Prozess, Mutter

Prozess: Mutter soll kleiner Tochter Keime injiziert haben

Veröffentlicht am: 22.04.2025 um 09:51 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die eigene Tochter absichtlich krank gemacht? Das ist der Vorwurf gegen eine 26-JĂ€hrige. Sie steht vor dem Landgericht Heidelberg wegen Misshandlung Schutzbefohlener.
  • Eine 26-JĂ€hrige steht von Dienstag an vor dem Landgericht Heidelberg, weil sie mit der Injektion von Keimen ihre Tochter krank gemacht und gehalten haben soll. (Archivbild) - Bild: Marijan Murat/dpa
  • Das Gericht habe zudem die Unterbringung in der Psychiatrie angeordnet. - Bild: Anika von Greve-Dierfeld/dpa
Eine 26-JĂ€hrige steht von Dienstag an vor dem Landgericht Heidelberg, weil sie mit der Injektion von Keimen ihre Tochter krank gemacht und gehalten haben soll. (Archivbild) - Bild: Marijan Murat/dpa Das Gericht habe zudem die Unterbringung in der Psychiatrie angeordnet. - Bild: Anika von Greve-Dierfeld/dpa

Weil sie ihre Tochter ĂŒber Wochen mit Keimen krank gemacht haben soll, steht eine 26-JĂ€hrige vor dem Landgericht Heidelberg. Die Mutter soll der damals DreijĂ€hrigen laut Staatsanwaltschaft ĂŒber einen Venenzugang mehrfach Keime injiziert haben. Angaben zur Person und zur Sache wollte die Frau, die auf KrĂŒcken in den Verhandlungssaal kam, zum Auftakt des Verfahrens nicht machen, wie ihr Verteidiger erklĂ€rte. Die Staatsanwaltschaft will eigenen Angaben nach die Unterbringung der Frau in die Psychiatrie beantragen.

Das Kind bekam laut Anklage durch die injizierten Keime eine Infektion und musste zahlreiche Behandlungen ĂŒber sich ergehen lassen, darunter eine Knochenmarkpunktion. Außerdem habe das kleine MĂ€dchen unter hohem Fieber, erheblichem Unwohlsein und der Isolation in der Klinik gelitten.

SachverstĂ€ndige vermuten MĂŒnchhausen-Stellvertreter-Syndrom

Ziel der Mutter sei gewesen, den Gesundheitszustand des Kindes im Sommer 2023 weiter zu verschlechtern, sodass dessen Weiterbehandlung in einer Klinik erforderlich werde. FĂŒr bleibende SchĂ€den gibt es laut einem Gerichtssprecher nach Aktenlage aktuell keine Hinweise. 

Die Anklage lautet auf Misshandlung Schutzbefohlener und gefĂ€hrliche Körperverletzung. Die Staatsanwaltschaft geht von einer emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung der Mutter aus. Außerdem soll sie unter einer Opioid-AbhĂ€ngigkeit leiden. Ein SachverstĂ€ndiger vermutet zudem das MĂŒnchhausen-Stellvertreter-Syndrom. Eltern, die diese Störung haben, machen ihre Kinder absichtlich krank, um Anerkennung zu bekommen und sich selbst als aufopferungsvollen Menschen darzustellen.

Kind befand sich in stationÀrer Behandlung

Das Kind aus St. Leon-Rot (Rhein-Neckar-Kreis) litt der Anklage zufolge ĂŒber mehr als sieben Wochen an hohem Fieber und befand sich in stationĂ€rer Behandlung. Zur Familie gehört noch ein weiteres Kind sowie der Vater. Die Mutter habe alles fĂŒr die Kinder getan, sagte ihr LebensgefĂ€hrte aus.

FĂŒr die Misshandlung Schutzbefohlener sowie fĂŒr gefĂ€hrliche Körperverletzung lautet der maximale Strafrahmen jeweils zehn Jahre Haft, wie der Gerichtssprecher sagte. In dem Verfahren sind demnach 19 Zeugen geladen, darunter mehrere Ärzte. Zudem werden sich laut Sprecher zwei SachverstĂ€ndige Ă€ußern, darunter ein psychiatrischer Gutachter. In dem Verfahren sind insgesamt sechs Termine bis Anfang Juni angesetzt.

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