10.000 Hitzetote: Regierung plant nationale Schutzstrategie
Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 13:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Knapp 10.000 Hitzetote zählt das Robert Koch-Institut bis Mitte Juli. Jetzt plant die Bundesregierung einen nationalen Hitzeaktionsplan.
Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth kündigte Anfang August an, die Strategie bis 2027 umzusetzen. Eine geplante Grundgesetzänderung soll den Hitzeschutz als Staatsaufgabe festschreiben. Der Schritt ist auch eine Reaktion auf Kritik des Bundesrechnungshofes: Dem bisherigen Programm zur Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen fehlte die rechtliche Grundlage.
Kommunen beim Hitzeschutz abgehängt
Die regionalen Unterschiede sind enorm. In Nordrhein-Westfalen haben nur 25 von 427 Kommunen einen eigenen Hitzeaktionsplan. Dabei verzeichnete das Bundesland allein in der Woche vom 22. bis 28. Juni 6.335 Tote – ein Rekordwert. In Hessen zählte das RKI rund 600 Hitzetote im ersten Halbjahr, die Einsatzzahlen der Rettungsdienste stiegen zeitweise um 50 Prozent.
Die extreme Hitzewelle Ende Juni hatte vielerorts Temperaturen über 40 Grad gebracht. Genau solche Wetterlagen dürften künftig häufiger auftreten – die Debatte über verbindliche Schutzvorschriften gewinnt damit an Dringlichkeit.
Betriebe zwischen Vorschrift und Praxis
Die Arbeitsschutzregeln sind klar: Ab 26 Grad Raumtemperatur müssen Arbeitgeber kühlende Maßnahmen ergreifen, ab 30 Grad die Belastung verringern. Bei 35 Grad gelten Räume ohne Schutzmaßnahmen nicht mehr als Arbeitsraum. Doch die Umsetzung in der Praxis ist aufwendig.
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Der Industriebetrieb Piller in Osterode im Harz zeigt, wie es gehen kann. Bei Hallentemperaturen bis 30 Grad setzt das Unternehmen auf intensives Lüften in den frühen Morgenstunden, Wasserspender und die Verlagerung schwerer Arbeiten in kühlere Tageszeiten. Langfristig sind technische Kühlsysteme geplant.
Baustellen: Jede zweite Kontrolle deckt Mängel auf
Im Baugewerbe sieht die Lage deutlich schlechter aus. In Niederösterreich ergaben 401 Kontrollen seit Jahresbeginn 357 Übertretungen der Hitzeschutzverordnung. Bei 42 Prozent der geprüften Baustellen fehlten grundlegende Schutzmaßnahmen komplett. Sozialministerin Korinna Schumann verteidigt die bestehenden Regeln, die Arbeiterkammer fordert zusätzlich klare Temperaturgrenzen für Innenräume.
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Kärnten setzt derweil auf Freiwilligkeit: Über 800 Baubetriebe wurden aufgefordert, die Hitzefrei-Regelung ab 32,5 Grad konsequenter zu nutzen. Bislang profitieren nur etwa 25 Prozent der rund 11.900 Bauarbeiter davon. Die Gewerkschaft vida verlangt außerdem verbindliche Standards für Paketzusteller und Lader – ihnen fehle oft der Zugang zu Kühlräumen oder fließendem Wasser. Ab einer gefühlten Temperatur von 30 bis 34 Grad wird das zur Gesundheitsgefahr.
Kitas: Petition fordert verbindliche Schutzkonzepte
Auch im Betreuungssektor wächst der Druck. In Nordrhein-Westfalen unterstützen rund 8.000 Menschen eine Petition für ein verbindliches Hitzeschutzkonzept in Kitas. Initiatoren berichten von Schlafräumen mit 30 Grad. Das Kinderbildungsgesetz (KiBiz) enthält bislang keine spezifischen Schutzvorgaben für solche Wetterlagen. Kritiker bemängeln: Kitas und Altenheime sind für Hitzewellen mit Temperaturen um 40 Grad einfach nicht gerüstet.
