Marius Borg Høiby wechselt vor Berufungsprozess erneut die Verteidiger
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 11:35 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Marius Borg Høiby hat vor seinem für Februar geplanten Berufungsprozess die Verteidiger gewechselt.
Zwei neue Anwälte übernehmen Mandat
Der Sohn der norwegischen Königin Mette-Marit soll beim Berufungsverfahren von Alexander Greaker und Daniel Storrvik vertreten werden. Die beiden Anwälte teilten dem norwegischen Fernsehsender TV2 mit, sie hätten das Mandat übernommen, weil Høiby von seinem Recht auf einen Verteidigerwechsel Gebrauch gemacht habe.
Für Høiby ist es bereits der zweite Wechsel seiner Verteidigung. Zuletzt hatten Ellen Holager Andenæs und Petar Sekulic den 29-Jährigen vertreten. Sie hatten das Mandat 2024 von Øyvind Brattlien übernommen.
Verteidigung kündigt neue Beweise an
Nach Angaben von Greaker sei ein Wechsel der Anwälte vor einem Berufungsprozess nicht ungewöhnlich. Die neue Verteidigung wolle eine andere Perspektive einbringen und eine neue Strategie entwickeln. Dazu sollten auch neue Beweise vorgelegt werden.
Høiby war im Juni wegen einer Reihe von Straftaten zu vier Jahren Haft verurteilt worden, darunter nach norwegischem Recht zwei Vergewaltigungen. Der Berufungsprozess soll diese Vorwürfe sowie den Vorwurf häuslicher Gewalt gegen eine frühere Freundin neu aufrollen.
16 Verhandlungstage ab Februar vorgesehen
Der Prozess soll am 9. Februar beginnen; zunächst sind 16 Verhandlungstage angesetzt. Høiby sitzt seit Anfang Februar in Untersuchungshaft.
Seit einiger Zeit verbringt er diese jedoch mit elektronischer Fußfessel im Zuhause der norwegischen Königsfamilie, dem Gut Skaugum.
Berufung als zweite umfassende Prüfung
Der anstehende Prozess betrifft zentrale Teile des erstinstanzlichen Verfahrens: Neu verhandelt werden sollen die Vorwürfe der Vergewaltigungen und der häuslichen Gewalt gegen eine frühere Partnerin. Das norwegische Berufungsgericht wird damit nicht nur über die Strafhöhe, sondern über die rechtliche Bewertung dieser Anklagepunkte beraten.
Der Verteidigerwechsel bringt eine neue juristische Strategie in ein Verfahren, das wegen Høibys familiärer Verbindung zum norwegischen Königshaus besondere öffentliche Aufmerksamkeit erhält. Entscheidend bleibt jedoch der strafrechtliche Maßstab: Im Mittelpunkt stehen Beweise, Zeugenaussagen und die rechtliche Würdigung des Gerichts, nicht seine Stellung als Sohn von Königin Mette-Marit.
Haft und öffentliche Wirkung
Bis zum Beginn des Berufungsprozesses lebt Høiby nach Angaben der dpa-Meldung mit elektronischer Fußfessel im Zuhause der Königsfamilie auf Gut Skaugum. Die Regelung verbindet Untersuchungshaft mit einer kontrollierten Unterbringung außerhalb einer Justizvollzugsanstalt und macht den Fall auch im Alltag der Monarchie sichtbar.
Für die Öffentlichkeit ist der Februar-Termin deshalb in zweifacher Hinsicht bedeutsam: Er kann die erstinstanzliche Verurteilung bestätigen, verändern oder in Teilen korrigieren und wird zugleich erneut die Frage aufwerfen, wie das norwegische Königshaus mit einem strafrechtlich verurteilten Angehörigen im familiären Umfeld umgeht. Vorgesehen sind zunächst 16 Verhandlungstage.
