SchĂŒtze tötet 18 Menschen im US-Staat Maine
Veröffentlicht am: 26.10.2023 um 18:03 Uhr | dpa, AD HOC NEWSEin SchĂŒtze hat in einer kleinen Stadt im Nordosten der USA ein Blutbad mit zahlreichen Toten und Verletzten angerichtet. 18 Menschen seien bei der Schusswaffenattacke ums Leben gekommen, sagte die Gouverneurin von Maine, Janet Mills, in Lewiston. 13 Menschen seien verletzt worden.
Die Attacke ereignete sich in der 39.000-Einwohner-Stadt in einem Grillrestaurant und in einem Freizeitzentrum mit Bowlingbahn. Gesucht wird ein 40 Jahre alter Mann, der dort das Feuer eröffnet haben soll. Der mutmaĂliche TĂ€ter ist auf der Flucht. Es lĂ€uft eine GroĂfahndung.
Die Attacke und der Mann dahinter
Um 18.56 Uhr Ortszeit am Mittwoch seien die ersten Notrufe eingegangen, teilte die Polizei mit. Veröffentlicht wurden Fotos von Ăberwachungskameras an einem der beiden Tatorte. Darauf ist ein Mann mit einem vorgehaltenen Sturmgewehr zu sehen. Bei dem VerdĂ€chtigen soll es sich um einen MilitĂ€r-Reservisten und trainierten Schusswaffenausbilder handeln, der im Sommer in psychiatrischer Behandlung gewesen sein soll. Die Polizei hielt sich mit Details zu dem VerdĂ€chtigen zunĂ€chst zurĂŒck und verwies auf die laufenden Ermittlungen und die Fahndung nach dem Mann.
William Ross von der Polizei des Bundesstaates Maine sagte, der VerdÀchtige gelte als «bewaffnet und gefÀhrlich». Er warnte davor, sich dem Mann zu nÀhern. Die Bevölkerung in der Gegend wurde aufgerufen, HÀuser nicht zu verlassen. Mehrere Schulen blieben geschlossen. Heute weitete die Polizei die Sicherheitshinweise auf weitere Orte rund um Lewiston auf, da der TÀter auch viele Stunden nach der Attacke noch nicht gefasst war.
Laut Polizei kamen sieben Menschen bei der Bowlingbahn ums Leben, acht Menschen bei dem Grillrestaurant. Drei weitere seien spÀter im Krankenhaus gestorben. Mehrere Verletzte wurden heute noch behandelt. Drei von ihnen schwebten nach offiziellen Angaben in Lebensgefahr.
Der Horror am Tatort
Eine Zeugin sagte dem Fernsehsender ABC, ihre elfjĂ€hrige Tochter sei beim Bowlen gewesen, als die ersten SchĂŒsse fielen. «Ich habe mich ĂŒber sie gelegt, um sie zu schĂŒtzen», erzĂ€hlte sie. Ein anderer Zeuge berichtete beim Sender CNN, er habe sich in der Bowling-Halle vor dem SchĂŒtzen versteckt und um sein Leben gebangt.
Etwa zehn Kilometer von Lewiston entfernt fanden EinsatzkrĂ€fte das Auto des Gesuchten, einen weiĂen SUV. Zu möglichen Motiven war zunĂ€chst nichts bekannt. Ross betonte, die Ermittlungen liefen neben der Fahndung nach dem Mann. Die Lage sei sehr im Fluss. Viele KrĂ€fte seien im Einsatz, um den VerdĂ€chtigen aufzuspĂŒren.
Lewiston befindet sich etwa 200 Kilometer nördlich von Boston an der OstkĂŒste der USA. Maine gehört zu den kleineren und eher dĂŒnn besiedelten Bundesstaaten und liegt im nordöstlichsten Zipfel des Landes. GroĂe Attacken mit Schusswaffen kommen dort deutlich seltener vor als in anderen Landesteilen. Gouverneurin Mills sagte: «Unser kleiner Staat mit nur 1,3 Millionen Einwohnern ist seit langem als einer der sichersten Staaten der Nation bekannt.» Dies sei ein «dunkler Tag fĂŒr Maine».
Der traurige Alltag der Waffengewalt
In den USA insgesamt gehören AmoklĂ€ufe und tödliche SchieĂereien auf traurige Weise zum Alltag. Schusswaffen sind dort leicht erhĂ€ltlich und massenhaft im Umlauf. RegelmĂ€Ăig erschĂŒttern blutige Attacken mit vielen Opfern das Land - etwa an Schulen, in SupermĂ€rkten, Nachtclubs oder bei groĂen Veranstaltungen. Nach jeder gröĂeren Attacke gibt es neue Forderungen nach einer VerschĂ€rfung des Waffenrechts, etwa nach einem Verbot von Sturmgewehren, die regelmĂ€Ăig bei AmoklĂ€ufen zum Einsatz kommen. Die Forderungen laufen jedoch ins Leere, nicht zuletzt wegen WiderstĂ€nden aus den Reihen der Republikaner.
US-PrĂ€sident Joe Biden verlangte nach den tödlichen SchĂŒssen in Lewiston erneut strengere Waffengesetze. «Viel zu viele Amerikaner haben ein Mitglied in der Familie, das durch Waffengewalt getötet oder verletzt wurde. Das ist nicht normal, und wir können es nicht hinnehmen», mahnte der Demokrat in einer schriftlichen ErklĂ€rung. Er forderte die Republikaner auf, mit seinen Demokraten zusammenzuarbeiten, um Sturmgewehre zu verbieten. «Dies ist das Mindeste, was wir jedem Amerikaner schulden, der nun die körperlichen und seelischen Narben dieses jĂŒngsten Anschlags tragen muss.»
Der Schock fĂŒr die Bewohner
Lewistons BĂŒrgermeister Carl Sheline zeigte sich schockiert. «Ich bin untröstlich fĂŒr unsere Stadt und unsere Bevölkerung», schrieb er in einer ErklĂ€rung. Der Ort sei fĂŒr seine StĂ€rke und seinen Mut bekannt. «Beides werden wir in den kommenden Tagen brauchen», ergĂ€nzte er. Auch der BĂŒrgermeister der Nachbarstadt Auburn, Jason Levesque, zeigte sich bestĂŒrzt. Angst, Panik und Sorge hĂ€tten sich unter den Einwohnern breitgemacht, sagte er Reportern. «Man kann fĂŒr so etwas trainieren, aber vollstĂ€ndig vorbereitet sein kann man nie», fĂŒgte er hinzu. Auburn ist etwa 1,5 Kilometer von Lewiston entfernt.
Ein Stadtratsmitglied von Lewiston, Robert McCarthy, beschrieb die Lage als surreal. «Es ist einfach so unwirklich», sagte er dem Sender CNN. «Man sieht es in den Nachrichten und sagt sich, dass das hier nie passieren wird. Und dann passiert es hier, und es haut dich einfach um.»
