Lottogewinn, Absturz, Neustart - Ein Ex-MillionÀr erzÀhlt
07.03.2026 - 11:49:35 | dpa.deAn den Tag, als sich sein Leben auf den Kopf gestellt hat, kann sich Oliver Intemann noch genau erinnern: Es war das Jahr 1994, er verfolgte im Fernsehen die Ziehung der Lottozahlen. Am Ende hatte der Bremer sechs Richtige und knapp 1,8 Millionen Mark gewonnen. «Seit ich 18 bin, habe ich gespielt und immer gehofft, dass das passiert», erzĂ€hlt der heute 59-JĂ€hrige. Er habe keine Lust auf Schule und Ausbildung gehabt, wusste nicht, was er beruflich machen sollte und sei schlieĂlich bei der Post gelandet, so wie auch sein Vater. SpaĂ machte ihm sein Job nicht.
Einziger Lichtblick war seine Berner SennenhĂŒndin
Intemann dachte, wenn er erst viel Geld hĂ€tte, dann wĂŒrde sich sein Leben verbessern. SchlieĂlich könnte er dann machen, was er wollte. Es kam alles anders. Er kaufte von seinem Millionengewinn Autos und Immobilien, machte teure Reisen, investierte in nicht funktionierende Businessideen und verschenkte viel Geld. Zehn Jahre spĂ€ter war vom vielen Geld nichts mehr ĂŒbrig. Er musste Privatinsolvenz anmelden, war schmerzvoll geschieden, depressiv und lebte in einer Notunterkunft.
Das ist inzwischen 20 Jahre her. Heute hat er keine Schulden mehr. Er geht einem geregelten Job in einem GetrĂ€nkemarkt nach, der ihm SpaĂ mache. Materielle WĂŒnsche hat er keine mehr, mit seinem Leben ist er zufrieden. «Der ganze Konsum, dieser ganze Firlefanz hat mich nicht glĂŒcklich gemacht», ist sich Intemann sicher. «Immer, wenn ich etwas erreicht hatte, ist es mir mit Karacho um die Ohren geflogen. Ich bin froh, dass ich nicht mehr dem Geld hinterherjagen muss. Mein Leben ist jetzt ruhiger und besser.»
1.800 Euro netto verdient Intemann im Monat, davon gibt er kaum etwas aus. «Ich habe mir jetzt mal ein neues Fahrrad gekauft.» Er wohnt zur Miete in einer Wohngemeinschaft.
Lotto spielt Intemann schon lange nicht mehr - jedenfalls nicht fĂŒr sich selbst. «Meine Mutter lebt im Seniorenheim. Ich spiele fĂŒr sie ihre Zahlen.» Er selbst möchte nichts mehr gewinnen. «Das ist viel zu aufregend», sagt der Bremer. Sollte allerdings seine Mutter gewinnen, wĂŒrde er aber etwas abbekommen. Und das wĂŒrde er auch annehmen.
