Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein

Schleppverband mit Wal ist auf dem Weg in die Nordsee

29.04.2026 - 06:05:49 | dpa.de

Nach wochenlangem Hoffen und Bangen ist der in der Ostsee gestrandete Buckelwal nun auf dem Weg Richtung Nordsee. Gerettet ist das Tier aber noch nicht.

  • Mit dem Wal in der Barge nahm der Schleppverband Kurs auf die Nordsee  - Foto: Marcus Golejewski/dpa
    Mit dem Wal in der Barge nahm der Schleppverband Kurs auf die Nordsee - Foto: Marcus Golejewski/dpa
  • Nach langem Bangen setzte sich die Barge mit dem Wal in Bewegung. - Foto: Stefan Sauer/dpa
    Nach langem Bangen setzte sich die Barge mit dem Wal in Bewegung. - Foto: Stefan Sauer/dpa
Mit dem Wal in der Barge nahm der Schleppverband Kurs auf die Nordsee  - Foto: Marcus Golejewski/dpa Nach langem Bangen setzte sich die Barge mit dem Wal in Bewegung. - Foto: Stefan Sauer/dpa

Der Schleppverband mit dem wochenlang an der OstseekĂŒste festsitzenden Buckelwal ist auf dem Weg Richtung Nordsee. Laut dem Schiffs-Ortungsdienst VesselFinder befand sich der Verband am frĂŒhen Morgen circa 6 Seemeilen (rund 11 Kilometer) sĂŒdöstlich von Fehmarn. Der Transport bewege sich mit «sehr langsamer Geschwindigkeit» in Richtung der Insel, sagte ein Sprecher der begleitenden Wasserschutzpolizei. Nach PlĂ€nen einer privaten Rettungsinitiative soll der Wal in einer mehrtĂ€gigen Aktion um die Nordspitze DĂ€nemarks herum durch das Skagerrak in die Nordsee gebracht und dann freigelassen werden.

Am Abend ĂŒbernahm der Schlepper «Robin Hood» die Barge mit dem Wal am Ausgang der Kirchsee vor der Insel Poel. Anschließend fuhr er samt dem mit Wasser gefĂŒllten Lastkahn in die Wismarbucht und weiter hinaus auf die offene Ostsee.

Rettungsaktion in entscheidender Phase

Kurz nachdem die «Robin Hood» die Barge auf den Haken genommen hatte, machte auch das Mehrzweckschiff «Fortune B» im Hafen von Wismar los und folgte dem Schleppverband. Den bisherigen PlÀnen zufolge soll eines der Schiffe den motorlosen Lastkahn schleppen, wÀhrend das andere den Verband begleitet.

Mit der Verlegung des Wals in die Barge ging die Rettungsaktion am Dienstag in die entscheidende Phase. Mehrere Stunden lang hatten Helfer das Tier in eine eigens gebaggerte Rinne bugsiert. Mitglieder des Teams zogen den Wal mit Gurten zu der Barge. Um 14.45 Uhr war das Tier schließlich in dem abgesenkten Kahn. Anschließend wurde ein Netz aufgespannt, um zu verhindern, dass der Wal wieder herausschwimmt. Kleinere Boote schoben die Barge dann hinaus aus der Kirchsee in die Wismarbucht, wo sie vom Schlepper «Robin Hood» auf den Haken genommen wurde. 

Helfer zogen Wal stundenlang zum Lastkahn 

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) zeigte sich nach der geglĂŒckten Aktion erleichtert. «Mir fĂ€llt wirklich ein Stein vom Herzen», sagte er im Hafen von Kirchdorf. «Ich war auch kurz davor, ins Wasser zu springen, um ihm noch auf den letzten Meter mitzuhelfen.» Der Minister gestand, er habe auf dem Schiff, von wo er die Aktion beobachtete, geweint. 

Nach der Aktion fielen sich die Helfer der privaten Rettungsinitiative im Hafen in die Arme, bei manchem rollte eine TrÀne der Erleichterung nach bangen Wochen voller Anspannung. Bei ihrer Ankunft im Hafen von Kirchdorf wurden sie von den Anwesenden teils mit Jubel und Klatschen empfangen. «Die Hoffnung haben wir nie aufgegeben», sagte eine Schaulustige vor Ort.

Experten bangen um Gesundheit des Wals

Experten hatten vor der Bergung Zweifel am Sinn des Unterfangens geĂ€ußert. «Der Allgemeinzustand des Wales hat sich weiter verschlechtert», betonten Wissenschaftler. Um den Gesundheitszustand des Wals zu ĂŒberwachen, sollten nach Angaben der privaten Initiative VeterinĂ€rmediziner das Tier auf dessen mehrtĂ€giger Reise in Richtung Nordsee begleiten. 

Offen ist nach Expertenansicht auch, ob der Wal den Transport ĂŒberstehen wird und ob er in der Nordsee oder im Atlantik wieder in Freiheit leben kann. Wissenschaftler vermuten, dass er vor seiner Strandung immer wieder flaches Wasser aufgesucht hatte, weil er geschwĂ€cht war und sich ausruhen wollte. 

Erste Sichtung des Wals schon Anfang MĂ€rz

Der Buckelwal war nach Angaben der Behörden erstmals Anfang MĂ€rz in KĂŒstennĂ€he aufgetaucht, zunĂ€chst im Hafen von Wismar. In der Nacht zum 23. MĂ€rz strandete er auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein. Zwar gelang es dem Tier, das flache Wasser ĂŒber eine ausgehobene Rinne zu verlassen. Danach nahm es aber nicht Kurs aufs offene Meer und Richtung Norden, sondern schwamm wieder Richtung Wismar.

Schließlich schwamm es in die Kirchsee genannte flache Bucht der Insel Poel. Dort strandete es erneut, schwamm sich zwischenzeitlich frei, lag aber wenige Stunden spĂ€ter am Ausgang der Bucht wieder fest. So kam es zu der nun laufenden Rettungsvariante.

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