OnlyFans, Creatorinnen

OnlyFans: Creatorin widerspricht Warnung vor Abhängigkeit

Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 06:06 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Eine Creatorin beschreibt OnlyFans als selbstbestimmte Arbeit, während Terre des Femmes vor wirtschaftlichem Druck, Weiterverbreitung und Ausbeutung warnt. Das BKA berichtet von vereinzelten Erkenntnissen zu Menschenhandel und Zwangsprostitution im Zusammenhang mit der Plattform.

OnlyFans zwischen Reichweite und Kontrolle

  • OnlyFans wurde 2016 gegründet und hat seinen Sitz beim Betreiber Fenix International in London.
  • Für das Geschäftsjahr bis Ende November 2025 nennt die Plattform 1,553 Milliarden US-Dollar Umsatz.
  • Nach Unternehmensangaben erhielten Creatorinnen und Creator seit der Gründung weltweit mehr als 30 Milliarden US-Dollar.
  • Die Möglichkeit auf Selbstbestimmung auf der Plattform OnlyFans wird seit Jahren kontrovers diskutiert. (Symbolbild) - Bild: Alicia Windzio/dpa
  • Ein großes Problem der Plattform sei, dass die Creatorinnen überwiegend weiblich, die Nutzer überwiegend männlich seien. (Symbolbild) - Bild: Georg Moritz/dpa
  • Der Erwartungsdruck könne dazu führen, dass Grenzen überschritten werden. (Symbolbild) - Bild: Julian Stratenschulte/dpa/dpa-tmn
  • Das Bundeskriminalamt ordnet die Risiken vorsichtig ein. (Symbolbild) - Bild: Marcus Brandt/dpa
  • «Wenn es mir zu viel wird, klappe ich den Bildschirm zu, und gut ist», sagt Sally Dinosaur. (Handout) - Bild: privat/Sally Dinosaur/dpa
Die Möglichkeit auf Selbstbestimmung auf der Plattform OnlyFans wird seit Jahren kontrovers diskutiert. (Symbolbild) - Bild: Alicia Windzio/dpa Ein großes Problem der Plattform sei, dass die Creatorinnen überwiegend weiblich, die Nutzer überwiegend männlich seien. (Symbolbild) - Bild: Georg Moritz/dpa Der Erwartungsdruck könne dazu führen, dass Grenzen überschritten werden. (Symbolbild) - Bild: Julian Stratenschulte/dpa/dpa-tmn Das Bundeskriminalamt ordnet die Risiken vorsichtig ein. (Symbolbild) - Bild: Marcus Brandt/dpa «Wenn es mir zu viel wird, klappe ich den Bildschirm zu, und gut ist», sagt Sally Dinosaur. (Handout) - Bild: privat/Sally Dinosaur/dpa

OnlyFans feiert zehn Jahre zwischen Freiheit und Risiko

OnlyFans ist zehn Jahre nach der Gründung für manche Creatorinnen ein Weg zu eigenem Einkommen, während Frauenrechtlerinnen vor Abhängigkeit, Gewalt und Ausbeutung warnen. Eine Creatorin, Terre des Femmes, die Plattform und das Bundeskriminalamt bewerten die Selbstbestimmung auf der Plattform unterschiedlich.

Creatorin betont eigene Entscheidungen

Sally Dinosaur veröffentlicht erotische Inhalte und sagt, sie entscheide selbst, was sie zeigen wolle und welche Anfragen sie annehme. Sie beschreibt ihre Arbeit als freiwillig und betont, Aufnahmen bei nachträglichem Unbehagen nicht zu veröffentlichen oder wieder zu löschen.

Für sie bedeutet die Plattform nicht automatisch Self-Empowerment, entscheidend sei der eigene Umgang mit der Arbeit. Zugleich berichtet sie, OnlyFans habe ihre Ausbildung zunächst schnell abgelöst; sie habe diese dennoch fortgesetzt und nebenher tätowiert.

Frauenrechtlerin warnt vor wachsendem Druck

Sina Tonk von Terre des Femmes sieht hinter individuellen Entscheidungen auch wirtschaftliche und gesellschaftliche Machtverhältnisse. Sie warnt davor, dass Creatorinnen mit der Zeit mehr zeigen könnten als ursprünglich geplant, wenn sie auf die Einnahmen angewiesen seien.

Als weitere Risiken nennt Tonk die Weiterverbreitung von Aufnahmen außerhalb der Plattform, bedrohliche Nachrichten und die mögliche Manipulation von Frauen, damit diese für andere Menschen Geld verdienen. Der niedrigschwellige Einstieg könne den Eindruck vermitteln, die eigene Kontrolle sei größer, als sie tatsächlich sei.

Plattform verweist auf Kontrollen

OnlyFans wurde 2016 gegründet. Auf der Plattform können Menschen Fotos und Videos gegen Bezahlung anbieten; bekannt ist sie vor allem für sexuelle Inhalte, sie steht aber auch anderen Genres offen.

Die Betreiberfirma Fenix International sitzt in London. Für das Geschäftsjahr bis Ende November 2025 beziffert OnlyFans den Umsatz auf 1,553 Milliarden US-Dollar, nach Unternehmensangaben legen Creatorinnen und Creator ihre Preise selbst fest und behalten 80 Prozent ihrer Einnahmen.

Ein Sprecher verweist auf Kontrollen bei Identitätsprüfung, Moderation und Zahlungsabwicklung. Diese würden laufend weiterentwickelt; auch für von externen Managementagenturen betreute Accounts gälten dieselben Kontrollen.

BKA nennt vereinzelte Erkenntnisse

Das Bundeskriminalamt erklärt, die digitale Dimension des Menschenhandels beeinflusse weiterhin die Arbeitsweise von Menschenhändlern. Einer Sprecherin zufolge lägen der Behörde vereinzelte Erkenntnisse vor, dass OnlyFans im Bereich Menschenhandel und Zwangsprostitution eine Rolle spiele.

Zu konkreten Ermittlungsverfahren äußert sich das BKA grundsätzlich nicht. Tonk fordert angesichts der Risiken eine stärkere Haftung der Plattformen und mehr Prävention gegen Ausbeutung.

Große Einnahmen bleiben ungleich verteilt

OnlyFans hebt die wirtschaftlichen Chancen hervor und gibt an, seit der Gründung weltweit mehr als 30 Milliarden US-Dollar an Creatorinnen und Creator ausgezahlt zu haben. Mehr als 5.000 hätten jeweils über eine Million Dollar über die Plattform verdient.

Wie viel die meisten Nutzerinnen und Nutzer tatsächlich verdienen, lässt sich aus diesen Gesamtzahlen nicht ablesen. Für Sally bleibt die Reichweite der wichtigste Grund, die Plattform zu nutzen; für Tonk erhöht gerade die Größe des Angebots die Schwierigkeit, Risiken zu erkennen.

OnlyFans steht zehn Jahre nach seiner Gründung für ein Geschäftsmodell, das digitale Selbstvermarktung mit einem besonders direkten Zahlungsweg verbindet. Creatorinnen und Creator veröffentlichen Inhalte gegen Abonnementgebühren oder Einzelzahlungen und können damit ein Publikum erreichen, ohne auf klassische Medien- oder Produktionsstrukturen angewiesen zu sein.

Die von OnlyFans genannten Milliardenumsätze zeigen die wirtschaftliche Größe der Plattform, sagen aber wenig darüber aus, wie die Einnahmen verteilt sind. Hohe Verdienste einzelner erfolgreicher Accounts können neben vielen kleineren oder unregelmäßigen Einkommen bestehen. Für Nutzerinnen und Nutzer bedeutet das: Selbstständigkeit, Preisgestaltung und die Möglichkeit, Inhalte abzulehnen, stehen wirtschaftlichem Druck und Abhängigkeit von Reichweite gegenüber.

Digitale Kontrolle und dauerhafte Risiken

Ein zentrales Problem liegt in der begrenzten Kontrolle über einmal veröffentlichte Inhalte. Kopien, Weiterverbreitung und Drohungen können auch dann Folgen haben, wenn ein Account später gelöscht wird. Die Plattform verweist auf Identitätsprüfung, Moderation und Zahlungsabwicklung; die Debatte dreht sich damit nicht nur um individuelle Entscheidungen, sondern auch um die Verantwortung der Betreiber.

Für Deutschland bleibt zudem entscheidend, wie digitale Plattformen bei Ausbeutung, Menschenhandel und Zwangsprostitution genutzt werden. Die BKA-Einordnung beschreibt keine allgemeine Bewertung aller Creatorinnen, verweist aber auf ein konkretes Risikofeld. Politisch und rechtlich geht es deshalb um Schutz vor Druck, wirksame Beschwerdewege, die Verantwortung externer Agenturen und eine bessere Einschätzung typischer Einkommen.

Was die Debatte für Creator bedeutet

Die zehn Jahre OnlyFans machen den Grundkonflikt sichtbar: Individuelle Selbstbestimmung kann real sein, wird aber nicht automatisch durch das Geschäftsmodell garantiert. Wer die Plattform nutzt, muss neben Einnahmen und Reichweite auch den Schutz der eigenen Identität, die Reichweite von Einwilligungen und mögliche Folgen außerhalb der Plattform berücksichtigen.

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