Oktoberfest: Erstes lesbisches Wiesn-Event in der BrÀurosl
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSAuf dem MĂŒnchner Oktoberfest gibt es in diesem Jahr erstmals ein eigenes Event fĂŒr queere Frauen und FLINTA-Personen in der BrĂ€urosl.
Premiere in der BrÀurosl
Rund 700 Frauen und FLINTA-Personen wollen bei âBier, Boobs, Breznâ feiern, das einen Tag nach dem traditionellen Gay Sunday stattfindet. Der Rosa Sonntag gilt seit Jahrzehnten als feste queere Institution auf der Wiesn und wird traditionell vor allem von schwulen MĂ€nnern geprĂ€gt.
Veranstalterin Sina Scherer will dieser Dominanz nun ein eigenes Format fĂŒr lesbische Frauen entgegensetzen. Sie sieht in MĂŒnchen und auch auf der Wiesn zu wenig sichtbare RĂ€ume fĂŒr lesbische Frauen und setzt mit dem neuen Event auf einen selbst geschaffenen Treffpunkt.
Queere Sichtbarkeit auf dem Volksfest
Nach Darstellung der BrÀurosl-Wirte Franziska und Peter Reichert gibt es den Rosa Sonntag seit mehr als 40 Jahren. Sie sprechen von einer sehr hohen Nachfrage nach queeren Veranstaltungen in ihrem Zelt und haben deshalb den Rosa Sonntag in diesem Jahr um weitere Termine ergÀnzt.
Die neue Veranstaltung soll dabei kein Sonderraum abseits der Wiesn sein, sondern Teil des normalen Festgeschehens. Scherer will lesbische Frauen und FLINTA-Personen bewusst in den Mittelpunkt stellen und ihnen einen Ort geben, an dem sie sich nicht erst mĂŒhsam finden mĂŒssen.
Feiern trotz SicherheitsgefĂŒhl
Die Organisatorinnen verweisen zugleich auf das SicherheitsgefĂŒhl auf dem Oktoberfest. Trotz der Sorge nach dem Anschlag auf den Berliner CSD ĂŒberwiege die Lust aufs Feiern, heiĂt es in der Meldung.
Der Gedanke hinter dem neuen Format ist damit auch politisch lesbar: Queere Sichtbarkeit soll nicht nur auf Demonstrationen oder in Clubs stattfinden, sondern mitten in der Stadtgesellschaft und auf einem der bekanntesten Volksfeste des Landes.
Queere Sichtbarkeit auf der Wiesn
Das neue Frauenevent in der BrĂ€urosl knĂŒpft an die lange queere Tradition auf dem Oktoberfest an und erweitert sie um eine bislang wenig sichtbare Gruppe. Dass die Veranstalterinnen den Raum nicht als Sonderfall, sondern als selbstverstĂ€ndlichen Teil der Wiesn verstehen, verweist auf einen gröĂeren Trend: queere Veranstaltungen verlagern sich zunehmend aus geschlossenen Szenen in öffentliche, traditionsreiche Orte.
Gerade bei GroĂveranstaltungen wie dem Oktoberfest geht es dabei nicht nur um Party, sondern um PrĂ€senz. Wer dort sichtbar wird, erreicht Menschen jenseits der eigenen Community. FĂŒr lesbische Frauen und FLINTA-Personen bedeutet das zugleich Anerkennung und praktische ZugĂ€nglichkeit, weil ein etablierter Treffpunkt eine niedrigschwellige Form von Ăffentlichkeit schafft.
Zwischen Tradition und neuer Nachfrage
Die dpa-Meldung beschreibt auch einen Strukturwandel innerhalb der queeren Festkultur: Seit Jahrzehnten dominiert der Rosa Sonntag schwule MĂ€nnlichkeit, wĂ€hrend lesbische Frauen als eigene Zielgruppe kaum vorkamen. Das neue Format beantwortet damit nicht nur einen symbolischen Bedarf, sondern auch einen Markt fĂŒr Veranstaltungen, die DiversitĂ€t innerhalb der queeren Szene sichtbarer machen.
FĂŒr die Wiesn ist das mehr als eine Randnotiz. Das Oktoberfest bleibt ein Ort mit klaren Regeln, hohen Kosten und starkem Traditionsbezug. Wenn dort zusĂ€tzliche queere Formate entstehen, zeigt das, wie flexibel selbst ein sehr etabliertes Volksfest auf gesellschaftliche VerĂ€nderungen reagieren kann.
