Traumhaus, Süddeutschland

Schritte über Kies unter einem stillen Schachbrett

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 09:48 Uhr | Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller, Chefredakteur AD HOC NEWS
Schritte knirschen durch die Mittagsstille, während der Föhn über die Wiesen streicht. Am Ende des Weges wartet ein Haus, dessen Umrisse sich nur langsam zeigen.
Traumhaus, Süddeutschland, Wohnen, Geschichte, Streuobstwiesen, Föhntag, Video, Illustration mit AI erstellt.
Lieber Mensch, der dieses Haus nie gesehen hat, zuerst hörst du die Schritte auf dem Kies. Sie kommen nicht von mir, denn ich stehe still unter einem knorrigen Ast und lausche dem feinen Knirschen, das durch die Mittagsstille wandert. Der Föhn zieht warm über meinen Nacken, hebt trockenes Gras an und lässt die Blätter der Obstbäume flimmern. Kein Vogel antwortet. Nur der Wind setzt seine Bewegung fort, als hätte er den Weg begonnen und vergessen, wohin er führt. Ich weiß nicht, ob du mir glauben würdest, wenn ich dir sage, dass ein Schachbrett im Gras lag. Nicht aus Holz, nicht aus Stein, sondern aus hellen und dunklen Schatten, die ein loses Gitter über den Boden legten. Auf einem dunklen Feld ruhte eine einzelne Birne, obwohl kein Baum über ihr stand. Erst als die Schritte auf dem Kies näher kamen, erkannte ich am Rand der Wiese eine niedrige Silhouette. Dort begann das Haus, oder vielleicht nur mein Gedanke daran.

Der Weg zwischen den Bäumen

Ich ging langsam weiter, weil jeder Schritt eine eigene Stimme bekam. Der Kies war an manchen Stellen trocken und hell, an anderen lag er dunkel unter dem Staub. Zwischen den Streuobstwiesen verlief ein schmaler Pfad, gesäumt von Gräsern, deren Spitzen im Föhn nach einer Seite zeigten. Die Bäume standen nicht in einer Reihe. Sie schienen einander auszuweichen, damit der Blick immer wieder durch ihre Äste fallen konnte. Hinter mir verschwand der Anfang des Weges. Vor mir tauchte ein Stück Wand auf, dann ein Fenster, dann nur noch die dunkle Linie eines Daches. Nichts daran drängte sich in den Vordergrund. Das Licht glitt über die Fläche und machte sie bald blass, bald fast durchsichtig. Ein zweites Schachbrett lag auf dem Kies, gezeichnet von Zaunlatten und Schatten. Ich trat nicht darauf. Der Wind strich durch die Wiese und nahm den Geruch von warmem Holz mit sich. Unter meinen Sohlen knackten kleine Steine. Jeder Laut schien von irgendwoher zurückzukehren, schwächer und weiter entfernt, bis ich nicht mehr wusste, ob ich selbst ging oder ob der Weg meine Schritte erinnerte. Du hättest vielleicht an dieser Stelle stehen bleiben wollen. Ich ging weiter, weil hinter dem nächsten Baum ein heller Rand im Gras erschien.

Die Terrasse ohne Stimme

Die Terrasse lag nicht vor mir wie eine Einladung. Sie zeigte sich nur in einem schmalen Streifen zwischen zwei Mauern, mit einer Bank, auf der sich Staub gesammelt hatte. Kein Kissen, keine Tasse, kein Gegenstand, der von einer Hand erzählte. Trotzdem wirkte die Fläche nicht verlassen. Der Wind bewegte einen dünnen Vorhang hinter dem nahen Fenster, obwohl ich keine geöffnete Scheibe sehen konnte. Ich setzte mich nicht. Vom Kies unter mir stieg eine trockene Wärme auf, und irgendwo klapperte etwas in einem Dachrand. Wieder hörte ich Schritte. Sie kamen aus Richtung der Bäume, blieben aber aus, als ich mich umdrehte. Vor der Terrasse zeichnete das Licht ein Schachbrett auf die Platten. Ein dunkles Feld lag genau unter meiner linken Hand, obwohl ich sie noch nicht ausgestreckt hatte. Hinter dem Fenster blieb alles undeutlich. Ein matter Schein wanderte über das Glas, verschwand und kehrte an einer anderen Stelle zurück. Vielleicht bewegte sich eine Wolke, obwohl der Himmel über den Wiesen leer wirkte. Vielleicht war es nur der Föhn, der mit den Zweigen spielte. Ich konnte nicht erkennen, ob die Tür hinter der Terrasse offenstand. Der Griff glänzte kurz und wurde wieder stumpf.

Was der Wind bewahrt

Lieber Mensch, der du diesen Ort nur aus meinen Worten kennst, ich hätte dir gern erklärt, warum mir die Schritte so vertraut vorkamen. Doch es gab niemanden, dessen Ankunft ich hätte erwarten können. Kein Schatten trat aus dem Baumsaum, keine Stimme rief meinen Namen. Der Wind war die einzige Gegenwart, und selbst er zeigte sich nur an den Blättern, am Vorhang und an einer losen Schnur, die gegen das Holz schlug. Ich ging um die Terrasse herum, ohne den Blick vom Fenster zu nehmen. Dabei fand ich im Gras einen schwarzen Stein und legte ihn auf das Schachbrett aus Licht. Nun war das Muster nicht mehr leer. Der Stein lag auf einem hellen Feld, und für einen Augenblick schien er zu zittern. Dann bewegte sich nichts mehr außer den Gräsern. Hinter der Wand musste es einen Raum geben, doch ich sah nur die Spiegelung der Streuobstwiesen. Ein Ast teilte das Fenster in zwei ungleiche Flächen. Der Föhn trieb Staub darüber, als wollte er die Scheibe beschreiben und gleich wieder löschen. Ich dachte an deinen Blick, an die Stelle, an der du stehen würdest, wenn du hierherkämst. Vielleicht würdest du zuerst ebenfalls nur den Kies hören.

Vor der geschlossenen Tür

Am Ende des schmalen Terrassenstreifens stand eine Tür, die ich nicht berührte. Sie war weder einladend noch abweisend. Unter ihrer Kante lag ein schmaler Schatten, und aus diesem Schatten kam der Geruch von trockenem Holz. Der Wind verstummte für einen Moment. Dann begann er wieder, leise über die Streuobstwiesen zu gehen. Ich blieb auf dem hellen Feld des Schachbretts stehen. Hinter mir knirschte Kies, obwohl dort niemand war. Vor mir wartete die Tür. Ob du sie öffnen würdest, weiß ich nicht. Ich ließ die Hand sinken. Die Schritte hörten auf. Wie nah das Haus im Video an dem liegt, das du dir gerade gebaut hast, zeigt sich erst dort. Ich bleibe bei der Tür.

Das Haus im Video

Zum Video auf Instagram

Die Geschichte oben ist frei erzählt. Das echte Haus zeigt das Video von SALUTI Immobilien, in Kooperation mit Brumani Immobilien - brumani.de

Disclaimer...
de | unterhaltung | 70424819 |