«Perfect Days» - Was Wim Wenders an Japan schÀtzt
18.12.2023 - 14:07:57 | dpa.deEin Mann, der Toiletten reinigt, in den Tag hineinlebt und mit seinem einfachen Leben zufrieden scheint: Das ist die Grundkonstellation in Wim Wenders' neuem Spielfilm «Perfect Days». Der 78-jĂ€hrige Filmemacher hat einen meditativen, so stillen wie berĂŒhrenden Film mit einem tollen Hauptdarsteller gedreht. Beim Filmfestival in Cannes gewann Koji Yakusho den Preis als bester Schauspieler.
«Perfect Days» spielt in Tokio und erzĂ€hlt von einem Mann namens Hirayama (Koji Yakusho). Er arbeitet als Reinigungskraft fĂŒr Toiletten, ist viel allein, liest gerne und hört Rockmusik - bevorzugt auf Kassetten, die er auf der Fahrt zur Arbeit in seinem Minibus hört.
Zum Sound von The Animals, Patti Smith oder Velvet Underground sehen die Zuschauer seinen Bus in den StraĂen Tokios entlangfahren - und sie begleiten Hirayama auf seiner Arbeit in besonders schön gestalteten Toiletten. Im Zuge des Projekts «The Tokyo Toilet» haben Star-Architekten Klos in Tokio designt. Eine hat zum Beispiel bunte, transparente TĂŒren, die undurchsichtig werden, sobald man sie verschlieĂt.
«Das waren wirklich TrĂ€ume von Toiletten», sagte Wenders der dpa. «Wenn man sich vorstellen wĂŒrde: Wo wĂŒrde man gerne auf ein stilles Ărtchen gehen und sein GeschĂ€ft verrichten mitten in der Stadt â man könnte sich nichts Schöneres vorstellen als diese HĂ€uslein.»
Gemeinwohl hat höchsten Stellenwert in Japan
Nach und nach erfahren die Zuschauer etwas mehr ĂŒber Hirayamas Vergangenheit. So kommt er wohl eigentlich aus einer privilegierten Familie. Seine Schwester ist geschockt, als sie erfĂ€hrt, dass er als Reinigungskraft arbeitet.
Insgesamt habe Dienst einen anderen Stellenwert in Japan, sagte Wenders. «Dienst an der Allgemeinheit und auch ĂŒberhaupt das Gemeinwohl. Das Gemeinwohl ist bei uns in der Pandemie ja wirklich untergesunken... wir sind alle zurĂŒckgekommen, und da war weniger sozialer Halt als jemals vorher. Und in Japan war auch gerade das Ende der Pandemie - und da war es das Gegenteil.»
Alle Besucher hĂ€tten sich gefreut und die Toiletten von sich aus saubergemacht, sagte er. «Die Menschen waren so froh, dass endlich allen wieder alles zugĂ€nglich war und da habe ich gesagt: Lass mich lieber einen Film machen darĂŒber, was fĂŒr ein schönes Gut das Allgemeinwohl ist, dafĂŒr waren die Toiletten ja gemacht.»
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