Maxxing, Sleepmaxxing

Maxxing: Warum TikTok-Trends zwischen Selbstoptimierung und Ironie schwanken

Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 06:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

„Maxxing“ steht in sozialen Netzwerken fĂŒr den Versuch, aus einem Lebensbereich das Maximum herauszuholen. Der Begriff reicht von ironischen Trends wie „Nonnamaxxing“ bis zu riskanten Formen der Selbstoptimierung.

  • «Maxxing» kursiert seit einer Weile auf Plattformen wie TikTok und Instagram. (Symbolbild) - Bild: Sven Hoppe/dpa
    «Maxxing» kursiert seit einer Weile auf Plattformen wie TikTok und Instagram. (Symbolbild) - Bild: Sven Hoppe/dpa
  • Aus den Muskeln das Maximum holen: Manch einer spricht dann von «Gymmaxxing». (Symbolbild) - Bild: Julian Stratenschulte/dpa
    Aus den Muskeln das Maximum holen: Manch einer spricht dann von «Gymmaxxing». (Symbolbild) - Bild: Julian Stratenschulte/dpa
  • Auch das «Nonnamaxxing», also den Lebensstil einer italienischen Großmutter nachzuahmen, gehört zum «Maxxing». (Symbolbild) - Bild: Lilli Förter/dpa
    Auch das «Nonnamaxxing», also den Lebensstil einer italienischen Großmutter nachzuahmen, gehört zum «Maxxing». (Symbolbild) - Bild: Lilli Förter/dpa
  • Auch bei jeglichen Sportarten findet man hin und wieder online die Endung «Maxxing». (Symbolbild) - Bild: Marcus Golejewski/dpa
    Auch bei jeglichen Sportarten findet man hin und wieder online die Endung «Maxxing». (Symbolbild) - Bild: Marcus Golejewski/dpa
«Maxxing» kursiert seit einer Weile auf Plattformen wie TikTok und Instagram. (Symbolbild) - Bild: Sven Hoppe/dpa Aus den Muskeln das Maximum holen: Manch einer spricht dann von «Gymmaxxing». (Symbolbild) - Bild: Julian Stratenschulte/dpa Auch das «Nonnamaxxing», also den Lebensstil einer italienischen Großmutter nachzuahmen, gehört zum «Maxxing». (Symbolbild) - Bild: Lilli Förter/dpa Auch bei jeglichen Sportarten findet man hin und wieder online die Endung «Maxxing». (Symbolbild) - Bild: Marcus Golejewski/dpa

Ob Schlaf, Aussehen oder der Lebensstil einer italienischen Großmutter: Wer aus einem Lebensbereich das Maximum herausholen will, bezeichnet das in sozialen Medien hĂ€ufig als „Maxxing“.

Ein Suffix fĂŒr fast alles

Das englische „maximize“ bedeutet maximieren. Daraus entstand die Endung „-maxxing“, die Nutzerinnen und Nutzer an Begriffe aus nahezu allen Lebensbereichen anhĂ€ngen. „Sleepmaxxing“ steht etwa fĂŒr den Versuch, besonders erholsam zu schlafen, „Nonnamaxxing“ fĂŒr eine romantisierte, entschleunigte Vorstellung vom Leben einer italienischen Großmutter.

Das Sprachmuster ist nicht neu, hat sich aber inzwischen von seinen ursprĂŒnglichen ZusammenhĂ€ngen gelöst und ein ironisches Eigenleben entwickelt. „Booksmaxxing“ kann beispielsweise einfach bedeuten, viele BĂŒcher zu lesen.

Bekannt durch Looksmaxxing

Breitere Bekanntheit erlangte die Endung durch „Looksmaxxing“ aus der sogenannten Incel-Szene. Dabei geht es um die Optimierung des eigenen Aussehens nach einem bestimmten MĂ€nnlichkeitsideal. Einzelne AnhĂ€nger greifen zu gefĂ€hrlichen Methoden, etwa indem sie mit einem Hammer auf Gesichtsknochen schlagen, um eine markantere Gesichtsform zu erreichen.

„Incel“ ist eine Kurzform von „involuntary celibate“ und bezeichnet MĂ€nner, die unfreiwillig ohne sexuelle Beziehungen leben und dafĂŒr unter anderem Feminismus oder die freie Gesellschaft verantwortlich machen. Inzwischen wird „Maxxing“ jedoch auch außerhalb dieser Szene verwendet, hĂ€ufig bewusst ironisch.

Wenn Selbstoptimierung riskant wird

Beim „Sleepmaxxing“ verbreiten soziale Medien teils rigorose Strategien. Dazu gehört „Mouth Taping“, bei dem der Mund nachts mit einem Pflaster, Klebeband oder speziellen Tapes verschlossen werden soll, damit die Betroffenen durch die Nase atmen. Der Fußballprofi Erling Haaland hat eine solche Methode bereits vor Jahren empfohlen; kanadische Forscher mahnten 2025 zur Vorsicht.

Der Trend beschrĂ€nkt sich nicht auf Gesundheit und Aussehen. Das Weiße Haus veröffentlichte im Juli zu seiner rigiden Abschiebepolitik ein TikTok-Video mit dem Titel „Deportationmaxxing“.

Kein Jugendwort des Jahres

Der Pons-Langenscheidt-Verlag beobachtet, dass „Maxxing“ in den sozialen Medien deutlich wahrnehmbar sei und in den tĂ€glichen Sprachgebrauch von Jugendlichen einfließe. Bei den Einreichungen zum Jugendwort 2026 spielte der Begriff nach Angaben des Verlags dennoch keine Rolle. Als Grund wird die große Zahl unterschiedlicher Varianten genannt.

Der Verlag beschreibt „Maxxing“ als spielerisches Sprachmuster, das digitale Sprachkompetenz und Humor signalisiere. Ziele konsequent zu verfolgen, sei grundsĂ€tzlich unproblematisch; radikale Formen etwa des Looksmaxxing könnten jedoch zulasten der Gesundheit gehen.

Zwischen Selbstironie und Optimierungsdruck

„Maxxing“ bĂŒndelt unterschiedliche Internetpraktiken unter einem gemeinsamen sprachlichen Muster. Der Begriff kann eine harmlose Pointe sein, etwa wenn das Lesen vieler BĂŒcher oder das Treppensteigen scherzhaft zur persönlichen Höchstleistung erklĂ€rt wird. Zugleich macht die Sammelbezeichnung sichtbar, wie stark soziale Netzwerke Alltagshandlungen in Projekte mit messbarem Ergebnis verwandeln.

Die Spannweite reicht von spielerischer Selbstbeschreibung bis zu problematischem Körper- und Verhaltensdruck. Besonders beim Looksmaxxing können vermeintliche Schönheitsnormen riskante Methoden begĂŒnstigen. Beim Sleepmaxxing wiederum entsteht der Eindruck, guter Schlaf lasse sich durch immer neue Regeln und Produkte technisch erzwingen. Das kann sinnvolle Schlafhygiene mit fragwĂŒrdigen Empfehlungen vermischen.

Warum der Begriff fĂŒr Jugendliche relevant ist

FĂŒr jĂŒngere Nutzerinnen und Nutzer erfĂŒllt „Maxxing“ mehrere Funktionen: Das Wort signalisiert Zugehörigkeit zu einer digitalen Sprachwelt, erlaubt Ironie und verleiht gewöhnlichen TĂ€tigkeiten den Charakter eines Trends. Gerade weil sich das Suffix fast beliebig an neue Begriffe anhĂ€ngen lĂ€sst, kann es schnell auf weitere Lebensbereiche ĂŒbertragen werden.

Die politische Verwendung zeigt zudem, dass Internetmeme nicht auf Unterhaltung beschrĂ€nkt bleiben. Ein zunĂ€chst spielerisches Sprachmuster kann auch fĂŒr Werbung, politische Botschaften oder ideologische Inhalte genutzt werden. FĂŒr Leserinnen und Leser liegt die praktische Bedeutung deshalb weniger in einzelnen „Maxxing“-Varianten als in der Frage, wann Selbstoptimierung noch humorvoll motiviert und wann sie Vergleichsdruck oder gesundheitliche Risiken verstĂ€rkt.

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