Ältere Arbeitslose: Ifo sieht 43 Punkte mehr Beschäftigung
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 10:08 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSÖsterreichische Stellen zeigen nachhaltige Wirkung
- Das Ifo-Institut ordnet Evidenz aus Ă–sterreich und den Niederlanden in einer Studie ein.
- 2025 waren in Deutschland knapp 47 Prozent der Arbeitslosen ab 55 Jahren langzeitarbeitslos.
- In Österreich lag die Beschäftigungswahrscheinlichkeit zwei Jahre später um 43 Prozentpunkte höher.
Ifo-Studie vergleicht Förderprogramme für Ältere
Maßgeschneiderte Programme können älteren Arbeitslosen helfen, in den Beruf zurückzukehren. Das zeigt eine Studie des Ifo-Instituts, die neue Evidenz aus Österreich und den Niederlanden einordnet und die Kosten der Maßnahmen vergleicht.
Lange Arbeitslosigkeit betrifft Ältere häufiger
In Deutschland waren 2025 knapp 47 Prozent der Arbeitslosen ab 55 Jahren langzeitarbeitslos. Bei den 25- bis 54-Jährigen lag der Anteil bei 34 Prozent.
Mit zunehmender Dauer wird die Rückkehr in Beschäftigung schwieriger. Bei älteren Menschen kann Arbeitslosigkeit laut Studie häufig in einen vorzeitigen Ausstieg aus dem Erwerbsleben münden.
Österreichisches Programm führt in reguläre Beschäftigung
In Österreich erhielten Langzeitarbeitslose zuletzt befristete Stellen, die vollständig vom Staat finanziert wurden. Zwei Jahre nach dem Ende des Programms lag ihre Wahrscheinlichkeit, wieder beschäftigt zu sein, 43 Prozentpunkte über der Vergleichsgruppe.
Der Effekt beruhte vollständig auf regulärer, nicht geförderter Beschäftigung, sagte Martin Halla von der Wirtschaftsuniversität Wien. Ifo-Forscherin Pia Heckl verwies darauf, dass längere Arbeitslosigkeit den Staat durch Sozialleistungen und entgangene Steuereinnahmen doppelt belaste.
Beratung in den Niederlanden spart mehr als sie kostet
Das niederländische Beispiel setzte auf umfassende Beratung für ältere Arbeitslose. Dabei wurden auch Netzwerke wie frühere Kollegen, Freunde und Familienmitglieder einbezogen.
Ein Jahr nach Beginn der Arbeitslosigkeit bezogen 40 Prozent der eingeladenen Personen kein Arbeitslosengeld mehr; in der Vergleichsgruppe waren es 38 Prozent. Pro Person sparte der Staat rund 715 Euro, während das Programm 470 Euro kostete.
Ifo plädiert für passgenaue Angebote
Die Erfahrungen aus anderen Ländern zeigten, dass ältere Arbeitslose keine einheitliche Gruppe seien, erklärte Heckl. Programme in Deutschland sollten deshalb auf die jeweiligen Hürden zugeschnitten werden.
Die Studie rückt ein Problem in den Mittelpunkt, das den deutschen Arbeitsmarkt besonders bei längeren Erwerbsunterbrechungen prägt: Ältere Arbeitslose bleiben häufiger dauerhaft ohne Beschäftigung. Der Abstand zwischen den Altersgruppen verweist darauf, dass Standardinstrumente der Arbeitsförderung nicht alle Hürden gleichermaßen erreichen.
Die Beispiele aus Österreich und den Niederlanden setzen an unterschiedlichen Punkten an. Befristete, staatlich finanzierte Beschäftigung kann praktische Berufserfahrung und einen Übergang in reguläre Arbeit ermöglichen. Eine intensive Beratung mit dem Einbezug persönlicher Netzwerke zielt dagegen stärker auf Orientierung, Kontakte und die konkrete Arbeitssuche.
Gezielte Förderung statt Einheitsprogramm
Für Deutschland folgt daraus vor allem ein Ausgestaltungsproblem. Maßnahmen müssen berufliche Qualifikation, gesundheitliche Einschränkungen, regionale Arbeitsmöglichkeiten und die Dauer der Arbeitslosigkeit berücksichtigen. Die Kosten-Nutzen-Rechnung fällt zudem anders aus, wenn eine Förderung nicht nur Leistungen spart, sondern auch zusätzliche Steuereinnahmen und Sozialbeiträge ermöglicht.
Die genannten Ergebnisse liefern keine pauschale Rangfolge der Instrumente. Sie zeigen vielmehr, dass Wirkung und Wirtschaftlichkeit vom jeweiligen Ziel und von der Zielgruppe abhängen. Für Betroffene kann eine passgenaue Unterstützung entscheidend sein, bevor sich Arbeitslosigkeit verfestigt oder in einen vorzeitigen Rückzug aus dem Erwerbsleben mündet.
