Oktoberfest München startet: Neuer OB Krause zapft an, Sicherheit und Gedenken im Fokus
Veröffentlicht am: 19.09.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSAuf der Münchner Theresienwiese beginnt heute das 191. Oktoberfest, das die Stadt für 16 Tage in Ausnahmezustand versetzt.
Neuer Oberbürgermeister eröffnet die Wiesn
Um Punkt 12.00 Uhr eröffnet Münchens neuer Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) das Fest traditionell mit dem Ruf „O'zapft is“. Mit Spannung wird erwartet, wie viele Schläge Krause bei seinem ersten Anstich als Rathauschef benötigt, bis der Zapfhahn sitzt und das Bier fließt. Als Ziel hatte er zwei bis drei Schläge ausgegeben. Die erste Maß Bier reicht er der Tradition folgend dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU), mit dem er auf eine friedliche Wiesn anstoßen will. Für Söder ist es das erste Eröffnungsbier, das ihm ein Grünen-Politiker ausschenkt.
Böllerschüsse und bestes Volksfestwetter
Böllerschüsse auf dem Festgelände verkünden zeitgleich den offiziellen Start – erst danach darf in allen Festzelten Bier ausgeschenkt werden. Zum Anstich wird mit weiß-blauem Himmel und Temperaturen bis zu 24 Grad bestes Volksfestwetter erwartet. „Mehr kann man sich nicht wünschen“, sagte Wiesnchef Christian Scharpf mit Blick auf den Eröffnungstag.
Millionen Besucher erwartet
Bis einschließlich 4. Oktober werden nach Angaben der Stadt Besucherinnen und Besucher aus München, dem Umland, ganz Deutschland und der Welt erwartet. Üblicherweise kommen mehr als sechs Millionen Menschen auf die Theresienwiese, um Festzelte, Fahrgeschäfte und Buden zu besuchen.
Nachjustiertes Sicherheitskonzept
Die Behörden haben das Sicherheitskonzept für die Wiesn deutlich überarbeitet. Hintergrund sind Erfahrungen vom vergangenen Jahr, als das Fest am zweiten Samstag wegen Überfüllung nach Einschätzung der Verantwortlichen knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt war. Neu ist unter anderem ein Koordinierungs- und Beobachtungszentrum, das das Geschehen auf dem Gelände im Blick behalten soll. KI-gestützte Kameras sind so ausgelegt, dass sie große Menschenansammlungen erkennen, damit die Einsatzkräfte bei Bedarf schnell reagieren können. An besucherstarken Tagen beobachtet zusätzlich ein Crowdmanager die Besucherströme.
Flugverbot und strikte Kontrollen
Über dem Festgelände gilt ein striktes Flugverbot, Drohnen stehen nach Vorfällen der vergangenen Jahre besonders im Fokus der Sicherheitsbehörden. Das bestehende Messerverbot gilt weiterhin auch im Umfeld des Festes. Wie schon in früheren Jahren gibt es Einlasskontrollen, große Taschen sind verboten. Der Konsum von Cannabis ist auf dem Festgelände grundsätzlich untersagt.
Starke Polizeipräsenz und Kampf gegen Kriminalität
Rund 600 Polizeibeamtinnen und -beamte sind rund um das Oktoberfest im Einsatz. Die Wiesnwache wird von der Bayerischen Bereitschaftspolizei unterstützt, hinzu kommen spezialisierte Taschendieb-Fahnder und internationale Einsatzkräfte aus acht Ländern. Geschulte Ermittler gegen Taschendiebe reisen eigens an, ebenso wie erfahrungsgemäß auch organisierte Diebesbanden. Ein Schwerpunkt bleibt zudem der Kampf gegen Upskirting, also das heimliche Filmen unter den Rock von Frauen: Die Polizei hat hartes Einschreiten angekündigt, wenn Täter erwischt werden.
Neue Fahrgeschäfte auf der Wiesn
Drei Fahrgeschäfte feiern in diesem Jahr Premiere auf dem Oktoberfest. Das „Shake & Roll“ gilt als Weiterentwicklung des klassischen „Break Dance“, bei dem Gondeln nicht fest montiert sind, sondern sich überschlagen können. Im Laufgeschäft „The Fischerman's Place“ warten auf drei Etagen Hindernisse wie Wackelböden, Drehteller und eine Rutsche, die die Geschicklichkeit und Standfestigkeit der Besucherinnen und Besucher testen. Das „Chaos Pendel“ wirbelt die Fahrgäste in bis zu 42 Metern Höhe und mit Geschwindigkeiten von bis zu 80 Kilometern pro Stunde durch die Luft.
Neues Zelt Bartls Flößerstadl
Auch bei den Festzelten gibt es Änderungen. Der bisherige Wirt der „Münchner Stubn“, der im Streit mit der Stadt eine EU-weite Ausschreibung großer Zelte durchsetzen wollte, hatte kurzfristig aufgegeben. An seiner Stelle steht nun erstmals „Bartls Flößerstadl“. In einer Rekordzeit von etwa zehn Wochen hat Wirt Klaus Bartl mit seinem Team das neue Zelt aufgebaut.
Gedenken an Opfer des Wiesn-Attentats
Am Vormittag fahren Festwirte und Brauereien mit festlich geschmückten Kutschen und Fuhrwerken durch die Innenstadt zur Theresienwiese. Auf Initiative von Dominik Krause soll der Zug erstmals kurz am Haupteingang des Oktoberfestes stoppen, dem Ort des rechtsextremistisch motivierten Attentats im Jahr 1980. Dort ist ein kurzes Gedenken an die Opfer geplant. Krause betonte, es sei ihm als neuem Oberbürgermeister wichtig zu zeigen, „dass es für mich Teil des Oktoberfestes ist“. Bei dem Anschlag am Abend des 26. September 1980 wurden zwölf Menschen getötet und mehr als 200 verletzt; auch der rechtsextreme Attentäter Gundolf Köhler kam ums Leben.
Oktoberfest als Traditionsereignis und Wirtschaftsfaktor
Das Oktoberfest auf der Theresienwiese gehört zu den größten Volksfesten der Welt und ist für München von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung. Millionen Gäste sorgen jedes Jahr für hohe Umsätze bei Wirten, Schaustellern, Hotellerie und Handel, zugleich ist die Wiesn ein zentrales Aushängeschild für den Tourismus in Bayern. Für viele Menschen in München und im Umland ist der Beginn des Festes ein fest verankerter Termin im Jahreslauf – mit entsprechenden Auswirkungen auf Verkehr, Gastronomie und das Stadtleben insgesamt.
Verschärfte Sicherheitsmaßnahmen und neue Technik
Die deutliche Nachjustierung des Sicherheitskonzepts zeigt, welchen Stellenwert die Steuerung großer Menschenmengen mittlerweile hat. Die Erfahrungen mit einer kritischen Überfüllung im Vorjahr führen nun zu einem neuen Koordinierungs- und Beobachtungszentrum, einem Crowdmanager und dem Einsatz KI-gestützter Kameras. Diese Maßnahmen sollen helfen, Besucherströme frühzeitig zu erkennen und zu lenken, um gefährliche Situationen zu vermeiden. Gleichzeitig unterstreichen Flugverbot, Messerverbot, Taschenkontrollen und verstärkte Polizeipräsenz, dass die Stadt das Fest als potenzielles Ziel für Kriminalität und Störungen ernst nimmt.
Erinnerungskultur und politische Signale
Die geplante Unterbrechung des Festzugs für ein Gedenken an die Opfer des rechtsextremistischen Anschlags von 1980 markiert einen sichtbaren Wandel in der Erinnerungskultur. Dass der neue Oberbürgermeister Dominik Krause dieses Gedenken als „Teil des Oktoberfestes“ hervorhebt, setzt ein politisches Signal gegen rechtsextreme Gewalt und für eine bewusste Auseinandersetzung mit der Geschichte des Festes. Für Besucher wird damit deutlich, dass ausgelassene Feier und historisches Bewusstsein nicht im Widerspruch stehen müssen, sondern auf der Wiesn künftig stärker nebeneinanderstehen.
