Venezuela, Erdbeben

Wut und Verzweiflung nach Erdbeben in Venezuela

30.06.2026 - 18:35:48 | dpa.de

In Venezuela verlangen Menschen vor TrĂŒmmern mehr Hilfe von den Behörden – auch bewaffnete Soldaten werden zum Anpacken aufgefordert.

Angehörige warten neben einer Statue der Jungfrau Maria wÀhrend Bergungsarbeiten. - Bild: Javier Campos/dpa
Angehörige warten neben einer Statue der Jungfrau Maria wÀhrend Bergungsarbeiten. - Bild: Javier Campos/dpa

Knapp eine Woche nach den Erdbeben in Venezuela mit bisher mindestens 1.700 Toten nehmen die Verzweiflung und die Wut der Angehörigen zu. Videos zeigen, wie Menschen vor den TrĂŒmmern eingestĂŒrzter GebĂ€ude verĂ€rgert ein entschlosseneres Vorgehen der Behörden verlangen. Viele haben zudem Angst vor PlĂŒnderungen beschĂ€digter WohnhĂ€user, wie die Zeitung «El Nacional» berichtet. Die Hoffnung auf die Bergung von Überlebenden schwindet.

«Es sind meine Kinder, ich möchte sie zurĂŒckhaben - ob lebendig oder tot -, aber ich will sie bei mir haben! Man wird sie nicht in ein Massengrab werfen», fordert ein Mann in der schwer betroffenen Stadt Tanaguarena im Bundesstaat La Guaira lautstark, wie in einem Video der venezolanischen Journalistin Maryorin MĂ©ndez zu sehen ist. 

Ein anderes Video zeigt, wie ein Mann bewaffnete Soldaten, die dort patrouillieren, wĂŒtend auffordert, mit Spitzhacken und Schaufeln zu helfen. Daraufhin hĂ€tten die Soldaten angefangen, TrĂŒmmer wegzurĂ€umen, berichtete die Journalistin.

Ohnehin schwierige Lage vor den Erdbeben

In den vergangenen Tagen wurde Kritik an der geschĂ€ftsfĂŒhrenden PrĂ€sidentin Delcy RodrĂ­guez laut. Nachdem sie am Freitag bei einem Rundgang in der Hauptstadt Caracas ausgebuht worden war, wurde sie am Sonntag in sozialen Netzwerken wegen eines lediglich protokollarischen Treffens mit internationalen Rettungsteams in einer kritischen Phase kritisiert.

Venezuela befand sich vor den Erdbeben ohnehin schon in einer schwierigen Lage. Seit Jahren leidet das Land unter politischen Spannungen, wirtschaftlichen Problemen und einer der grĂ¶ĂŸten Migrationskrisen der Welt. Im Januar fĂŒhrte Washington einen MilitĂ€reinsatz im Land durch, bei dem der autoritĂ€re Machthaber NicolĂĄs Maduro gefangen genommen wurde. Die derzeitige Staatschefin war VizeprĂ€sidentin in der Maduro-Regierung.

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