Manaus unter Rauch: Rekordhitze und El Niño verschÀrfen Feuerkrise im Amazonasgebiet
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 17:12 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie brasilianische Amazonas-Metropole Manaus ist wegen zahlreicher BrĂ€nde in der Region von dichtem Rauch eingehĂŒllt.
Behörde warnt vor schlechter Luft
Die stÀdtische Gesundheitsbehörde Semsa stufte die LuftqualitÀt als sehr schlecht ein. Sie riet dazu, AktivitÀten im Freien zu reduzieren und bei unvermeidbarer Belastung eine geeignete Maske zu tragen.
Hohe Temperaturen, geringe Luftfeuchtigkeit und atmosphĂ€rische Bedingungen begĂŒnstigen nach Angaben der Behörden die Ansammlung von Schadstoffpartikeln. Auch Winde können Rauch aus anderen Regionen in Richtung der Stadt tragen.
Höchster Messwert des Jahres
Am Dienstag erreichte Manaus nach Angaben des brasilianischen Wetterdienstes Inmet 38,6 Grad Celsius â den höchsten Wert des Jahres. Die Kombination aus Hitze und Trockenheit verschĂ€rft damit die Rauchbelastung in der Stadt.
Mehr als dreimal so viele BrÀnde
Die Zahl der registrierten BrÀnde nahm in der Region nach Angaben der Feuerwehr im September im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 300 Prozent zu. Fast alle Feuer seien von Menschen verursacht worden.
Als Ursachen nannte die Feuerwehr unter anderem Brandrodung, weggeworfene Zigaretten und auĂer Kontrolle geratene kleine Feuer. Seit dem 9. September gilt im Bundesstaat Amazonas fĂŒr 120 Tage ein Verbot gezielter BrĂ€nde in der Landwirtschaft.
El Niño verschÀrft die Trockenheit
Das brasilianische Gesundheitsministerium fĂŒhrt die Wetterlage auch auf das stark ausgeprĂ€gte MeeresströmungsphĂ€nomen El Niño zurĂŒck. Es erwartet im Norden eine verlĂ€ngerte Trockenheit und ein erhöhtes Risiko fĂŒr BrĂ€nde.
Auch der WWF sieht den Amazonas zunehmend anfĂ€llig fĂŒr Feuer. Daniel Silva, Brasilien-Referent des WWF Deutschland, sagte: «Wir steuern auf eine Zukunft zu, in der die Brandsaison kein Ende mehr kennt.» Manaus ist ein wichtiger Ausgangspunkt fĂŒr Reisen in das Amazonasgebiet und auch bei deutschen Urlaubern beliebt.
Extremes Wetter verschÀrft die Rauchbelastung
Die Lage in Manaus verbindet zwei Faktoren: eine auĂergewöhnliche Hitzephase und eine ausgeprĂ€gte Trockenzeit. Hohe Temperaturen und geringe Luftfeuchtigkeit trocknen Vegetation aus; zugleich können stabile atmosphĂ€rische Bedingungen Schadstoffpartikel nahe am Boden halten. Wind verlagert den Rauch zusĂ€tzlich aus den Brandgebieten in die Stadt.
El Niño ist ein natĂŒrliches KlimaphĂ€nomen im tropischen Pazifik, das groĂrĂ€umige Luftströmungen und Niederschlagsmuster verĂ€ndert. FĂŒr 2026 erwarten Klimamodelle nach aktueller EinschĂ€tzung ein auĂergewöhnlich starkes Ereignis. Die Prognose eines möglichen Rekordwerts fĂŒr November ist jedoch eine Vorausberechnung und kein bereits eingetretener Messwert.
Gesundheit und Brandschutz im Mittelpunkt
FĂŒr die Bevölkerung Manausâ ist die unmittelbare Folge die Belastung durch Feinstaub und andere Rauchbestandteile. Besonders gefĂ€hrdet sind Kinder, Ă€ltere Menschen sowie Personen mit Atemwegs- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Empfehlung, AktivitĂ€ten im Freien zu verringern und bei unvermeidbarer Belastung eine geeignete Maske zu tragen, zielt deshalb auf die kurzfristige Reduzierung eingeatmeter Schadstoffe.
Die starke Zunahme der BrĂ€nde verweist zugleich auf ein strukturelles Problem: Nach Angaben der Feuerwehr entstehen die meisten Feuer durch menschliche AktivitĂ€ten. Das seit dem 9. September geltende Verbot gezielter landwirtschaftlicher BrĂ€nde soll zusĂ€tzliche ZĂŒndquellen begrenzen. FĂŒr Manaus bleibt entscheidend, wie lange die Trockenheit anhĂ€lt und ob Behörden die Brandursachen wirksam eindĂ€mmen können.
