Schwimmunterricht, DLRG

Schwimmen lernen: Bund stellt 20 Millionen Euro bereit

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 14:31 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Bundeskanzleramt, Deutscher Schwimm-Verband und DLRG wollen mit dem Programm „Deutschland lernt Schwimmen“ Zugangsprobleme beseitigen. Vereine, Kitas und Schwimmschulen können bis zum 31. Januar 2027 FörderantrĂ€ge stellen.

Schwimmausbildung erhÀlt Bundesförderung

  • Bundeskanzleramt, DSV und DLRG starten in Berlin das Modellvorhaben „Deutschland lernt Schwimmen“.
  • Ein sicherer Schwimmer muss 15 Minuten eigenstĂ€ndig ĂŒber tiefem Wasser schwimmen können.
  • Bis Ende September meldete die DLRG 320 ertrunkene Menschen in Deutschland.
  • Das nĂ€chste Schwimmbad ist oft weit weg, vor allem auf dem Land - Bild: Fabian Sommer/dpa
  • Der Bund stellt 20 Millionen Euro zur VerfĂŒgung. - Bild: Fabian Sommer/dpa
  • Laut Vogt können 20 Prozent der Kinder am Ende der Grundschule nicht schwimmen. - Bild: Fabian Sommer/dpa
Das nĂ€chste Schwimmbad ist oft weit weg, vor allem auf dem Land - Bild: Fabian Sommer/dpa Der Bund stellt 20 Millionen Euro zur VerfĂŒgung. - Bild: Fabian Sommer/dpa Laut Vogt können 20 Prozent der Kinder am Ende der Grundschule nicht schwimmen. - Bild: Fabian Sommer/dpa

20 Millionen Euro fĂŒr mehr Schwimmangebote

Ein neues Bundesprogramm soll mehr Kindern in Deutschland das Schwimmenlernen ermöglichen: DafĂŒr stehen ĂŒber vier Jahre insgesamt 20 Millionen Euro bereit. Bundeskanzleramt, Deutscher Schwimm-Verband und Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft wollen damit vor allem ZugĂ€nge zu Schwimmhallen, zusĂ€tzliche Kurse und die Koordination vor Ort verbessern.

AntrÀge bis Ende Januar 2027 möglich

Nicht-öffentliche Einrichtungen wie Vereine, Kitas und Schwimmschulen können ab sofort FörderantrĂ€ge stellen. Die Frist endet am 31. Januar 2027; pro Jahr sind fĂŒnf Millionen Euro vorgesehen.

Das Modellvorhaben trĂ€gt den Namen „Deutschland lernt Schwimmen“. Sportstaatsminister Ronald Rauhe bezeichnete sicheres Schwimmen als ĂŒberlebenswichtig und verwies zugleich auf seine Bedeutung fĂŒr Selbstvertrauen, Teilhabe und gesunde Bewegung.

Busse und Schwimmlotsen sollen helfen

Das Programm konzentriert sich zunÀchst auf Vernetzung und Koordination, nicht auf den Bau von SchwimmbÀdern. Gefördert werden können unter anderem Busfahrten zur nÀchsten Schwimmhalle, zusÀtzliche Kurse und weiteres Ausbildungspersonal.

Hauptamtliche Schwimmlotsen sollen Ehrenamtliche entlasten, Schulen und Vereine zusammenbringen und freie KapazitÀten erfassen. Eine dritte ProgrammsÀule zur Ausbildung weiterer qualifizierter Schwimmlehrerinnen und Schwimmlehrer ist vorgesehen, gehört aber nicht zum aktuellen Förderaufruf.

Besonders benachteiligte Kinder im Blick

Das Angebot soll insbesondere Kindern aus einkommensarmen Familien, strukturschwachen Regionen sowie Kindern mit Behinderung oder anderem UnterstĂŒtzungsbedarf zugutekommen. Die bisherigen Angebote sollen ergĂ€nzt, nicht ersetzt werden.

Nach Angaben der DLRG können etwa 40 Prozent der Kinder am Ende der Grundschule nicht sicher schwimmen, rund 20 Prozent gar nicht. Als sicher gilt, wenn ein Kind 15 Minuten selbststĂ€ndig in tiefem Wasser schwimmen kann; das Seepferdchen genĂŒgt dafĂŒr nicht.

320 Menschen bis September ertrunken

Bis Ende September starben nach DLRG-Angaben in diesem Jahr 320 Menschen durch Ertrinken, die meisten in Seen und FlĂŒssen. Rund 100 TodesfĂ€lle entfielen demnach allein auf den Juni.

Als Ursachen fĂŒr den hohen Nichtschwimmeranteil nannte Rauhe unter anderem das BĂ€dersterben, Sanierungsstau, fehlende WasserflĂ€chen und lange Wartezeiten auf SchwimmkursplĂ€tze.

Das Programm setzt an einer LĂŒcke an, die ĂŒber einzelne Schwimmkurse hinausreicht: Kinder brauchen nicht nur LehrkrĂ€fte, sondern auch erreichbare WasserflĂ€chen, freie KursplĂ€tze und verlĂ€ssliche Kooperationen zwischen Schulen, Vereinen und Kommunen. Besonders in lĂ€ndlichen Regionen kann der geplante Bustransport deshalb eine praktische ZugangshĂŒrde beseitigen.

Die Förderung von insgesamt 20 Millionen Euro verteilt sich auf vier Jahre und umfasst zunĂ€chst Vernetzung und Koordination. Damit fließt das Geld vor allem in Organisation, zusĂ€tzliche Angebote und hauptamtliche Schwimmlotsen. Der Ansatz ergĂ€nzt bestehende Strukturen, ersetzt aber weder fehlende BĂ€der noch den langfristigen Bedarf an qualifiziertem Personal.

SchwimmbÀder bleiben der Engpass

Die GrĂ¶ĂŸenordnung des Problems zeigt sich auch an lokalen BĂ€derhaushalten: Betrieb, Personal und Sanierungen belasten Kommunen erheblich. Wo HallenbĂ€der schließen oder dringend saniert werden mĂŒssen, helfen zusĂ€tzliche Kurse allein nicht weiter. FĂŒr Familien bedeutet der Erfolg des Programms daher, ob tatsĂ€chlich freie PlĂ€tze entstehen und der Weg zum Unterricht zumutbar bleibt.

FĂŒr die Sicherheit ist zudem entscheidend, welches Können vermittelt wird. Das Seepferdchen bestĂ€tigt erste Wassererfahrung, ersetzt aber nicht die FĂ€higkeit, lĂ€ngere Zeit sicher im tiefen Wasser zu schwimmen. Angesichts der bis Ende September gemeldeten 320 Ertrunkenen unterstreicht das die Bedeutung kontinuierlicher Schwimmausbildung.

Gezielte Hilfe fĂŒr benachteiligte Kinder

Die PrioritĂ€t fĂŒr einkommensarme Familien, strukturschwache Regionen und Kinder mit Behinderung verbindet Sicherheitsvorsorge mit Teilhabe. Der Antragsschluss am 31. Januar 2027 schafft fĂŒr Vereine, Kitas und Schwimmschulen einen konkreten nĂ€chsten Schritt. Entscheidend wird sein, ob die lokale Koordination dauerhaft funktioniert und nach Ablauf der vierjĂ€hrigen Förderung tragfĂ€hige Angebote bestehen bleiben.

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