Sachsen-Anhalt, Deutschland

Lesung von Semsrott verlegt – OB weist Einflussnahme zurück

21.05.2026 - 15:44:28 | dpa.de

Nach Semsrotts Kritik an der Ausladung lädt die Oberbürgermeisterin zum klärenden Gespräch. Wer trägt die Verantwortung für die umstrittene Entscheidung und was steht wirklich dahinter?

  • Der Autor und Aktivist Arne Semsrott wirft der Magdeburger Stadtverwaltung vor, seine Lesung in der Stadtbibliothek aus Angst vor Kritik der AfD verhindert zu haben. (Archivbild)  - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
    Der Autor und Aktivist Arne Semsrott wirft der Magdeburger Stadtverwaltung vor, seine Lesung in der Stadtbibliothek aus Angst vor Kritik der AfD verhindert zu haben. (Archivbild) - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
  • Magdeburgs Oberbürgermeisterin Simone Borris weist Vorwürfe politischer Einflussnahme zurück. (Archivbild)  - Foto: Matthias Bein/dpa
    Magdeburgs Oberbürgermeisterin Simone Borris weist Vorwürfe politischer Einflussnahme zurück. (Archivbild) - Foto: Matthias Bein/dpa
Der Autor und Aktivist Arne Semsrott wirft der Magdeburger Stadtverwaltung vor, seine Lesung in der Stadtbibliothek aus Angst vor Kritik der AfD verhindert zu haben. (Archivbild)  - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa Magdeburgs Oberbürgermeisterin Simone Borris weist Vorwürfe politischer Einflussnahme zurück. (Archivbild)  - Foto: Matthias Bein/dpa

Im Streit um eine verlegte Lesung des Autors und Aktivisten Arne Semsrott hat Oberbürgermeisterin Simone Borris Vorwürfe politischer Einflussnahme zurückgewiesen. «Eine Entscheidung oder Weisung meinerseits, die Veranstaltung abzusagen, die Lesung zu untersagen oder die Kooperation der Stadtbibliothek zu beenden, hat es nicht gegeben», sagte Borris (parteilos) in öffentlicher Sitzung des Stadtrats. 

Lesung aus Stadtbibliothek verlegt

Die ursprünglich für den 5. Juni geplante Lesung aus Semsrotts neuem Buch «Gegenmacht – Die Zivilgesellschaft schlägt zurück» sollte zunächst in der Stadtbibliothek stattfinden. Inzwischen wurde sie in das Kulturzentrum Moritzhof verlegt. Dort treten nach Angaben des Hauses die Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt und der Verein Miteinander als Veranstalter auf. Die Heinrich-Böll-Stiftung ist die parteinahe Stiftung der Grünen.

Semsrott spricht von «Ausladung»

Semsrott hatte die Verlegung scharf kritisiert und von einer «Ausladung» gesprochen. Die Stadt habe nichts damit zu tun, dass die Veranstaltung nun im Moritzhof stattfinden könne, sagte er im Deutschlandfunk Kultur. Aus seiner Sicht gehe es grundsätzlich darum, ob eine Lesung in einem öffentlich zugänglichen und öffentlich finanzierten Ort wie der Stadtbibliothek möglich sei.

Der Autor vermutet hinter der Entscheidung politischen Druck. Er gehe «sehr stark davon aus», dass die Diskussion mit einer kritischen Anfrage der AfD im Magdeburger Stadtrat zu einer früheren Lesung zusammenhänge. Er glaube, «dass die Stadt jetzt dachte, ach, den Stress, den wollen wir nicht haben in Zukunft, dann lassen wir den Semsrott lieber nicht bei uns lesen».

Belegen könne er dies bislang nicht. Allerdings habe er von mehreren Seiten gehört, dass der Inhalt seines Buches als «zu provokativ» eingeschätzt worden sei. «Provokativ würde ich ja erst mal sagen, das ist eigentlich eine super Ausgangsposition, um dann an so einem Abend gut diskutieren zu können», sagte Semsrott.

Borris: «Ich habe um Prüfung gebeten»

Oberbürgermeisterin Borris schilderte den Ablauf dagegen anders. In einer Dienstberatung am 14. April sei die Veranstaltung im Zusammenhang mit Fragen parteipolitischer Neutralität vor Wahlen lediglich angesprochen worden. «Ich habe keine Absage angewiesen. Ich habe um Prüfung gebeten», sagte sie. Sie habe weder den Autor noch dessen Bücher gekannt und sich deshalb an der Diskussion «gar nicht weiter beteiligt».

Nach Angaben der Oberbürgermeisterin lag bereits zuvor eine fachliche Einschätzung der Stadtbibliothek vor, die sich ausdrücklich dafür ausgesprochen habe, die Veranstaltung stattfinden zu lassen. Diese Stellungnahme mit Verweis auf Meinungs- und Kunstfreiheit sei ihr in der Dienstberatung jedoch nicht bekannt gewesen.

Gespräch mit Beteiligten geplant

Zugleich räumte Borris ein, dass der weitere Verlauf bei Beteiligten «irritierend, enttäuschend oder auch verletzend angekommen sein kann». Für kommenden Mittwoch habe sie Semsrott sowie Vertreter der Heinrich-Böll-Stiftung zu einem Gespräch eingeladen. «Für mich ist entscheidend: Eine Stadtbibliothek muss ein Ort der offenen Debatte bleiben», sagte Borris. Sie habe sowohl von Semsrott als auch von der Böll-Stiftung bereits eine Zusage erhalten. 

Semsrott hatte zuvor angekündigt, die Hintergründe mit einem Auskunftsantrag bei der Stadt weiter aufklären zu wollen. Er wolle wissen: «Was gab es da an internen E-Mails? Wer hat das denn eigentlich entschieden?»

In Mecklenburg-Vorpommern hatte vor gut einem halben Jahr ein abgesagter Auftritt des jüdischen Publizisten Michel Friedman im Literaturhaus Klütz deutschlandweit für Kritik gesorgt. Die Veranstaltung wurde auf Bitten des damaligen Bürgermeisters abgesagt, der später zurücktrat.

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