Unterschriften, Protest

680.000 Unterschriften: Protest gegen geplante EinschrÀnkungen der Informationsfreiheit

Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 00:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Vorschlag des Innenministeriums stĂ¶ĂŸt auf Kritik, wĂ€hrend mehr als 680.000 Menschen eine Petition fĂŒr Informationsfreiheit unterstĂŒtzten.
Ein leerer, schmuckloser Flur in einem BehördengebĂ€ude mit geschlossenen TĂŒren. Illustration mit AI erstellt.

Die zivilgesellschaftlichen Organisationen abgeordnetenwatch und FragDenStaat werfen Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) vor, den Informationszugang zu amtlichen Daten pauschal beschneiden zu wollen.

Anlass fĂŒr die Kritik ist ein Referentenentwurf aus dem Bundesinnenministerium, nach dem Behörden Anfragen zu kritischen Infrastrukturen kĂŒnftig generell abweisen können sollen. Berichten von FragDenStaat und der Berliner Zeitung zufolge war der Gesetzentwurf zuvor nicht öffentlich bekannt.

Weitreichende Ausnahmen ĂŒber das Transparenz-Anpassungsgesetz

Nach Angaben von FragDenStaat sieht der Entwurf eines Transparenz-Anpassungsgesetzes zu kritischer Infrastruktur vor, das seit 2006 geltende Informationsfreiheitsgesetz (IFG) tiefgreifend zu verÀndern.

Konkret soll ein neuer Paragraf 3 Nummer 9 IFG den Informationszugang zu Einrichtungen ausschließen, die per Rechtsvorschrift als kritische Infrastruktur definiert sind oder zur Wahrung der öffentlichen Sicherheit als besonders schutzbedĂŒrftig gelten.

Laut dem Referentenentwurf wĂ€ren von dieser Regelung zahlreiche Sektoren betroffen. Dazu zĂ€hlen Energie, Verkehr, Gesundheit, Finanzwesen, Wasser und ErnĂ€hrung. Zudem sollen auch die Bereiche Informationstechnik und Telekommunikation unter die pauschalen Ausschlusskriterien fallen. DarĂŒber hinaus sieht das Bundesinnenministerium vor, dass alle Bundesministerien prĂŒfen sollen, ob bereits veröffentlichte Daten gelöscht werden mĂŒssen.

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Zivilgesellschaft und Datenschutzbeauftragter Ă€ußern deutliche Bedenken

Vertreter der Zivilgesellschaft reagierten mit scharfer Ablehnung auf die PlĂ€ne. Sarah Schönewolf von abgeordnetenwatch betonte, dass kritische Infrastrukturen vor Sabotage geschĂŒtzt werden mĂŒssten und nicht vor öffentlicher Kontrolle. Dem Ministerium warf sie vor, die Einschnitte in Fachgesetzen zu verstecken, statt das Informationsfreiheitsgesetz offen abzuschaffen. Schönewolf forderte die SPD auf, das Vorhaben zu stoppen.

Auch Arne Semsrott von FragDenStaat wies die BegrĂŒndung des Ministeriums zurĂŒck und bezeichnete die angefĂŒhrten Sicherheitsbedenken als reinen Vorwand. Es gebe keinerlei Belege dafĂŒr, dass Auskunftsersuchen nach dem IFG Sicherheitsbedrohungen verursacht hĂ€tten. Dies habe die Bundesregierung vor Gericht selbst eingerĂ€umt.

Aus den Berichten geht hervor, dass der Bundesregierung tatsÀchlich kein einziger Fall bekannt ist, in dem eine Auskunft nach dem IFG eine GefÀhrdung der Infrastruktur zur Folge hatte.

Der Datenschutzbeauftragte Moritz Hennemann bewertete das grundsĂ€tzliche Ziel des Schutzes zwar als nachvollziehbar, kritisierte den vorliegenden Entwurf jedoch als im Detail zu pauschal und unbestimmt. Er plĂ€diert stattdessen fĂŒr eine differenzierte Regelung innerhalb des bestehenden Gesetzesrahmens.

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Politischer Widerstand und breiter Protest

Gegen die EinschrĂ€nkungen regt sich auch in der Bevölkerung und im Parlament Widerstand. FragDenStaat sammelte mehr als 680.000 Unterschriften fĂŒr eine Petition zum Erhalt der Informationsfreiheit. Die Unterschriften wurden vor dem Bundestag an SPD-GeneralsekretĂ€r Tim KlĂŒssendorf sowie weitere Abgeordnete der SPD ĂŒbergeben.

Die SPD-Fraktion hatte bereits das ursprĂŒngliche Vorhaben abgelehnt und im Juli mit einem Positionspapier Widerstand signalisiert. SpĂ€ter kritisierte die Fraktion die neuen PlĂ€ne erneut als zu weitgehend. Ob der Entwurf in der vorliegenden Fassung parlamentarisch weiterverfolgt wird, bleibt angesichts des Widerstands offen.

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