Mehr als 20 VerdÀchtige - Bestechungsfall in Bremer JVA
Veröffentlicht am: 20.08.2026 um 16:28 Uhr | dpa, AD HOC NEWSSechs JVA-BeschĂ€ftigte, zehn HĂ€ftlinge, insgesamt 23 VerdĂ€chtige: Wieder ist es zu einem Bestechungsfall in einem GefĂ€ngnis gekommen. Nach jĂŒngsten FĂ€llen in Nordrhein-Westfalen ist nun die Justizvollzugsanstalt Bremen betroffen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 23 VerdĂ€chtige, wie die Ermittler mitteilten. Im Zuge der Ermittlungen sind unter anderem zehn Wohnungen in Bremen und Niedersachsen sowie elf GefĂ€ngniszellen in der JVA Bremen-Oslebshausen durchsucht worden.
Ermittlungen auch gegen zehn HĂ€ftlingeÂ
Nach bisherigen Erkenntnissen sollen die JVA-Mitarbeiter diverse GegenstĂ€nde, darunter KommunikationsgerĂ€te, Lebensmittel und Drogen in das GefĂ€ngnis eingeschleust haben. Gefangene sollen die GegenstĂ€nde dort weiter verkauft oder verteilt haben. Die Ermittlungen richten sich den Angaben zufolge auch gegen zehn HĂ€ftlinge, die die GegenstĂ€nde in dem GefĂ€ngnis verteilt haben sollen. Wer die weiteren VerdĂ€chtigen sind, war zunĂ€chst nicht bekannt. Frank Passade, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Bremen, sprach von «Beschuldigten auĂerhalb dieses Dunstkreises der JVA».
Die Beweismittel wĂŒrden aktuell ausgewertet, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Zu der Frage, ob bei den Durchsuchungen BetĂ€ubungsmittel gefunden worden seien, könne er «aktuell noch gar keine Angaben machen». Die Staatsanwaltschaft wirft den VerdĂ€chtigen unter anderem Bestechung und Bestechlichkeit sowie das Handeltreiben mit BetĂ€ubungsmitteln in nicht geringer Menge vor. Einigen wird Beihilfe zu den Taten vorgeworfen.
«Wir brauchen jetzt eine rĂŒckhaltlose AufklĂ€rung»
So werde derzeit auch geprĂŒft, ob möglicherweise Papier mit synthetischen Cannabinoiden getrĂ€nkt und ĂŒber eine in der JVA tĂ€tige Lehrerin in die JVA gebracht worden sei, erlĂ€uterte Passande.Â
«Mit aller Kraft mĂŒssen wir uns wehrhaft zeigen, wenn StraftĂ€ter unsere BeschĂ€ftigten angehen und - wie hier - dazu bringen, verbotene GegenstĂ€nde in die Justizvollzugsanstalt zu schaffen», wurde die Bremer Justizsenatorin Claudia Schilling (SPD) in einer Mitteilung ihrer Behörde zitiert. «Korruption ist inakzeptabel und untergrĂ€bt die Fundamente der Justiz. Die heutige Aktion hat gezeigt, dass wir dagegen gemeinsam entschlossen vorgehen.»
FĂŒr die Bediensteten, gegen die sich die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft richten, haben die VorfĂ€lle bereits dienstrechtliche Folgen. Dazu zĂ€hlen laut Mitteilung Hausverbote bis zur KlĂ€rung der VorfĂ€lle und Freistellungen vom Dienst. «Wir brauchen jetzt eine rĂŒckhaltlose AufklĂ€rung. Diese ist auch wichtig fĂŒr die zahlreichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalt, die ihren Dienst einwandfrei und pflichtbewusst verrichten», sagte Schilling.
Ăhnliche FĂ€lle in NRW
JĂŒngst gab es vergleichbare FĂ€lle in Nordrhein-Westfalen. Anfang Mai gab es eine Razzia in der Anstalt Euskirchen, wo mehrere Bedienstete gegen regelrechte «Bestechungs-Abos» - also monatsweise Bezahlung - HĂ€ftlinge unter anderem vor Kontrollen gewarnt haben sollen. Wenig spĂ€ter wurde ein Fall in der JVA Rheinbach bekannt. Dort wird laut Staatsanwaltschaft gegen fĂŒnf mĂ€nnliche und drei weibliche Justizbedienstete sowie aktuelle und ehemalige Inhaftierte ermittelt. Auch in zwei weiteren NRW-GefĂ€ngnissen, Siegburg und Willich, kam es zu Durchsuchungen.
CDU: Bei Korruption im Justizvollzug keine Nachsicht
Die Opposition in Bremen forderte AufklĂ€rung. «Die VorwĂŒrfe wiegen schwer. Eine Justizvollzugsanstalt darf kein Umschlagplatz fĂŒr Drogen, Mobiltelefone und andere verbotene GegenstĂ€nde sein - schon gar nicht unter möglicher Mitwirkung eigener BeschĂ€ftigter», sagte Simon Zeimke, justizpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, einer Mitteilung zufolge. «Sollte sich der Verdacht bestĂ€tigen, mĂŒssen konsequente straf-, dienst- und disziplinarrechtliche Folgen gezogen werden. Das gilt auch fĂŒr die weitere Zusammenarbeit mit einem möglicherweise beteiligten und öffentlich finanzierten freien TrĂ€ger.»Â
Marcel Schröder, Sprecher fĂŒr Inneres der FDP-Fraktion Bremen und Vorsitzender des Rechtsausschusses, nannte die VorwĂŒrfe «ÀuĂerst schwerwiegend» und forderte bei der AufklĂ€rung «weder Vorverurteilungen noch falsche RĂŒcksichtnahme».
