AuslÀndische Helfer fliegen nach Erdbeben nach Venezuela
26.06.2026 - 03:02:09 | dpa.deInternationale Hilfsteams mit SpĂŒrhunden bereiten sich auf den Einsatz in Venezuela vor. Nach den tödlichen Erdbeben, die das sĂŒdamerikanische Land erschĂŒttert haben, werden aus LĂ€ndern wie Deutschland und Mexiko RettungskrĂ€fte entsandt, um nach Ăberlebenden zu suchen. Knapp 50 EinsatzkrĂ€fte des Technischen Hilfswerks (THW) fliegen an diesem Freitag in das Katastrophengebiet.
Laut der Regierung des sĂŒdamerikanischen Landes wurden bislang 235 Tote gezĂ€hlt. Mehr als 4.300 Verletzte seien bisher in öffentlichen KrankenhĂ€usern behandelt worden, sagte der venezolanische Gesundheitsminister Carlos Alvarado im Fernsehsender VTV. Rund 200 weitere Menschen sollen noch immer unter den TrĂŒmmern verschĂŒttet sein, wie der PrĂ€sident der Nationalversammlung, Jorge RodrĂguez, sagte. Dabei dĂŒrfte es aber nur um diejenigen gehen, die bereits unter den TrĂŒmmern verortet wurden. Es gibt Hinweise darauf, dass die Gesamtzahl der VerschĂŒtteten in die Tausende gehen könnte.
«Entscheidende Stunden»
«In der Regel sagt man, 72 Stunden nach einem Erdbeben, das sind ganz entscheidende Stunden. Da können wir auch noch sehr viele Menschen lebend retten», sagte THW-PrÀsidentin Sabine Lackner in Köln kurz vor der Abreise des Teams aus Deutschland. Es gebe aber auch danach immer wieder «Wunder».
Der Abflug des THW-Teams war fĂŒr Freitagmorgen vom Fliegerhorst Wunstorf in Niedersachsen mit einer Bundeswehr-Maschine geplant. Im Vordergrund stĂŒnden die Bergung und Rettung von Personen aus zerstörten GebĂ€uden, sagte Lackner. Zu der Schnell-Einsatz-Einheit gehörten vier RettungshundefĂŒhrer mit jeweils einem Hund.
Gemeinsame Lagebeurteilung mit Caracas geplant
Mexiko, das selbst schwere Erdbebenkatastrophen erlebt hat, schickt ein 250-köpfiges Team aus RettungskrĂ€ften und Medizinern mit vier Flugzeugen nach Venezuela, wie PrĂ€sidentin Claudia Sheinbaum mitteilte. FĂŒnf SpĂŒrhunde und eine Drohne seien ebenfalls Teil des Einsatzes. «Sobald sie dort angekommen sind und gemeinsam mit den venezolanischen Behörden eine Lagebeurteilung vorgenommen haben, werden wir sehen, welche zusĂ€tzliche Hilfe sie benötigen», sagte Sheinbaum. Auch weitere LĂ€nder haben Hilfe zugesagt.
Schwerste Naturkatastrophe seit Jahrzehnten in Venezuela
Zwei schwere Beben der StĂ€rke 7,2 und 7,5 hatten am Mittwoch den Norden und das Zentrum Venezuelas erschĂŒttert - im Abstand von nur 39 Sekunden. Es sei die schwerste Naturkatastrophe, die Venezuela in den vergangenen 30 Jahren erlebt habe, sagte RodrĂguez, PrĂ€sident der Nationalversammlung und Bruder der geschĂ€ftsfĂŒhrenden PrĂ€sidentin Delcy RodrĂguez. 250 GebĂ€ude seien komplett zerstört oder beschĂ€digt worden. Acht KrankenhĂ€user, 20 Einkaufszentren und 68 öffentliche Infrastruktureinrichtungen seien betroffen.
Schwere SchĂ€den gab es besonders im Bundesstaat La Guaira an der KaribikkĂŒste. Die geschĂ€ftsfĂŒhrende PrĂ€sidentin reiste ins Katastrophengebiet. Auch in der Hauptstadt Caracas und in anderen Regionen stĂŒrzten laut Behördenangaben GebĂ€ude ein. Viele Ăberlebende haben ihr Zuhause verloren.Â
Auch das deutsche BotschaftsgebÀude wurde beschÀdigt
Nach Angaben des stellvertretenden deutschen Botschafters in Venezuela, Stephan Wendt, wurde auch das deutsche BotschaftsgebĂ€ude von den Erdbeben beschĂ€digt. «Wir können aktuell nicht vom klassischen BotschaftsgebĂ€ude aus arbeiten. Wir befinden uns aktuell in der deutschen Residenz, arbeiten von dort aus», sagte er im ZDF-«heute journal». «Auch einigen Kolleginnen und Kollegen ist es momentan nicht möglich zurĂŒckzukehren in ihre eigene Wohnung, es haben ja auch einige in der Residenz ĂŒbernachtet auf Feldbetten.»
Vereinte Nationen: «Tief betroffen»
UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres sprach Betroffenen und Hinterbliebenen sein MitgefĂŒhl aus und sicherte der Regierung sowie der Bevölkerung SolidaritĂ€t zu. «Der GeneralsekretĂ€r ist tief betroffen ĂŒber die Todesopfer und die weit verbreiteten Zerstörungen», teilte Sprecher StĂ©phane Dujarric in New York mit.Â
Washington mobilisiert 150 Millionen US-Dollar
US-PrĂ€sident Donald Trump bekrĂ€ftigte bei einem Abendessen mit Farmern im Rosengarten des WeiĂen Hauses, dass sein Land Venezuela helfen werde. Auch das US-MilitĂ€r soll dabei unterstĂŒtzen - dafĂŒr seien unter anderem ein amphibisches Transportschiff, ein KĂŒstenkampfschiff und Transportflugzeuge bereitgestellt worden, teilte das zustĂ€ndige US-Regionalkommando Southcom mit.
Zuvor hatte das US-AuĂenministerium bereits angekĂŒndigt, zusĂ€tzlich zur logistischen UnterstĂŒtzung 150 Millionen Dollar (rund 132 Mio. Euro) an Hilfsgeldern zu mobilisieren. 100 Millionen davon sollen direkt an das UN-BĂŒro fĂŒr humanitĂ€re Angelegenheiten OCHA gehen. Kanada sagte laut Angaben des AuĂenministeriums in Ottawa 5 Millionen kanadische Dollar (gut 3 Mio. Euro) humanitĂ€re Hilfe zu.
Das US-Finanzministerium teilte zudem mit, im Zusammenhang mit ErdbebenhilfemaĂnahmen in Venezuela vorĂŒbergehend Transaktionen zu erlauben, die andernfalls wegen Sanktionen verboten wĂ€ren. Die Ausnahmegenehmigung gilt demnach bis zum 23. Oktober 2026 (00.01 Uhr US-Ortszeit).
Chinesische StaatsbĂŒrger bei Erdbeben ums Leben gekommen
China teilte unterdessen laut Staatsmedien mit, dass zwei chinesische StaatsbĂŒrger bei dem Erdbeben ums Leben gekommen seien. Am Vortag hatte Peking seine Bereitschaft gezeigt, seinem diplomatischen VerbĂŒndeten zu helfen. «Wir glauben, dass sich das venezolanische Volk unter der FĂŒhrung der venezolanischen Regierung bald erholen und seine Heimat wieder aufbauen wird», erklĂ€rte ein AuĂenamtssprecher weiter.Â
Das erdölreiche Venezuela erlebt turbulente politische Zeiten. Im Januar hatte das US-MilitĂ€r den Machthaber NicolĂĄs Maduro gefangengenommen und in die USA gebracht. Delcy RodrĂguez ist geschĂ€ftsfĂŒhrend im Amt.
