Weniger Badetote bisher - weil der Sommer Pause macht
03.08.2023 - 12:59:55 | dpa.deEs gibt einen Grund, fĂŒr den bislang eher durchwachsenen Sommer dankbar zu sein: In den ersten knapp sieben Monaten des laufenden Jahres sind deutlich weniger Menschen bei BadeunfĂ€llen gestorben als ein Jahr zuvor.
Bis zum Stichtag 25. Juli seien in deutschen GewÀssern mindestens 192 Menschen ertrunken - 21 weniger als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres, teilte die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) mit Sitz in Bad Nenndorf mit. «Der Sommer macht nun schon eine lÀngere Pause. Andernfalls lÀge die Zahl der Ertrunkenen sicher nahe der des Vorjahres», sagte DLRG-PrÀsidentin Ute Vogt in Hamburg. Im gesamten Vorjahr starben mindestens 355 Menschen in Deutschland bei BadeunfÀllen, das waren 56 mehr als im Jahr davor.
Seit Beginn der Badesaison im Mai starben laut DLRG 123 Menschen im Wasser - und damit 13 weniger als im Vergleichszeitraum 2022. Wie schon im vergangenen Jahr habe ein «sehr warmer Mai» viele Badende und Wassersportler angelockt, sagte Vogt. «Hierbei kam es wieder zu vielen UnfĂ€llen in den noch kĂŒhlen GewĂ€ssern.» Allein im Mai ertranken demnach 32 Menschen, ein Jahr zuvor waren es 30.
Tödliche UnfÀlle in unbewachten GewÀssern
Die meisten tödlichen BadeunfĂ€lle gab es an unbewachten GewĂ€ssern im Binnenland: In FlĂŒssen, BĂ€chen, Teichen oder Seen ertranken bisher 179 Menschen. In Seen gab es 75 TodesfĂ€lle und damit deutlich weniger als vor einem Jahr (93), in FlĂŒssen waren es 68 (2022: 66). In KanĂ€len ertranken 17 Menschen, 8 mehr als vor einem Jahr - allein im Juni starben vier MĂ€nner im Dortmund-Ems-Kanal. «Ob FlĂŒsse oder KanĂ€le: Die Schifffahrtswege sind besonders gefĂ€hrlich und unbedingt zu meiden», warnte Vogt. Auch nicht ganz ungefĂ€hrlich: Wassersport. 12 Menschen ertranken etwa beim Stand-up-Paddling oder Bootfahren.
In Nord- und Ostsee starben bisher 9 Menschen, 4 mehr als im Vorjahreszeitraum. Dort allerdings bewachen laut DLRG zumeist ehrenamtliche Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmer zwischen Mai und September viele StrÀnde.
Unterschiedlich entwickelten sich die Zahlen der BadeunfÀlle in den BundeslÀndern: In Bayern mit seinen vielen Seen ertranken in den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres 30 Menschen - nach 44 im Vorjahreszeitraum. In Hamburg dagegen hat sich die Zahl der Ertrunkenen von 4 auf 9 mehr als verdoppelt, in Nordrhein-Westfalen stieg sie leicht von 31 auf 35. In Schleswig-Holstein ertranken bis zum Stichtag Ende Juli 9 Menschen nach 13 im Vorjahreszeitraum, in Niedersachsen sank die Zahl der TodesfÀlle von 25 auf 18.
AuffĂ€llig laut DLRG: Vier von fĂŒnf Ertrunkenen oder 79 Prozent sind MĂ€nner. Fast jeder zweite Badetote (44 Prozent) war Ă€lter als 50 Jahre. Immerhin sank die Zahl der bei BadeunfĂ€llen gestorbenen Kinder im Alter bis 10 Jahre leicht von 10 auf 8.
Warnungen werden hÀufig nicht beachtet
DLRG-Kommunikationschef Frank Villmow beklagte, dass die Warnungen der Retter, die gelben oder roten Flagge an den TĂŒrmen, nach wie vor hĂ€ufig nicht beachtet wĂŒrden. So sei es zu mehreren Rettungen binnen weniger Tage an der Ostsee gekommen, darunter in der LĂŒbecker Bucht und in Graal-MĂŒritz bei Rostock: «Bei besonderen Witterungsbedingungen entstehen dort binnen kĂŒrzester Zeit starke Strömungen, die vor allem fĂŒr UngeĂŒbte und Nichtschwimmer lebensgefĂ€hrlich sind.»
Villmow mahnte: «Erst letzte Woche bewahrte eine junge Retterin in Grömitz ein sechsjĂ€hriges MĂ€dchen, das allein im Wasser war, vor dem Ertrinken.» Im vergangenen Jahr retteten die DLRG-Helfer 1307 Menschen das Leben. Katharina Leichauer, DLRG-Bundesbeauftragte fĂŒr die Psychosoziale Notfallversorgung, sagte: «Viele EinsatzkrĂ€fte leiden direkt nach dem Einsatz an Belastungssymptomen.»Die Symptome klingen jedoch binnen weniger Tage bis Wochen normalerweise ab.
Weniger Kinder lernen schwimmen
Vogt kritisierte, in der Corona-Pandemie sei der Anteil der Kinder, die nicht schwimmen können, deutlich gestiegen - nach einer Forsa-Umfrage im Auftrag der DLRG stieg der Anteil der Grundschulkinder, die nicht schwimmen können, zwischen 2017 und 2022 von 10 auf 20 Prozent. Auch hÀtten die Lebensretter weniger Rettungsschwimmer ausbilden können.
«Auch wenn es zuletzt eher kĂŒhl und nass war: Der Klimawandel wird uns kĂŒnftig in der Tendenz mehr Sommertage bescheren, womit das Unfallrisiko an den GewĂ€ssern steigt», warnte sie. Die beste UnfallverhĂŒtung: Schwimmen lernen.
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