Richterbund: Staatsanwaltschaften melden Rekord bei unerledigten Strafverfahren
Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 05:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBei den Staatsanwaltschaften in Deutschland wachsen die Aktenberge weiter: Nach Angaben des Deutschen Richterbundes blieben erstmals mehr als 1,1 Millionen Strafverfahren unbearbeitet.
Mehr neue FĂ€lle als im Vorjahr
Im ersten Halbjahr 2026 landeten demnach bundesweit mehr als 2,7 Millionen neue FĂ€lle bei den Staatsanwaltschaften. Das waren rund 52.000 mehr als im Vorjahreszeitraum, weshalb der Richterbund fĂŒr das Gesamtjahr mit einem weiteren Rekord rechnet.
Offene Verfahren auf Höchststand
Auch bei den unerledigten FĂ€llen meldet der Richterbund einen neuen Höchststand. Zum Ende des ersten Halbjahres 2026 lag die Zahl der offenen Strafverfahren bei mehr als 1,1 Millionen und damit 13 Prozent ĂŒber dem Stand vom 30. Juni 2025.
Regionale Unterschiede bleiben groĂ
Nach der Umfrage unter den Justizverwaltungen der LÀnder ist die Belastung regional sehr unterschiedlich. Besonders starke ZuwÀchse bei den offenen Verfahren gab es demnach in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, wÀhrend Rheinland-Pfalz als einziges Land keine zusÀtzliche Belastung meldete.
Richterbund fordert Gegensteuern
Der Richterbund fordert von den Landesregierungen ein konsequentes Gegensteuern. Zwar gebe es in einigen LĂ€ndern Neueinstellungen, die Zahl der Verfahren wachse jedoch deutlich schneller als die Stellenzahl, sodass die Ăberlastung in vielen Behörden anhalte.
Rekordlast in den Strafverfolgungsbehörden
Die Zahlen des Richterbundes verweisen auf ein strukturelles Problem der Justiz: Die Zahl der Eingangssachen steigt, wĂ€hrend die BearbeitungskapazitĂ€ten nicht im selben Tempo mitwachsen. Wenn bundesweit erstmals mehr als 1,1 Millionen unerledigte Verfahren bei den Staatsanwaltschaften liegen, ist das nicht nur ein Verwaltungsproblem, sondern ein Hinweis auf eine dauerhaft ĂŒberlastete Strafverfolgung.
FĂŒr die Praxis bedeutet das lĂ€ngere Laufzeiten, mehr RĂŒckstĂ€nde und gröĂeren Druck auf Ermittlungen, die hĂ€ufig Fristen, Beweislage und Priorisierung unterliegen. Besonders deutlich wird die Lage dort, wo die offenen Verfahren binnen eines Jahres stark zulegen, etwa in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Solche Unterschiede deuten darauf hin, dass Personal, Organisation und Verfahrensstrukturen regional sehr verschieden belastet sind.
Folgen fĂŒr Justiz und Ăffentlichkeit
Politisch wĂ€chst damit der Druck auf die Landesjustizverwaltungen, nicht nur Stellen zu schaffen, sondern Verfahren auch effizienter zu steuern. Zugleich zeigt die Entwicklung seit 2020, dass es sich nicht um eine kurzfristige Schwankung handelt, sondern um einen lĂ€nger anhaltenden Trend. FĂŒr Beschuldigte, GeschĂ€digte und Zeugen kann das bedeuten, dass staatliche AufklĂ€rung und Rechtsfrieden spĂŒrbar langsamer eintreten.
