Aberfan: Royals gedenken 144 Toten zum 60. Jahrestag
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 15:38 Uhr | dpa, AD HOC NEWSAberfan erinnert an 116 getötete Kinder
- Die Katastrophe ereignete sich am 21. Oktober 1966 in der walisischen Bergbaugemeinde Aberfan.
- Eine rund 150.000 Tonnen schwere Halde begrub eine Schule und mehrere Bergarbeiterhäuser.
- Charles legte mit Camilla, William und einer Überlebenden Kränze im Gedenkgarten nieder.
Britische Royals gedenken der Opfer von Aberfan
Zum 60. Jahrestag der Katastrophe von Aberfan hat die britische Königsfamilie gemeinsam mit Überlebenden und Angehörigen der Opfer gedacht. König Charles III., Königin Camilla und Prinz William reisten dafür in die walisische Gemeinde nördlich von Cardiff.
144 Menschen starben unter der Halde
Bei dem Unglück am 21. Oktober 1966 verloren 144 Menschen ihr Leben, darunter 116 Kinder. Nach tagelangen Regenfällen geriet eine etwa 150.000 Tonnen schwere Halde aus Bergbaumaterial ins Rutschen und begrub eine Grundschule sowie mehrere Häuser.
Besuch der Queen kam erst später
Die Katastrophe gilt als eine der schwierigsten Episoden in der Geschichte der britischen Monarchie. Elizabeth II. besuchte Aberfan erst acht Tage nach dem Unglück und wurde deshalb als distanziert gegenüber den Betroffenen wahrgenommen.
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Charles spricht mit Überlebenden
Charles sagte in seiner Ansprache, dies sei der „traurigste und tragischste Tag, den man sich vorstellen kann“. Die Berichte von Überlebenden und Angehörigen hätten ihn bewegt und demütig gemacht.
Im Gedenkgarten auf dem Gelände der ehemaligen Schule legte der König gemeinsam mit Camilla, William und einer Lehrerin, die die Katastrophe überlebt hatte, Kränze nieder. Auf dem mit Mohnblumen geschmückten Kranz stand die Widmung „In besonderer Erinnerung“.
Versäumnisse bei der Halde
Bergbaumaterial war über Jahre aufgeschüttet worden, obwohl bekannt war, dass sich darunter Wasserquellen befanden. Eine Untersuchung stellte erhebliche Versäumnisse fest; strafrechtlich verfolgt wurde niemand.
Die Kosten für die Räumungsarbeiten wurden aus einem Spendenfonds bezahlt. Erst Jahrzehnte später wurde das Geld zurückerstattet.
Die Aberfan-Katastrophe zählt zu den folgenschwersten Unglücken der britischen Nachkriegsgeschichte. Am 21. Oktober 1966 löste sich nach starken Regenfällen eine gewaltige Abraumhalde und begrub die Pantglas Junior School sowie Wohnhäuser. Die 116 getöteten Kinder prägten das kollektive Gedächtnis in Wales nachhaltig.
Im Zentrum der Erinnerung steht neben dem Unglück selbst der Umgang der damaligen Monarchin damit. Elizabeth II. reiste erst acht Tage später nach Aberfan. Diese Entscheidung wurde als Distanz zu den Betroffenen interpretiert und begleitete ihr öffentliches Bild über Jahrzehnte. Ihre späteren Besuche galten auch als Ausdruck des Bedauerns.
Erinnerung bleibt politisch
Der Jahrestag verweist zudem auf die Verantwortung staatlicher und regionaler Stellen. Die Halde war trotz bekannter Wasserquellen aufgeschüttet worden; die anschließende Untersuchung stellte erhebliche Versäumnisse fest, ohne dass es zu strafrechtlichen Verurteilungen kam. Auch die Finanzierung der Räumungsarbeiten sorgte langfristig für Kritik.
Charles’ Besuch verbindet die familiäre Erinnerung der Krone mit einem erneuerten öffentlichen Gedenken. Für die Hinterbliebenen steht dabei weniger die symbolische Präsenz der Royals als die dauerhafte Anerkennung des Leids im Mittelpunkt. Dass der König Überlebende und Angehörige traf, unterstreicht den persönlichen Charakter des Jahrestags.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
n-tv: „Aberfan-Katastrophe verfolgte die Queen ihr Leben lang“ (21.10.2026)
Der Beitrag ordnet das Gedenken über die lebenslange Wirkung der Katastrophe auf Elizabeth II. ein. Er bestätigt den Jahrestag und den Besuch der Royals, setzt den Schwerpunkt jedoch stärker auf die persönliche Belastung der früheren Königin.
Deutschlandfunk: „116 tote Kinder: 60. Jahrestag der Katastrophe von Aberfan“ (21.10.2026)
Der Beitrag stellt die getöteten Kinder und die historische Dimension des Unglücks in den Mittelpunkt. Damit ergänzt er die aktuelle Gedenkzeremonie um eine stärker gesellschaftliche und erinnerungspolitische Perspektive.
Beide Beiträge verbinden das heutige Gedenken mit der fortdauernden Erinnerung an die Opfer. Unterschiede liegen vor allem im Schwerpunkt: Während n-tv.de die Rolle der Queen betont, rückt der Deutschlandfunk die Kinder und die historische Tragweite in den Vordergrund.

