Gletschersturz, Wallis

Gletschersturz begrÀbt Dorf im Wallis - eine Person vermisst

28.05.2025 - 20:43:25 | dpa.de

Seit Tagen beobachten Experten die Entwicklung am Birchgletscher in der Schweiz. Schuttmassen eines Bergsturzes ĂŒben Druck auf die Eismassen aus. Jetzt ist «das Unvorstellbare» eingetreten.

Mehrere Lawinen mit Gletscher-, Schnee- und NebeltrĂŒmmern gingen vom Birchgletscher im Lötschental ab. - Foto: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa

Das Schweizer Bergdorf Blatten ist unter riesigen Geröll- und Eismassen begraben worden. Oberhalb der zuvor evakuierten Siedlung im Kanton Wallis brach nach Angaben der EinsatzkrÀfte ein Gletscher ab, der wiederum von einem Bergsturz in Bewegung gesetzt worden war.

Ein Sprecher des Einsatzstabes berichtete von einer vermissten Person. Es lagen keine Informationen ĂŒber weitere mögliche Opfer vor.

«Das Unvorstellbare ist heute eingetroffen», sagte der Blattener GemeindeprĂ€sident Matthias Bellwald in einer Pressekonferenz im Nachbarort Ferden. Blatten liege unter einem sehr großen Schuttkegel. 

Obwohl die Katastrophe erst wenige Stunden zurĂŒcklag, zeigte sich Bellwald optimistisch. «Wir haben das Dorf verloren, aber nicht das Herz», sagte er und rief zum Wiederaufbau auf. 

Der öffentlich-rechtliche SRF zeigte Aufnahmen von einer riesigen Staubwolke, die sich mit den Schuttmassen den Berg hinabwĂ€lzte. Laut dem Schweizerischen Erdbebendienst wurde die Erde mit einer StĂ€rke von 3,1 erschĂŒttert. Zuvor waren bereits in der Nacht zum Dienstag grĂ¶ĂŸere Mengen an Eis, Fels, Schnee und Wasser talwĂ€rts gestĂŒrzt. 

Gewaltige Schuttmassen

Auslöser dieser Ereignisse war ein relativ langsam verlaufender Bergsturz am rund 3.800 Meter hohen Kleinen Nesthorn, oberhalb des nun abgestĂŒrzten Birchgletschers. 

Durch das Abbröckeln des Kleinen Nesthorns lagerten sich in den vergangenen Tagen rund neun Millionen Tonnen Schuttmaterial auf dem Gletscher ab und ĂŒbten Druck auf die Eismassen aus, wie Keystone-SDA berichtete.

Wegen der Gefahrenlage war Blatten in der Ferienregion Lötschental bereits vorige Woche ganz gerÀumt worden. Rund 300 Einwohner mussten innerhalb kurzer Zeit ihre HÀuser verlassen.

Die Naturkatastrophe sei historisch «beispiellos», sagte RaphaĂ«l Mayoraz, ein Naturgefahren-Experte des Kantons Wallis. Er wies darauf hin, dass die Gefahr fĂŒr das Tal auch nach dem Gletschersturz noch nicht gebannt sei. Denn durch den Abbruch wurde der Fluss Lonza auf einer LĂ€nge von etwa zwei Kilometern stark aufgestaut.

Es könne an der Lonza eine Mure (ein Murgang; Erdrutsch-Strom aus Schlamm und gröberem Gesteinsmaterial, der schnell talwĂ€rts fließt) stattfinden, sagte Mayoraz. Das sei angesichts der zuvor geringen Wassermengen im Fluss derzeit nicht sehr wahrscheinlich, sagte er. 

Dennoch schloss der Experte nicht völlig aus, dass weitere Teilen des Tals evakuiert werden mĂŒssten, und dass Überschwemmungen stattfinden könnten.

Die Schweizer BundesprĂ€sidentin Karin Keller-Sutter drĂŒckte den Bewohnern von Blatten ihr MitgefĂŒhl aus. «Es ist schlimm, wenn man seine Heimat verliert», schrieb sie auf der Plattform X. 

Umweltminister Albert Rösti und Verteidigungsminister Martin Pfister reisten sofort in das Katastrophengebiet und sagten der betroffenen Gemeinde die UnterstĂŒtzung der Schweizer Regierung zu. 

Eine Einheit der Armee wurde in das Lötschental entsandt, um Hilfe zu leisten. ZunĂ€chst werde wohl die Beseitigung der aufgestauten Wassermassen im Fluss fĂŒr die Soldaten im Vordergrund stehen, sagte Pfister.

Geologen hatten in den vergangenen Tagen von mehreren Faktoren gesprochen, die gemeinsam zum Abbröckeln des Kleinen Nesthorns gefĂŒhrt haben könnten, darunter das Tauen des Permafrostbodens im Zuge des Klimawandels und andere geologische Prozesse und Wetterereignisse.

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