Oscar Pistorius kommt auf BewÀhrung frei
24.11.2023 - 12:39:53 | dpa.deNur noch wenige Wochen, dann ist der wegen Totschlags verurteilte frĂŒhere Spitzensportler Oscar Pistorius frei. Am 5. Januar soll er aus den Toren des GefĂ€ngnisses in der Hauptstadt Pretoria treten dĂŒrfen. Gut zehn Jahre nachdem er seine damalige Freundin Reeva Steenkamp tötete.
Die BewĂ€hrung sei ihm als «ErsttĂ€ter mit einem positiven UnterstĂŒtzungssystem» bewilligt worden, teilte die sĂŒdafrikanische Justizvollzugsanstalt nach einer Anhörung mit.
Pistorius hatte die damals 29-jĂ€hrige Steenkamp, ein Model mit abgeschlossenen Jura-Studium, in der Nacht zum Valentinstag 2013 mit vier SchĂŒssen durch die ToilettentĂŒr seiner Villa getötet. Das Verfahren gegen den unterhalb beider Knie amputierten Sprintstar zog sich ĂŒber Jahre und ging durch mehrere Instanzen.
Je mehr das Gericht die AblĂ€ufe der tödlichen Nacht aufdröselt, desto gröĂer das Entsetzen der Ăffentlichkeit. Pistorius sagte damals aus, er habe mehrfach gefeuert, weil er hinter der TĂŒr einen Einbrecher befĂŒrchtet habe. Doch die Beweislage sprach gegen ihn.
Etwa die HĂ€lfte der Strafe verbĂŒĂt
Pistorius erhielt eine Haftstrafe von 13 Jahren und 5 Monaten. Von dieser hat der heute 37-JĂ€hrige etwa die HĂ€lfte abgesessen. Nach sĂŒdafrikanischem Gesetz hatte er damit automatisch Anspruch auf eine BewĂ€hrungsanhörung.
Der Zeitraum der BewĂ€hrung belaufe sich auf fĂŒnf Jahre, sagte Rob Matthews, der Anwalt von June Steenkamp, der Mutter der getöteten Reeva Steenkamp. Pistorius werde bis Januar ein Reintegrationsprogramm innerhalb der Haftanstalt durchlaufen. Zu den BewĂ€hrungsauflagen gehörten eine Therapie zur AggressionsbewĂ€ltigung sowie gemeinnĂŒtzige Arbeit im Bereich geschlechtsspezifische Gewalt, so Matthews. Pistorius werde demnach zunĂ€chst im Haus seines Onkels in Pretoria wohnen, welches er nicht ohne Erlaubnis der Behörden verlassen dĂŒrfe.
ErklÀrung der Mutter
June Steenkamp hatte fĂŒr die Anhörung am Freitag eine schriftliche ErklĂ€rung eingereicht, die ihr Anwalt den vor dem GefĂ€ngnis versammelten Medien vorlas. «Ich glaube nicht Oscars Version, dass er die Person auf der Toilette fĂŒr einen Einbrecher hielt», hieĂ es darin. Sie sei auch nicht ĂŒberzeugt, dass Pistorius rehabilitiert sei, weil er nie die Wahrheit eingestanden habe.
Ihr Leben sei seit der Tötung ihrer Tochter «ein endloses schwarzes Loch aus Schmerz und Einsamkeit», das niemals gefĂŒllt werden könnte, schrieb June Steenkamp. Ihr im September verstorbener Ehemann Barry, der kurz nach dem Prozessbeginn einen Schlaganfall erlitten habe, sei an einem gebrochenen Herzen gestorben.
Vom MĂ€rchen zum Alptraum
Vor der Tat, die alles Ă€nderte, fĂŒhrte Pistorius buchstĂ€blich ein goldenes Leben und stand auf dem Zenit seiner Karriere. Bei den Paralympischen Spielen 2012 hatte er auf eigens angefertigten Karbon-Prothesen sechs Goldmedaillen gewonnen.
Ihm waren einst als Kind wegen eines Gen-Defekts die Beine unterhalb der Knie amputiert worden. Die L-förmigen Spezial-Prothesen, mit denen er seinen Mitstreitern davonsprintete, verpassten ihm den Spitznamen Blade Runner. Es war die Geschichte eines Mannes, der trotz widriger UmstĂ€nde mit harter Arbeit GroĂes vollbrachte.
Pistorius und Reeva Steenkamp galten damals als Traumpaar: der erfolgreiche, ehrgeizige und markante Sportstar mit der bildhĂŒbschen, intelligenten Freundin, die sich öffentlich fĂŒr Frauenrechte einsetzte. Sie waren Teil der Elite des Landes, feierten wilde Partys, fuhren schnelle Autos.
Doch was SĂŒdafrikanern wie ein MĂ€rchen schien, endete als Alptraum. Aus der gefeierten Ikone Pistorius wurde ein verschmĂ€hter TotschlĂ€ger. Was der gefallene Star nun mit dem Rest seines Lebens machen wird, das weiĂ noch niemand.
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