Norwegen Walfang 2026: 418 Zwergwale trotz hoher Quote getötet
Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 10:57 Uhr | dpa, AD HOC NEWSIn Norwegen sind in der diesjährigen Walfangsaison 418 Zwergwale getötet worden.
Walfangsaison vorzeitig beendet
Das norwegische Fischereidirektorat bestätigte die Zahl der erlegten Tiere der Deutschen Presse-Agentur. Demnach wurde der Walfang bereits in der vergangenen Woche gestoppt, nachdem die Walfänger ihre Arbeit abgeschlossen hatten. Die für dieses Jahr festgelegte Quote von 1641 Zwergwalen wurde damit wie in früheren Jahren nicht annähernd ausgeschöpft.
Tierschützer erhöhen den Druck
Die Tierschutzorganisation Pro Wildlife nutzte die Bilanz der Saison, um vor der Tagung der Internationalen Walfangkommission im australischen Hobart ab dem 27. September erneut ein Ende des Walfangs zu fordern. "Kein Land tötet so viele Wale wie Norwegen - und kaum eines kommt dabei so ungeschoren davon", sagte Mona Schweizer von Pro Wildlife der Deutschen Presse-Agentur. Es sei Zeit, Norwegen für seinen Walfang in die Verantwortung zu nehmen.
Norwegen bleibt führende Walfangnation
Nach Angaben der Organisation ist Norwegen auch 2026 "Walfangland Nummer eins" und habe seit 1986 fast doppelt so viele Tiere getötet wie Island und Japan zusammen. Zudem gebe es nach dieser Darstellung keine Kontrolle darüber, wie die Wale sterben. Für den kommerziellen Walfang gilt seit 1986 ein Moratorium, gegen das Norwegen Einspruch erhoben hat. Das Land hält an der Tradition der Jagd auf Zwergwale fest, die jedoch nur noch von wenigen Fischern ausgeübt wird.
Norwegens Sonderweg im internationalen Walfang
Norwegen gehört zu den wenigen Staaten, die trotz des seit 1986 geltenden Moratoriums für den kommerziellen Walfang an der Jagd auf Zwergwale festhalten. Grundlage ist ein formeller Einspruch gegen den Beschluss der Internationalen Walfangkommission (IWC), der es dem Land erlaubt, eigene Fangquoten festzulegen. Die nun beendete Saison mit 418 getöteten Tieren zeigt, dass Norwegen die zulässige Höchstmenge von 1641 Walen erneut deutlich unterschritten hat. Dies verweist auf eine Kombination aus sinkender Nachfrage, wirtschaftlichen Abwägungen der Fangflotten und wachsendem öffentlichen Druck.
Spannungsfeld zwischen Tradition, Markt und Tierschutz
Die norwegische Regierung betont seit Jahren die Rolle des Walfangs als Teil einer maritimen Tradition und verweist auf regionale Arbeitsplätze und die Nutzung mariner Ressourcen. Gleichzeitig ist der Sektor stark geschrumpft, da nur noch wenige Fischer die Jagd auf Zwergwale betreiben und der Inlandsmarkt für Walfleisch begrenzt ist. Tierschutzorganisationen kritisieren den Fang als nicht mehr zeitgemäß und verweisen auf die aus ihrer Sicht unzureichende Kontrolle der Tötungsmethoden und die langen Todeskämpfe einzelner Tiere. Für Leserinnen und Leser ist wichtig, dass der Konflikt nicht nur eine Symboldebatte ist, sondern konkrete Fragen nach Tierwohlstandards, nachhaltiger Nutzung und der Rolle nationaler Ausnahmen im internationalen Umweltrecht aufwirft.
Bedeutung der IWC-Tagung und mögliche Konsequenzen
Die anstehende Tagung der Internationalen Walfangkommission in Hobart erhält durch die Kritik von Pro Wildlife zusätzliche Brisanz. Dort könnten Staaten, die ein striktes Ende des kommerziellen Walfangs anstreben, den Umgang mit Ländern wie Norwegen erneut auf die Tagesordnung setzen. Auch die Frage, wie der Schutzstatus von Großwalbeständen mit regionalen Nutzungsansprüchen vereinbar ist, dürfte eine Rolle spielen. Für Europa und Deutschland bleibt der Fall Norwegen ein Beispiel dafür, wie unterschiedlich Staaten internationale Umweltabkommen auslegen und welche Spannungen entstehen, wenn nationale Traditionen mit globalen Naturschutz- und Tierschutzforderungen kollidieren.
