Gewinnwachstum, Krise

100 Prozent Gewinnwachstum trotz Krise

Veröffentlicht: 04.06.2009 um 10:02 Uhr, Redaktion AD HOC NEWS, Redaktionelle Verantwortung: Rafael MĂŒller (Chefredaktion)

Interview mit Hero Eden von Shanghai Fairtrade

Hero Eden ist der GrĂŒnder der Shanghai Fairtrade AG, und fĂŒhrt dort seit 10 Jahren das operative GeschĂ€ft. Im Interview mit EMFIS erklĂ€rt der gebĂŒrtige Hamburger, wie es Shanghai Fairtrade gelang, der Wirtschaftskrise zu trotzen, wie man in China Erfolg haben kann, und woher das Wachstum der nĂ€chsten Jahre kommen soll.


EMFIS:  Herr Eden, trotz Wirtschaftskrise und der Krise im internationalen Warenverkehr hat die Shanghai Fairtrade AG ihren Gewinn 2008 noch einmal verdoppelt. Dabei ist die Gesellschaft ein astreines Handelsunternehmen, das GĂŒter von Europa nach China und umgekehrt liefert. Haben Sie die Krise nicht gespĂŒrt?

Eden: Doch natĂŒrlich. Wir sind ja hauptsĂ€chlich in der InvestitionsgĂŒter-Branche tĂ€tig, und da sind auch viele chinesische Unternehmen zurĂŒckhaltender geworden. Andererseits gab es etliche Sektoren, wo die Nachfrage weiter sehr rege war. Beispielsweise haben wir immer noch sehr viele Anfragen fĂŒr unsere WĂ€rmekammern aus der pharmazeutisch-chemischen Industrie erhalten. Darunter waren auch einige chinesische Tochtergesellschaften von deutschen Chemiekonzernen. Auch unsere Laser- und EtikettiergerĂ€te sind in China noch stark gefragt. Umgekehrt hatten wir weiter gute UmsĂ€tze mit chinesischen Halbfabrikaten, die wir nach Europa geliefert haben. Auch aus dem Schiffsbau kamen wieder viele Bestellungen. Teilweise waren das auch FolgeauftrĂ€ge, oder wir haben bestehende Projekte weitergefĂŒhrt und ausgebaut.

EMFIS:  Also ist Ihr GeschĂ€ft relativ krisensicher?


Eden: Nein, man soll hier nicht blauĂ€ugig sein.  WĂ€ren wir beispielsweise nur auf die chinesische Spielwaren-Industrie fixiert, oder auf die Autobranche, dann wĂ€re unser GeschĂ€ft eingebrochen. Wenn wir uns nur auf eine Branche oder nur auf bestimmte Produkte konzentrieren wĂŒrden, hĂ€tten wir jetzt Probleme. Aber wir sind beweglich. Wenn ein Markt einbrechen sollte, haben wir woanders neue Möglichkeiten. Wir sind jetzt schon seit 10 Jahren in China, und wir bekommen jetzt viel besser mit, wo noch investiert wird. Zum Beispiels haben auch die Regierung und die Kommunen zur Zeit viele neue und interessante Projekte in der Pipeline.

EMFIS:  Aber man kann ja als kleines Unternehmen nicht in allen MĂ€rkten und Branchen prĂ€sent und erfolgreich sein.

Eden: Man kann mehr als man denkt. Vieles liegt natĂŒrlich an unserem Mitarbeiterstab vor Ort in Shanghai, der sehr flexibel ist. Da werden ununterbrochen Projekte und Anfragen geprĂŒft, auch auf ihre Umsetzbarkeit. Dabei gibt es hunderte von Dingen, die nicht funktionieren. Sie glauben gar nicht, was da alles durchs Raster fĂ€llt.

EMFIS:  Haben Sie in letzter Zeit auch neue Projekte auftun können?

Eden: Sehr große Hoffnungen setzen wir in den Pharma- und Gesundheitssektor. Wir haben ja schon gemeldet, dass wir eine Vertriebsvereinbarung mit dem chinesischen Sanddorn-Produzenten General Health abgeschlossen haben. Das Unternehmen erntet pro Jahr 15.000 Tonnen hochwertigen und ökologisch unbelasteten Sanddorn. Dieser wird auf verschiedenste Weise verarbeitet und als Extrakt, Granulat oder auch in Form von Pillen und SĂ€ften verkauft. Sanddorn ist ein wichtiger Vitaminspender und wird auch in Europa immer mehr zum Trendprodukt. Wir haben fĂŒr General Health den europaweiten Vertrieb ĂŒbernommen und sehen hier ein hohes Absatzpotential. FĂŒr die europĂ€ischen Hersteller ist es momentan schwierig, ĂŒberhaupt an Sanddorn zu kommen, und schon gar nicht in diesen Mengen und in dieser QualitĂ€t.

EMFIS:  Eine weitere Premiere fĂŒr Ihr Unternehmen ist der Export von Medikamenten nach China. Wie wollen sie diesen Markt anpacken?

Eden: China hat die Einfuhrbestimmungen fĂŒr auslĂ€ndische Pharmaprodukte deutlich gelockert. Das eröffnet ganz neue Möglichkeiten; der Markt ist riesig. Außerdem leiden mit zunehmendem Wohlstand auch immer mehr Chinesen an typisch westlichen Wohlstandskrankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck. Dies sind ernstzunehmende Erkrankungen. China kann es sich auf Dauer nicht leisten, hier auf die Segnungen der westlichen Medizin zu verzichten. Aber nur die ganz großen auslĂ€ndischen Pharmakonzerne haben sich bisher den Marktauftritt in China leisten können. Die HĂŒrden und Marktbesonderheiten sind immer noch hoch. Dabei gibt es gerade unter den deutschen Pharmaherstellern viele mittelstĂ€ndische Unternehmen, die hervorragende Produkte herstellen, und damit in China viel Erfolg haben könnten. Diesen Unternehmen ebnen wir den Weg. In einer ersten Kooperation haben wir ein Vertriebsabkommen mit 4000 Apotheken im Großraum Shanghai abgeschlossen. Dabei soll es aber natĂŒrlich nicht bleiben.

EMFIS:  Sie haben sich ja auch schon fĂŒr das laufende Jahr sehr zuversichtlich geĂ€ußert. Wird das GeschĂ€ft mit Sanddorn und Medikamenten zu der neuerlichen Umsatzverdoppelung beitragen, die Sie prognostiziert haben?

Eden: Der Aufbau dieses GeschĂ€fts und der Strukturen und VertriebskanĂ€le ist etwas langwieriger. DafĂŒr werden wir dann im Sanddorn- und  Pharmabereich einen kontinuierlichen Ergebnisstrom haben, Ă€hnlich wie bei den von uns vermittelten Kooperationen zur Auftragsfertigung. Gleichzeitig gehen wir davon aus, dass die Rohmargen in unserem Gesundheitsbereich höher sein werden als beim Verkauf von Maschinen. In diesem neuen GeschĂ€ft sehen wir große Wachstumsperspektiven. Der Umsatz im  „Brot- und ButtergeschĂ€ft“ dagegen, also im klassischen Handel mit Maschinen und Anlagen, wird dieses Jahr vielleicht noch um 10 Prozent steigen.

EMFIS: Was muss ein Unternehmen grundsÀtzlich mitbringen, um in China Erfolg zu haben und ins GeschÀft zu kommen?

Eden: Die chinesische MentalitĂ€t ist eine ganz andere – das darf man nie unterschĂ€tzen. Die GeschĂ€ftsleute dort sind viel vorsichtiger; sie kommen auch bei weitem nicht so schnell zur Sache wie hierzulande. Sie mĂŒssen dort Ihr Netzwerk pflegen, sie mĂŒssen Freundschaften pflegen, Sie brauchen in fast allen FĂ€llen FĂŒrsprecher. Auch uns war das anfĂ€nglich nicht genĂŒgend bewusst. Wir haben viele Fehler gemacht, wir haben eine Menge Lehrgeld bezahlt. In Chinas GeschĂ€ftswelt können Sie nur durch KontinuitĂ€t bestehen. Viele europĂ€ische Unternehmen, die hier nur den schnellen Erfolg gesucht haben, sind auf der Strecke geblieben.

Lesen Sie zu diesem Thema auch den Beitrag „Shanghai Fairtrade – Weitere Gewinnverdoppelung in Sicht“ auf www.emfis.de .

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