Abschreibung im Steuerrecht: Wechsel von degressiv zu linear ist erlaubt
Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 02:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie bilanzielle Abschreibung des Anlagevermögens dient der systematischen Verteilung der Anschaffungskosten eines Wirtschaftsguts über dessen voraussichtliche Nutzungsdauer. Als nicht zahlungswirksamer Aufwand folgt dieses bilanzielle Instrument dem Grundsatz der Periodengerechtigkeit. Aufwendungen werden damit genau den Zeiträumen zugerechnet, in denen die wirtschaftliche Nutzung der Vermögenswerte erfolgt und Erträge erwirtschaftet werden.
Ermittlung des Buchwerts und bilanzielle Erfassung
Der bilanzielle Buchwert eines Anlageguts errechnet sich aus den historischen Anschaffungskosten abzüglich der kumulierten Abschreibungen. In der Rechnungslegung werden diese Wertminderungen wahlweise direkt vom Vermögenswert abgezogen oder über ein entsprechendes Wertberichtigungskonto geführt.
In internationalen Fachartikeln wird die Nutzungsdauer industrieller Maschinen häufig auf fünf bis acht Jahre geschätzt. Fachleute betonen dabei die Bedeutung passender Abschreibungssätze: Zu hoch angesetzte Abschreibungen verringern zwar kurzfristig den steuerlichen Gewinn, können künftig jedoch bilanzielle Spielräume einengen. Zu geringe Abschreibungen wiederum strecken die steuerlichen Abzüge und können die Liquidität belasten.
Gängige Abschreibungsmethoden im Vergleich
In der Praxis existieren verschiedene Rechenmodelle, um den Werteverzehr rechnerisch abzubilden. Die Wahl der Methode orientiert sich am tatsächlichen Werteverzehr, der Branche sowie den rechtlichen Rahmenbedingungen:
- Lineare Abschreibung: Bei dieser Methode wird der jährliche Abschreibungsbetrag ermittelt, indem die Differenz aus den Anschaffungskosten und dem geschätzten Restwert durch die Nutzungsdauer geteilt wird. Sie kommt zum Einsatz, wenn von einer gleichmäßigen Abnutzung über die Jahre ausgegangen wird.
- Degressive Abschreibung: Diese Variante weist in den ersten Jahren der Nutzung überproportional hohe Beträge aus, die im Zeitverlauf kontinuierlich sinken. Sie spiegelt einen rascheren anfänglichen Wertverlust wider. Eine Variante stellt die doppelt degressive Methode dar, bei welcher der Restwert zunächst unberücksichtigt bleibt.
- Leistungsbezogene Abschreibung: Hierbei bemisst sich der jährliche Aufwand nach den tatsächlich erbrachten Einheiten oder Betriebsstunden eines Anlageguts innerhalb des Geschäftsjahres.
- Methode der Jahressummen: Dieses Verfahren verteilt die Gesamtabschreibung degressiv über rechnerisch gewichtete Jahresanteile.
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Rechtliche Rahmenbedingungen im Handels- und Steuerrecht
In Deutschland gewährt das Handelsgesetzbuch nach Paragraph 253 Absatz 3 HGB Methodenfreiheit für planmäßige Abschreibungen des abnutzbaren Anlagevermögens. Bilanzierende Unternehmen müssen dabei jedoch den Grundsatz der Bewertungsstetigkeit beachten, um eine willkürliche Beeinflussung der Jahresergebnisse zu verhindern. Als Kernkriterium gilt stets, dass die gewählte Methode den tatsächlichen Werteverzehr bestmöglich nachzeichnet.
Im Steuerrecht unterliegen die Methoden strikteren Vorgaben. Die degressive Absetzung für Abnutzung für bewegliche Wirtschaftsgüter nach Paragraph 7 Absatz 2 des Einkommensteuergesetzes ist nur befristet für festgelegte Anschaffungszeiträume gestattet.
Der Wechsel von der degressiven zur linearen Abschreibungsmethode ist steuerlich zulässig, während der umgekehrte Wechsel ausgeschlossen bleibt. Steuer- und Liquiditätsüberlegungen gelten bei der Wahl primär als ergänzende Kriterien zur Periodengerechtigkeit.
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Hohe Bedeutung für Konzernergebnisse
Wie stark Abschreibungen und Wertminderungen Unternehmensergebnisse beeinflussen, zeigt sich regelmäßig in der Unternehmensberichterstattung. Da Abschreibungen den bilanziellen Gewinn mindern, ohne dass im selben Moment liquide Mittel abfließen, können sie Quartalsbilanzen erheblich prägen.
So verzeichnete der Volkswagen-Konzern im dritten Quartal 2026 unter anderem infolge hoher, nicht zahlungswirksamer Abschreibungen auf Beteiligungen einen Milliardenverlust.
Auch bei anderen Industrieunternehmen führen planmäßige sowie außerplanmäßige Wertminderungen auf Sachanlagen oder Firmenwerte zu deutlichen Belastungen des ausgewiesenen operativen Ergebnisses, während der Zahlungsmittelbestand davon unberührt bleibt.
