Demografie, Kinderzahl

Statistisches Bundesamt: Kinderanteil steigt leicht – Osten bleibt deutlich zurück

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 08:39 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Neue Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen: Der Kinderanteil in Deutschland ist leicht gestiegen, unterscheidet sich aber deutlich zwischen Ost und West und liegt unter dem EU-Durchschnitt. Besonders wenige Kinder leben in Sachsen-Anhalt, besonders viele in Baden-Württemberg und Bremen.

Wie viele Kinder haben Familien in verschiedenen Ländern? (Symbolbild) - Bild: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa
Wie viele Kinder haben Familien in verschiedenen Ländern? (Symbolbild) - Bild: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

In Deutschland ist der Anteil der Kinder an der Bevölkerung leicht gestiegen, zugleich zeigt sich ein deutliches Gefälle zwischen den Bundesländern.

Große Unterschiede zwischen den Ländern

Nach einer Berechnung des Statistischen Bundesamts zum Weltkindertag am 20. September hat Sachsen-Anhalt den geringsten Kinderanteil von allen deutschen Bundesländern, während Baden-Württemberg und Bremen prozentual die meisten Kinder aufweisen. Ende des vergangenen Jahres lebten bundesweit 10,8 Millionen Kinder unter 14 Jahren, das entsprach 12,9 Prozent der Bevölkerung.

Das Amt betont, dass sich die Altersstruktur und damit der Anteil der unter 14-Jährigen regional deutlich unterscheidet. In Baden-Württemberg und Bremen lag der Kinderanteil im Jahr 2025 jeweils bei 13,4 Prozent, gefolgt von Hamburg und Bayern mit jeweils 13,2 Prozent. Am unteren Ende der Skala steht Sachsen-Anhalt mit 11,2 Prozent, dahinter Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen mit jeweils 11,3 Prozent.

Langer Rückgang, zuletzt leichter Anstieg

Deutschlandweit ist der Kinderanteil innerhalb von zehn Jahren leicht gestiegen. Im Jahr 2015 lag der Anteil der unter 14-Jährigen bei 12,3 Prozent, damals lebten 10,1 Millionen Kinder im Land. Die Statistiker verweisen zugleich darauf, dass der Kinderanteil im Zuge des demografischen Wandels in den vergangenen Jahrzehnten insgesamt zurückgegangen ist.

Auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands waren 1975 noch 19,6 Prozent der Bevölkerung jünger als 14 Jahre, 1995 betrug der Anteil 15,1 Prozent. Diese Entwicklung spiegelt langfristige Veränderungen bei Geburtenraten, Lebenserwartung und Altersaufbau der Gesellschaft wider.

Deutschland liegt unter EU-Durchschnitt

Für die Europäische Union liegen Ergebnisse zum Kinderanteil erst für den Jahresbeginn 2025 vor. Damals lag der Anteil der unter 14-Jährigen im EU-Durchschnitt mit 13,3 Prozent über dem deutschen Wert. Am höchsten war der Kinderanteil innerhalb der EU mit 17,0 Prozent in Irland.

Überdurchschnittlich viele Kinder unter 14 Jahren leben auch in Schweden und Frankreich. Den geringsten Kinderanteil verzeichnete Italien mit 10,9 Prozent, gefolgt von Malta und Portugal. Damit wird deutlich, dass die demografische Lage der Mitgliedstaaten erheblich variiert und Deutschland im europäischen Vergleich im Mittelfeld liegt.

Regionale Unterschiede als Spiegel demografischer Entwicklungen

Der leichte Anstieg des Kinderanteils in Deutschland auf 12,9 Prozent bei 10,8 Millionen Kindern unter 14 Jahren knüpft an eine lange Phase rückläufiger Geburten an und deutet eher auf eine Stabilisierung als auf eine Trendwende hin. Zugleich zeigt sich, dass die großen Unterschiede zwischen Bundesländern Ausdruck verschiedener demografischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen sind. Ostdeutsche Länder wie Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen verzeichnen seit Jahren Abwanderung und eine ältere Bevölkerung, was den Kinderanteil zusätzlich drückt.

Demgegenüber stehen Länder wie Baden-Württemberg, Bremen, Hamburg und Bayern mit höherem Kinderanteil. Hier wirken starke Arbeitsmärkte, Zuwanderung und ein höherer Anteil junger Familien zusammen. Die unterschiedlichen Werte sind deshalb nicht nur statistische Kennziffern, sondern beeinflussen konkret, wie Schulen, Kitas, Gesundheitsversorgung und kommunale Infrastruktur geplant werden. Regionen mit niedrigem Kinderanteil müssen sich stärker auf altersgerechte Angebote für Ältere einstellen, während wachstumsstarke Länder vor der Aufgabe stehen, genügend Betreuungsplätze und Bildungsangebote zu schaffen.

Deutschland im europäischen Vergleich

Im EU-Vergleich liegt Deutschland mit seinem Kinderanteil unter dem Durchschnitt von 13,3 Prozent. Länder wie Irland, Schweden und Frankreich mit höheren Werten stehen häufig für eine aktivere Familienpolitik, höhere Geburtenraten und teils großzügigere Leistungen für Familien. Staaten mit niedrigen Kinderanteilen wie Italien, Malta und Portugal kämpfen dagegen seit längerem mit sehr niedrigen Geburtenraten und einer rasch alternden Bevölkerung. Der deutsche Wert dazwischen unterstreicht, dass die Bundesrepublik zwar nicht zu den besonders familienfreundlichen Ländern mit hohem Nachwuchs zählt, aber auch nicht zu den besonders stark überalterten Gesellschaften.

Folgen für Gesellschaft und Politik

Die genannten Daten haben weitreichende Folgen für Rentensystem, Arbeitsmarkt und regionale Entwicklung. Ein höherer Kinderanteil kann langfristig dazu beitragen, Fachkräftemangel zu dämpfen, während Regionen mit wenigen Kindern vor der Herausforderung stehen, ihren Wohlstand mit einer schrumpfenden Erwerbsbevölkerung zu sichern. Für die Leserinnen und Leser bedeutet dies, dass die demografische Lage des eigenen Bundeslands darüber mitentscheidet, wie sich etwa Schulstandorte, Verkehrsplanung oder kommunale Finanzen in den kommenden Jahren entwickeln. Die Zahlen liefern damit eine wichtige Grundlage für politische Entscheidungen über Familienförderung, Zuwanderung und die Verteilung öffentlicher Investitionen.

Disclaimer...

de | unterhaltung | 70104022 |