ZugunglĂŒck in Spanien: 69 Tote nach Kollision bei Urda
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 15:07 Uhr | dpa, AD HOC NEWSOpferidentifizierung und SicherheitsprĂŒfung
- Die Behörden richteten DNA-Anlaufstellen in Madrid, Toledo, Córdoba und Sevilla ein.
- 64 Vermisstenanzeigen wurden nach dem ZusammenstoĂ der beiden ZĂŒge aufgegeben.
- Das seit 1992 eingesetzte LZB-System soll durch das europÀische ERTMS ersetzt werden.
69 Tote nach Kollision bei Urda
Bei einem schweren ZugunglĂŒck in Spanien sind 69 Menschen ums Leben gekommen. In der Nacht wurde an der UnglĂŒcksstelle bei Urda in der Provinz Toledo eine weitere Leiche geborgen, wĂ€hrend Angehörige weiter auf Gewissheit ĂŒber vermisste Menschen warten.
Renfe-Zug fÀhrt auf stehenden Zug auf
Am Mittwochmorgen kollidierte ein Hochgeschwindigkeitszug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe mit einem stehenden Zug des privaten Unternehmens Iryo. Der Renfe-Zug fuhr von hinten auf den Iryo-Zug auf.
Im Mittelpunkt der Ermittlungen stehen der Ausfall des Ă€lteren deutschen Zugsicherungssystems LZB und mögliche Fehlentscheidungen der Bahnleitstelle in Madrid. Medien veröffentlichten Funkmitschnitte, wonach der Renfe-LokfĂŒhrer zur Wiederaufnahme des normalen Fahrbetriebs angewiesen worden sein soll, obwohl das automatische System noch nicht funktionierte und ein anderer Zug auf der Strecke stand.
LokfĂŒhrerverband fordert unabhĂ€ngige Untersuchung
Verkehrsminister Ăscar Puente bezeichnete die Weiterfahrterlaubnis als âunerklĂ€rlicheâ und âfalscheâ Entscheidung. Ob menschliches Versagen zum UnglĂŒck beitrug, mĂŒssen die Ermittlungen klĂ€ren.
Der spanische LokfĂŒhrerverband SEMAF forderte bei einem eintĂ€gigen Streik bessere Sicherheitsvorkehrungen und eine grĂŒndliche, unabhĂ€ngige Untersuchung. Sprecher Diego MartĂn kritisierte zugleich die Veröffentlichung verzerrter Mitschnitte und warnte vor vorschnellen Schuldzuweisungen.
Alte Technik soll ersetzt werden
Das LZB-System wird auf der Strecke Madrid-Sevilla seit 1992 eingesetzt. Nach Angaben des LokfĂŒhrerverbands gab es wiederholt Probleme mit der Technik.
Das System soll durch das europĂ€ische Zugsicherungssystem ERTMS ersetzt werden, das in Spanien ansonsten bereits weit verbreitet ist. Auf dem betroffenen Abschnitt hatten wenige Wochen vor dem UnglĂŒck Tests fĂŒr die Umstellung begonnen.
Bergung und Identifizierung dauern an
RettungskrĂ€fte setzten die Bergung der zerstörten Waggons fort; ein umgestĂŒrzter Waggon musste noch geborgen werden. Die Behörden nahmen DNA-Proben von Angehörigen entgegen, wĂ€hrend bislang nur die Namen von zwei Opfern offiziell bekanntgegeben wurden.
Ob Deutsche unter den Toten sind, war zunĂ€chst nicht bekannt. Das AuswĂ€rtige Amt erklĂ€rte, die Lage sei teilweise noch unĂŒbersichtlich; die deutsche Botschaft in Madrid stehe mit den örtlichen Behörden in Kontakt.
Regierung verspricht AufklÀrung
Das UnglĂŒck erinnert an die Zugkatastrophe von Adamuz in Andalusien, bei der im Januar 46 Menschen starben. MinisterprĂ€sident Pedro SĂĄnchez versprach eine umfassende AufklĂ€rung und kĂŒndigte an, die Sicherheit im Bahnverkehr zu verstĂ€rken.
Die vorgezogene Parlamentswahl ist fĂŒr den 29. November angesetzt. Die Opposition macht die Regierung fĂŒr das UnglĂŒck verantwortlich, wĂ€hrend SĂĄnchez erklĂ€rte, ein solcher Unfall werde sich nicht wiederholen.
Das UnglĂŒck trifft eine Bahnstrecke, auf der Spanien seit Jahren moderne europĂ€ische Sicherungstechnik ausbaut. Auf dem betroffenen Abschnitt zwischen Madrid und Sevilla war jedoch weiterhin das Ă€ltere deutsche System LZB im Einsatz. Die spanische Bahn hatte wenige Wochen vor der Kollision mit Tests fĂŒr die Ablösung durch ERTMS begonnen.
Die entscheidende offene Frage betrifft damit nicht nur den technischen Ausfall, sondern auch die AblĂ€ufe danach. Nach den veröffentlichten Funkmitschnitten soll die Leitstelle die Weiterfahrt mit normalem Fahrbetrieb angeordnet haben, obwohl das Sicherungssystem noch nicht wieder funktionierte und ein Zug auf der Strecke stand. Ob daraus strafrechtlich oder organisatorisch verantwortliche Fehler folgen, mĂŒssen die laufenden Ermittlungen klĂ€ren.
Politischer und praktischer Druck
FĂŒr die Regierung verschĂ€rft das UnglĂŒck den Druck zusĂ€tzlich: Im Januar waren bei der Katastrophe von Adamuz 46 Menschen gestorben, nun kamen in Toledo erneut Dutzende ums Leben. Die Opposition macht MinisterprĂ€sident Pedro SĂĄnchez und Verkehrsminister Ăscar Puente verantwortlich; zugleich steht die vorgezogene Parlamentswahl am 29. November bevor.
FĂŒr Reisende und Angehörige geht es kurzfristig vor allem um die Identifizierung der Opfer und verlĂ€ssliche Informationen. Mittelfristig dĂŒrften die Untersuchung der Leitstellenkommunikation, der Zustand Ă€lterer Sicherungssysteme und die Umstellung auf ERTMS entscheidend dafĂŒr sein, ob Spanien Sicherheitsregeln, Technik und Verantwortlichkeiten auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke neu ordnet.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: âSuche nach Opfern des ZugunglĂŒcks in Spanien geht weiterâ (29.10.2026)
Der Beitrag hebt die andauernden Bergungsarbeiten, die Suche nach Vermissten und den politischen Druck auf die Regierung hervor. Er bestĂ€tigt den Fokus auf eine mögliche Fehlentscheidung der Leitstelle, betont aber zugleich, dass die Unfallursache noch nicht abschlieĂend geklĂ€rt sei.
Der Artikel legt den Schwerpunkt auf Funkprotokolle und eine mögliche Freigabe der Weiterfahrt trotz des Ausfalls des LZB-Systems. Anders als der Ăberblick der tagesschau rekonstruiert er detailliert die Minuten vor der Kollision; offen bleibt auch dort die endgĂŒltige rechtliche Bewertung der Verantwortlichkeit.
Beide BeitrÀge schildern die Suche nach Opfern und den politischen beziehungsweise organisatorischen AufklÀrungsdruck. Der unterschiedliche Schwerpunkt liegt in der politischen FolgenabschÀtzung einerseits und der Rekonstruktion des Funkverkehrs andererseits.
