Rom, Golfcarts

Rom: Golfcarts verstopfen Zentrum – Stadt ringt um neue Regeln

Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 05:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Rund 400 Golfcarts fahren nach SchĂ€tzung der Stadt durch Roms historische Innenstadt. Nach Kontrollen mit zahlreichen VerstĂ¶ĂŸen wĂ€chst der Druck auf die Behörden, den touristischen Verkehr verbindlich zu regeln.

  • Immer mehr Golfcarts mit Touristen verstopfen Roms Straßen. - Bild: Sabine Dobel/dpa
    Immer mehr Golfcarts mit Touristen verstopfen Roms Straßen. - Bild: Sabine Dobel/dpa
  • Eine dreistellige Zahl an Golfcarts ist in den engen Gassen der Ewigen Stadt unterwegs.   - Bild: Sabine Dobel/dpa
    Eine dreistellige Zahl an Golfcarts ist in den engen Gassen der Ewigen Stadt unterwegs. - Bild: Sabine Dobel/dpa
Immer mehr Golfcarts mit Touristen verstopfen Roms Straßen. - Bild: Sabine Dobel/dpa Eine dreistellige Zahl an Golfcarts ist in den engen Gassen der Ewigen Stadt unterwegs.   - Bild: Sabine Dobel/dpa

Rund 400 Golfcarts bringen nach SchĂ€tzung des römischen Verkehrsdezernenten Touristen durch die historische Innenstadt und verschĂ€rfen dort den Streit ĂŒber Verkehr, Sicherheit und Regeln.

Kontrollen an den SehenswĂŒrdigkeiten

Die Fahrzeuge stehen unter anderem am Pantheon und fahren am Kolosseum vorbei. Taxifahrer und Mietwagenanbieter sehen darin eine Konkurrenz und beklagen eine rechtliche Grauzone.

Ende September wurden rund um Pantheon, Piazza Navona und Piazza del Popolo 131 Golfwagen kontrolliert. Dabei wurden zehn Fahrzeuge vorĂŒbergehend stillgelegt, 13 FĂŒhrerscheine einbehalten und Bußgelder von insgesamt 38.000 Euro verhĂ€ngt. Vier Fahrer hatten keinen FĂŒhrerschein.

Fehlende Genehmigungen und hohe Preise

Sechs Fahrzeuge wurden bei den Kontrollen ohne die erforderliche Genehmigung als Mietwagen mit Fahrer eingesetzt. Die Carabinieri prĂŒften zudem BeschĂ€ftigungsverhĂ€ltnisse. Ein Vertreter der Taxi-Gewerkschaft Usb forderte auch Untersuchungen auf mögliche steuerliche UnregelmĂ€ĂŸigkeiten.

Im Internet werden zahlreiche Rundfahrten angeboten, darunter Ganztages- und Nachttouren. FĂŒr eine Fahrt werden Medienberichten zufolge teilweise etwa 100 Euro pro Person verlangt; eine private Tour fĂŒr fĂŒnf Menschen kann demnach rund 400 Euro kosten.

Stadt verlangt neue Regeln

Der römische Stadtrat Stefano Erbaggi von der rechten Partei Fratelli d’Italia hat nach Angaben der Nachrichtenagentur Adnkronos eine Anfrage an BĂŒrgermeister und Stadtrat gerichtet. Er kritisierte, ganze Flotten fĂŒhren tĂ€glich rund um das Kapitol, wĂ€hrend es an einer wirksamen Regulierung fehle.

Die Stadt Rom fordert laut Roma Today zusÀtzliche Möglichkeiten, um den Golfcart-Verkehr einzudÀmmen. Der zustÀndige Ausschuss des Regionalparlaments von Latium berÀt seit dem 29. September einen Gesetzentwurf zum touristischen Shuttleverkehr in historischen Stadtzentren.

Neuer Anlauf fĂŒr ein Regionalgesetz

Ein erster Regelungsversuch war im Mai gescheitert. Roms Tourismusdezernent Alessandro Onorato drÀngt deshalb auf eine schnelle Lösung. Ohne ein Regionalgesetz könne die Stadt den Verkehr der Golfcarts nicht gezielt regulieren, sagte er.

Florenz begrenzt touristische Fahrzeuge

Der Branchenverband Metur weist die Kritik zurĂŒck. Die Golfcarts seien eine Form touristischer MobilitĂ€t und kein Ersatz fĂŒr Taxis oder Mietwagen; zugleich fordert der Verband klare Regeln.

In Florenz gilt im historischen Zentrum seit einem Jahr grundsĂ€tzlich ein Verbot fĂŒr Golfcarts, Rikschas und Ă€hnliche Fahrzeuge. Zugelassen sind dort nur höchstens 24 kommunal genehmigte elektrische Touristen-Shuttles auf zwei festen Routen.

Konflikt zwischen MobilitÀt und Schutz der Altstadt

Der Streit um die Golfcarts steht fĂŒr ein grundlegendes Problem vieler europĂ€ischer TouristenstĂ€dte: Angebote, die individuell und emissionsarm wirken, können bei großer Zahl zusĂ€tzlichen Verkehr in besonders empfindliche historische Zentren bringen. In Rom konzentriert sich dieser Verkehr auf Orte wie Pantheon, Piazza Navona und Kolosseum, an denen ohnehin viele FußgĂ€nger, Busse, Taxis und Lieferfahrzeuge unterwegs sind.

Die Kontrollen Ende September zeigen, dass es nicht nur um die Zahl der Fahrzeuge geht. Festgestellte fehlende FĂŒhrerscheine, nicht genehmigte Mietwagenangebote und mögliche VerstĂ¶ĂŸe bei BeschĂ€ftigung oder Steuern berĂŒhren Fragen der Verkehrssicherheit, der Wettbewerbsbedingungen und der kommunalen Kontrolle. FĂŒr Besucher sind zudem die teils hohen Preise relevant: Eine Rundfahrt kann je nach Angebot mehrere hundert Euro kosten.

Regeln als entscheidender Hebel

Die römische Debatte dreht sich deshalb um mehr als um ein einzelnes Verkehrsmittel. Entscheidend ist, ob die Region einen verbindlichen Rahmen fĂŒr touristische Shuttles in historischen Zentren schafft und ob Rom anschließend Mengen, Routen, Genehmigungen und Kontrollen wirksam festlegen kann. Ein Modell mit begrenzten Fahrzeugzahlen und festen Strecken, wie es in Florenz angewandt wird, wĂŒrde den touristischen Verkehr stĂ€rker planbar machen.

FĂŒr Reisende bedeutet die Entwicklung vor allem mehr Aufmerksamkeit bei der Buchung: Anbieter, Preise, Genehmigungen und die konkrete VerkehrsfĂŒhrung können sich unterscheiden. FĂŒr die Stadt steht dagegen die Frage im Mittelpunkt, wie Tourismus wirtschaftlich genutzt werden kann, ohne die ohnehin knappen StraßenrĂ€ume der Altstadt weiter zu ĂŒberlasten.

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