem Vater nach DĂ€nemark gezogen. Alle drei anwesenden Kinder hĂ€tten in ausgelassener Stimmung miteinander gespielt, sagte die Zeugin ĂŒber die Situation damals. «Sie waren sehr vertraut miteinander.» Sie habe bei keinem TrĂ€nen gesehen.

Zeugin vermutet LoyalitÀtskonflikt bei Tochter

Die beiden jĂŒngsten Kinder hĂ€tten gesagt, was sie in ihren alten Zimmern neu gestalten wollten. Der Junge habe auf keinen Fall mehr seinen rosafarbenen Papierkorb haben wollen, die 13-jĂ€hrigen Tochter wollte eine andere Tapete, sagte die Jugendamtsmitarbeiterin. Über den Vater habe das MĂ€dchen nur gesagt: «Ich wĂŒrde gern mit ihm sprechen, aber das geht im Moment nicht.» Die Kinder hĂ€tten keine Anzeichen dafĂŒr gezeigt, dass sie nicht im Haus ihrer Mutter sein wollten. 

SpĂ€ter soll die Tochter gegenĂŒber den Behörden in DĂ€nemark ausgesagt haben, dass sie die Jugendamtsmitarbeiterin um Hilfe gebeten habe. Die Staatsanwaltschaft Hamburg hatte darum ein Ermittlungsverfahren gegen die SozialpĂ€dagogin eingeleitet, das jedoch wieder eingestellt wurde. Auf die Frage, wie sie sich die spĂ€tere Aussage des MĂ€dchens erklĂ€re, sagte die Zeugin: «Es kann ein Anzeichen dafĂŒr sein, dass Kinder in einem LoyalitĂ€tskonflikt stehen und Dinge nachtrĂ€glich anders schildern, als sie tatsĂ€chlich waren.»

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