Rhodos: WaldbrÀnde schrecken Touristen nicht
09.11.2023 - 05:51:33 | dpa.deEs ging ums Ăberleben: Binnen Stunden mussten sich im Juli im SĂŒdosten der griechischen Ferieninsel Rhodos gut 20.000 Touristen vor gewaltigen Wald- und BuschbrĂ€nden in Sicherheit bringen.
«Wenn es Nacht gewesen wĂ€re, wĂ€ren wir umgekommen», schilderte damals eine deutsche Urlauberin. Löschhubschrauber dröhnten ĂŒber Hotelpools, um Wasser aufzunehmen, Einheimische sammelten die Menschen mit Pick-ups und Bussen auf und brachten sie durch dichte Rauchwolken, stĂŒrmischen Wind und beiĂenden Brandgestank auĂer Gefahr. Doch trotz der «Urlaubshölle», wie manche Medien titelten, blieb der Besucherandrang auf der ĂgĂ€is-Insel ungebrochen.
An diesem Wochenende ist Schluss - dann geht die Tourismussaison auf Rhodos offiziell zu Ende, und die Bilanz fĂ€llt trotz der BrĂ€nde Ă€uĂerst positiv aus. Noch Anfang November kamen tĂ€glich bis zu 11.000 Urlauber am Inselflughafen an. «Es sieht so aus, dass wir dieses Jahr sogar noch besser abschneiden als im vergangenen Jahr», sagt Manolis Markopoulos, Chef des Hotelverbands von Rhodos. 2022 waren rund 2,5 Millionen Besucher auf die Sonneninsel gereist, die einst dem griechischen Sonnengott Helios gehört haben soll und die mit rund 280 Sonnentagen und mehr als 3000 Sonnenstunden im Jahr strahlen kann.
Besucher auch nach den BrÀnden
RĂŒckblickend scheint es, als hĂ€tte die Insel stĂ€rker unter den Berichten ĂŒber die BrĂ€nde gelitten als unter dem Feuer selbst: «Es hat nur im SĂŒdosten von Rhodos gebrannt, nicht einmal fĂŒnf Prozent der InselflĂ€che waren betroffen», stellt Markopoulos klar und kritisiert: «Das Bild, das international gezeichnet wurde, war schlimm - als ob die ganze Insel in Flammen stĂŒnde.» Von rund 100 Hotels, die wegen der BrĂ€nde evakuiert werden mussten, blieben nur drei anschlieĂend wegen gröĂerer SchĂ€den geschlossen - der Rest konnte wieder öffnen.
Inselweit genossen viele Urlauber ihre Ferien trotz der BrĂ€nde ungestört weiter, auch neue Touristen lieĂen sich nicht abhalten. «Als die ersten Kunden nach den BrĂ€nden kamen, fragten viele: Wo ist denn hier das Feuer, wo hat es denn gebrannt?», erinnert sich Markopoulos. Mit einer EinschrĂ€nkung: «Um die betroffenen KĂŒstenorte Gennadi und Kiotari herum ist tatsĂ€chlich alles schwarz verkohlt - und das wird sich auch bis zur kommenden Saison nicht Ă€ndern.»
Die Rhodier sind stolz darauf, die Evakuierungen so gut bewĂ€ltigt zu haben - es habe nicht einmal Verletzte gegeben, sagt Markopoulos. Laut Regierung war es die gröĂte Evakuierungsaktion, die es jemals in Griechenland gegeben hat. Auch viele Touristen waren voll des Lobes ĂŒber die Inselbewohner, die die Menschen zum Teil in ihren eigenen HĂ€usern unterbrachten. Sie danken es damit, dass sie wiederkommen.
Viele Buchungen fĂŒr 2024
Das liegt auch daran, dass die Reiseveranstalter weiterhin auf Rhodos setzen. Dem Hotelverband zufolge liegen die Buchungen fĂŒr 2024 schon jetzt um bis zu 40 Prozent ĂŒber den Werten dieses Jahres. Der Reiseveranstalter TUI hat die FlĂŒge nach Rhodos aus Mittel- und Nordeuropa sogar aufgestockt.
Auch fĂŒr Urlauber aus Deutschland wird es 2024 wieder flĂ€chendeckend Verbindungen auf die Insel geben, sagt TUI-Sprecher Aage DĂŒnhaupt. Rhodos sei neben Kreta das beliebteste Urlaubsziel in Griechenland und entsprechend vom Volumen her eines der wichtigsten. Die TUI Care Foundation, eine Unternehmensstiftung, plant nun ein Aufforstungsprojekt auf der Insel. FĂŒr den «TUI Wald» sollen einheimische, feuertolerante BĂ€ume gepflanzt werden.
Die griechische Regierung ihrerseits versprach UnterstĂŒtzung fĂŒr die von den BrĂ€nden im Juli betroffenen Touristen: Jene, die deshalb ihren Urlaub abbrechen mussten, sollen laut MinisterprĂ€sident Kyriakos Mitsotakis im FrĂŒhjahr oder Herbst 2024, also jeweils in der Nebensaison, eine Woche gratis auf der Insel ĂŒbernachten dĂŒrfen. Die Reiseveranstalter hĂ€tten jĂŒngst VorschlĂ€ge erhalten, wie sich diese Aktion realisieren lasse, heiĂt es beim Tourismusministerium.
Sorge um Wetterextreme und Naturkatastrophen
Die BrĂ€nde auf Rhodos haben den Tourismus also nicht abgeschreckt, aber in dem fĂŒr Griechenland wirtschaftlich so wichtigen Sektor sorgt man sich trotzdem um die zunehmenden Wetterextreme und Naturkatastrophen.
Denn Rhodos war kein Einzelfall: Im August brannte es unter anderem nahe Athen sowie auf der Halbinsel Peloponnes und rund um die nordostgriechische Hafenstadt Alexandroupolis. Gewaltige BrĂ€nde gab es dort auch im nahe gelegenen Nationalpark Dadia. Anfang September wurde bei starken Unwettern die mittelgriechische Hafenstadt Volos ĂŒberschwemmt. Jedes Mal kamen mehrere Menschen ums Leben, bei den Ăberschwemmungen im September auch ein Ehepaar aus Ăsterreich, dessen Ferienhaus von den Fluten mitgerissen wurde.
Die Regierung macht den Klimawandel fĂŒr diese Extreme verantwortlich. Das Ministerium fĂŒr Klimakrise und BĂŒrgerschutz etablierte bereits vor Jahren ein System von Warn-SMS und schnellen Evakuierungen bei BrĂ€nden und Ăberschwemmungen, das auch auf den Smartphones auslĂ€ndischer GĂ€ste anschlĂ€gt - und in diesem Jahr wohl so manchen Urlaub getrĂŒbt hat. Doch die Griechenlandfans hĂ€lt das nicht ab: Rund 30 Millionen Menschen reisen Jahr fĂŒr Jahr wieder nach Hellas.
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